ihre sich unterordnende Beute , oder er geräth in Zweifel , die sein höheres Bedürfniß anfeinden oder es langsam zerstören . Leonin rettete sich nicht , obwol er die Hand fühlte , die sich nach ihm ausstreckte , bereit , gleich einem Wachsbilde sein neu begonnenes Leben zu erdrücken ; ein Schauer beschlich ihn , aber er war nicht geboren , das wogende Innere durch kräftige Gedanken zur Ruhe und Klarheit zu bringen ; er ließ unheimliche Anregungen sich mehren , ohne sie zur Rechenschaft zu ziehen , und wartete stets auf die Hand , die von Außen kommen möchte , in ihm aufzuräumen . Und noch wachte ja sein guter Engel über ihm und hielt ihn fest auf dem heil ' gen Boden , wo ihm ein so reiches , tief gehendes Verständniß geworden war . Aber zuerst ließ Fennimor seine Hand los , um allein nach dem schon sichtbaren Hause zu gehn ; ihre ahnende Seele fühlte die Gemeinschaft mit dem Geliebten verkümmert durch den Fremden , der sich von ihren Vorstellungen nicht bezwingen ließ . Leonin genoß ihren Anblick , wie sie vor ihnen herschritt , und der Marquis prüfte mit eifersüchtiger Schärfe ihren Anstand . Wie schwer ward es ihm , über sie einig zu werden . - Dieser kindliche , spielende Schritt , dieser gleitende Fuß , der noch nie fehl trat , oder die leichte Gestalt im unebenmäßigen Takte bewegte , wo hatte sie es gelernt unter ihren hohen Bäumen ? Sollte er der Natur ein Recht zugestehen müssen , was hier nicht einmal vertreten ward durch den Ursprung hohen Blutes ? - Er zog sich zusammen vor jeder Combination , die ihn seinem festgeschlossenen Ideenkreise entführte ; aber dies Wesen streifte ihn wie ein Geheimniß , das sich nicht von selbst enthüllen wollte , und er grollte ihr um so mehr . Beide Männer folgten so , beherrscht von demselben Gegenstande , ihrem leichten Schritte - Beide wußten sich aber nichts zu sagen , Jeder von der abweichenden Meinung des Andern überzeugt und dennoch sicher , in der nächsten Zeit sich demselben noch nicht entziehn zu dürfen . So war Fennimor schon länger hinter den Thüren verschwunden , die von dem Wohnzimmer in den Wald führten , ehe die langsam Folgenden diesen näher kamen , und schon kehrte Fennimor zurück und öffnete leis und mit Vorsicht die doppelten Flügel , zurückschauend , ob die Strahlen der Sonne den Lehnstuhl erreichen würden , auf dem jetzt der Greis sitzend zu sehen war , der , wie es schien , vom Schlummer gebeugt , das Haupt auf die Brust gesenkt hatte . Fennimor bemerkte die Nahenden nicht ; in anderer Art angeregt , gab sie sich dieser Richtung ohne Theilung hin . Die Männer sahen sie vor dem Greise niederknieen und seine Hände fassen ; sie schien sie erwärmen zu wollen und legte dann ihre flache Hand auf seine Stirn - sie schauderte . » Du bist so kalt , mein Vater - wache auf ! « sagte sie leise - und als er , der sonst von dem schwächsten Hauche ihrer Stimme erwachte , unbeweglich blieb - da wiederholte sie den Ruf mit einem Tone , der von der Ahnung eines unermeßlichen Weh ' s geschwellt war . Leonin stürzte diesem Rufe nach in den Saal . Fennimor war aufgestanden , sie lehnte das schwere , widerstandslose Haupt des Vaters mit Mühe zurück , und bestrebte sich , die beschattenden weißen Locken von der Stirn zurück zu legen . Der Ausdruck von Eifer , von Sorgfalt und Liebe in ihren Zügen , war von einem Entsetzen beschlichen , welches sie starr blicken ließ , und erbleichen ; sie wußte noch den Namen nicht für die Ursache , denn sie kannte den Tod nicht . Aber Leonin war fast außer Zweifel . So prägt nur der letzte Bote an das Leben die Züge der Menschen um ; widerstandslos , in heitere Träume versunken , hatte er den Greis gefunden , und ihn leis hinüber geführt , wohin seine kindliche Seele schon längst reichte , ohne durch irgend einen Kampf die Trennung zu verrathen , die schöne Hülle selbst noch ehrend und ihr einen Abglanz der Verklärung des Geistes schenkend , der sie verlassen . Fennimor sah ihren Vater so schön , so lächelnd , als schwebe der Segen noch für sie auf den erblaßten Lippen ; sie faßte nicht , was geschehen war , und schauderte doch vor der verständlichen Veränderung und der nie gefühlten Kälte . » Der Vater , der Vater ! « sagte sie immer wieder - » Leonin , der Vater ! « Weiter fand sie kein Wort , die Ahnung stand dazwischen und hinderte jeden Versuch , ihr Gefühl zu bezeichnen . Endlich ließ sie die Hände ab von ihm und blickte Leonin an - und dieser Blick führte sie ihrem Schicksale näher , denn in seinen Zügen fand sie einen Schmerz , einen Jammer ausgeprägt , der sie überzeugte , er sähe mehr , als sie . » Ist er krank ? ist der Vater sehr krank ? « rief sie mit stockendem Athem - » sag ' , was fangen wir an ? « Er antwortete nicht , zog sie aber an seine Brust und fühlte mit einer unbeschreiblichen Heiligung aller seiner Gefühle , daß sie nur ihn noch auf dieser Welt habe . » Geh ' , Fennimor , rufe Emmy Gray - der Vater ist sehr krank - aber fasse Dich und denke , daß er mich gestern eingesegnet hat , daß ich Dir an seiner Statt Vater sein soll , wenn Gott ihn zu sich rufen möchte . « » Was sagst Du ! « rief sie , verwirrt aus seinen Armen fahrend - » Gott wird ihn aber jetzt nicht wollen - nein , nein ! Er lebte , wie wir in den Wald gingen - es ist nicht lang ' - ich war ja nicht bei ihm - er lebt ! er schläft