völlig in sein goldenes Sündennetz verstrickt , daß ich zusagte und unversäumt zuletzt that , was er verlangte . Es wäre mir eine Erleichterung , hier auszusprechen , worin dies bestand , allein auch der in den Schlamm der Verbrechen tief Hinabgesunkene bewahrt sich doch immerdar jene Weihe der Scheu , die ihn erst verläßt , wenn der letzte göttliche Funken in ihm erloschen ist . Und , Gottlob , noch fühle ich , wenn auch nur schwach , das belebende Flimmern desselben still und vergebend in mir pulsen . Darum bleibe verschwiegen , was ohne mich selbst zu entweihen , meine Feder nicht aufzeichnen kann . Es gibt Thaten , die geschehen können , ohne daß die Geschichte erröthet und der Tag erbleicht , an dem sie entweihend sich einschleichen in die offenen Hallen , wo die Vergangenheit zur Auferstehung der Zukunft sich ordnet , aber ein offenes , wenn auch reuiges Wiedererzählen derselben verbreitet pestartige Dünste um sich . Darum sei mir vergönnt , hier nur schweigend zu sprechen , stumm zu bekennen , im Gebehrdenspiel einer wach gewordenen Angst abzubüßen den Frevel einer unseligen , im Rausch des Schmerzes und dem Sirenengesange der Verführung vermaledeiten Lebensstunde ! Noch lebt ein Zeuge jener That , der Kastelan , dessen Aufsicht die Kapelle anvertraut ist . Er weiß , wer an jenem Abende dem Priester administrirte , und was dieser Administrant vollzog während des erschlichenen Dienstes . Seine That und meine durch Mardochai bewerkstelligte Wiederbelebung des erschlaffenden Naturlebens hingen sehr eng zusammen . Ware Casimir noch am Leben , so würde er in der ungenirten Weise , sich zu offenbaren , dem Fragenden wol schwerlich eine Antwort versagen . Es war eine herzbrechende Farce , die Mardochai , Casimir und Friedrich , diese letzten Beiden freilich , ohne zu wissen , mir zum Heil aufführten . - Genug , Mardochai kam zu seinem Ziele und ich erlangte , wonach ich begehrte . Der Jude reichte mir den Arm und führte mich langsam den Berg hinab , während Friedrich aufregende Melodien , heitere , ergötzliche Lieder zu spielen schon früher beauftragt worden war . Mardochai blieb dabei ruhig , wie immer , er sprach von Unsterblichkeit , Glaube , Liebe und andern erhabenen Gegenständen , während in meinen erhitzten Adern eine Raserei der Lust tobte , wie ich sie in diesem Grade nie gefühlt hatte . Mein Wille war völlig gefangen während dieser Begebenheiten . Mardochai blieb mein Begleiter oder vielmehr Führer in der darauf folgenden Nacht , aber die Trefflichkeit seines Mittels ward außer Zweifel gesetzt . Ich gesundete , und erst später erlag ich für immer der strafenden Rache der Natur . O , damals ahnte ich noch immer nicht , warum Mardochai so gehandelt hatte ! Die späteren Jahre erst ließen mich erkennen , daß ich Teilnehmer einer Rache geworden sei , wie sie nur ein zweitausendjähriger Haß und ein gleich langes Dulden der himmelschreiendsten Ungerechtigkeiten ausbrüten konnte . Allein jene Rache hatte auch einen Zweck , einen heiligen Zweck , der ebenfalls , bei mir wenigstens , erreicht wurde , obwol mein Handeln dafür der trotzigen , dummen Menge gegenüber nur von geringer Wirkung geblieben ist . Von diesem Zwecke zu reden , kommt jedoch nur dem zu , der für ihn keine Sünde scheute ! Die Zukunft wird auch diesen dereinst bekannt werden lassen . - - Mardochai sprach nicht mehr von dieser Geschichte , denn seine Ruhe ist gleich mächtig in ihrer Consequenz , als der Haß unaustilgbar , den er in sich nährt und dessen Befriedigung seine eigenste Religion zu sein scheint . Mardochai ist entsetzlich , aber doch ein großer Mensch ! Denn er steht als strafender Rachegott auf für sein Volk , treu seiner Lehre , die in Gott ja nur einen starken , eifrigen Gott erkennt . Obwol ich Mardochai ' s Opfer geworden bin , ahne ich doch in ihm den reinen Menschen und weiß ihn zu sondern von dem Henker , wozu ihn das Jahrhundert berufen hat in der Nothwendigkeit seiner läuternden Auswüchse . - Es vergingen einige Tage und Mardochai ließ sich nirgends blicken . In mir stritten sich Ingrimm , eine lächerliche Verzweifelung und entschiedener Hohn gegen Alles , was bisher der Gewohnheit lieb und werth gewesen war , um den Besitz meines Herzens . Des Juden ausgesuchte diabolische Rache an dem Heiligsten , was unser Glaube geboren hat , schreckte mich auf aus dem Traume geistiger Vernichtung . Ich wollte den Schrecklichen meiden , aber ich hatte weder die Kraft , ihm zu fluchen , noch den Muth , zu behaupten , seine Handlungsweise sei die schandbarste , welche je geschehen unter der Sonne . Und dann - hatte er mich nicht gerettet , wieder hergestellt ? Ein neues Leben durchwärmte ja mein frierendes Nervenmark ! Ich fühlte mich ganz wieder Mensch , frei und stolz auf die Kraft einer vollen Männlichkeit . Es war ihm leicht , mich der niedrigsten Undankbarkeit zu beschuldigen , - sich als Retter , als großmüthiger Freund mir gegenüber hinzustellen ! Hätte nur der furchtbare Blick nicht noch immer meinen zerrissenen Herzenshimmel , wie ein blendender Blitz , zerspalten ! Ich zweifelte an der Rache des Juden und fand mich beruhigt , indem Gleichgiltigkeit bald den tiefern Eindruck verwischte . Als ich endlich Mardochai wieder sah , ging er gekleidet , wie am Tage der Entheiligung . Er trauerte und meldete mir ruhig , Eugenie , seine Geliebte , sei gestorben . Diese Nachricht erschütterte mich , obwol ich furchtbar drohend die Vergeltung auch hier die Fahne des Sieges schwingen sah . Mardochai zeigte sich von nun an immer auch in seinem Aeußern als Jude . Mich befremdete dies und ich forschte nach der Ursache . Mein zweideutiger Freund zuckte die Achseln und schwieg . Späterhin bemerkte ich , daß er mehr als früher mit seinen Glaubensgenossen umging . Er stand in vielfachen Verbindungen und mir schien es , als betreibe er neben seiner medicinischen Praxis noch ein Geschäft