hartnäckiger im Widerspruch sich zeigen , als diese Stimmung fast den ganzen Karakter aus seiner Bahn treibt . So ungern er sich auch zum Lenker dieser heftigen Frau aufwarf , so glaubte er doch dies nicht unterlassen zu dürfen , um eine wirklich befriedigende Ausgleichung herbei zu führen . Er sammelte sich daher und rückte der Erzürnten näher , um sie mit der ganzen ihm eigenen Feinheit darauf aufmerksam zu machen , wie nöthig es sei , dem jungen Herzoge milder entgegen zu treten . Man könne ihm doch unmöglich und namentlich in seiner jetzigen Stellung das Recht bestreiten , die wichtigste Wahl des Lebens nach eigener Ueberzeugung zu treffen . Hierbei unterstütze ihn sogar das Testament seines Vaters , welches ausdrücklich verfüge , daß alle seine Kinder ihrer eigenen freien Neigung bei ihren Verheirathungen überlassen bleiben sollten . Die Unterhandlungen mit der Gräfin von Dorset betrachtete er nur dann als seinem Wunsche gemäß , wenn die Neigungen beider jungen Leute ebenfalls hierin überein kämen . Er verkenne übrigens nicht die Schwierigkeiten einer Erfüllung des eben geäußerten Wunsches des jungen Herzogs , und er glaube gewiß , daß die liebevolle Stimme der Mutter sein Herz erreichen und seinen Willen beugen werde . Ja , Mylord , erwiederte die Herzogin mit mehr Ruhe , deren Nothwendigkeit ihr selbst aus den klugen Worten ihres Schwagers klar geworden war , ich will meine Stimme flehend an sein Herz dringen lassen , ja , der Sohn soll seine Mutter als Bittende vor sich sehen ; denn niemals , niemals darf sie ihm gewähren ! Doch sagt mir , fuhr sie fort , erzählte er Euch von der Gräfin ? War sie von seinen Absichten unterrichtet und theilte sie seine unseligen Wünsche ? Er hatte sich noch nicht erklärt , und ich erinnere mich , ihn aufgefordert zu haben , es bis dahin aufzuschieben , wo ich Gelegenheit fände , Euch seine Wünsche mitzutheilen . - So gebe Gott , daß er dieser Forderung willfahre , denn je wenigere um seine Verirrung wissen , desto leichter wird sie auszulöschen sein ! - Es entstand eine augenblickliche Pause , in der die Herzogin nicht undeutlich wahrnahm , wie Graf Archimbald von irgend einer Idee beschäftigt , keine Anstalten machte , sie zu verlassen . Sie glaubte bei einigem Nachdenken die Ursache darin zu finden , daß es ihr noch oblag , ihren lebhaft ausgesprochenen Widerwillen näher zu bezeichnen und dessen Gründe scharf genug hervorzuheben , um jeder weiteren Erwägung ihrer Wichtigkeit vorzubeugen . Wir sind gewiß alle einig , Mylord , hob sie an , ihn scharf beobachtend , daß die Natur kaum je ein weibliches Wesen reicher ausstattete , als eben diese Fremde , die der Wille des Himmels an unsern Schutz verwies ; aber wie unser Eifer und unsre Menschlichkeit sich auch abmühe , ihr einen bürgerlichen Standpunkt einzuräumen , Ihr könnt gewiß nur mit mir die Befürchtung theilen , dies werde nie so vollständig gelingen , um jeden Schatten von ihrem Namen , wenn sie auf irgend einen Anspruch hat , zu verscheuchen , und brauche ich Euch an den , seit Jahrhunderten fleckenlosen Glanz dieses Hauses zu erinnern , um Euch meine Abneigung gegen eine solche romaneske Verirrung des nunmehrigen ersten Trägers dieses erlauchten Namens anschaulich zu machen ? Dies wäre allein hinreichend , fuhr sie stolzer fort , als Graf Archimbald noch immer abgezogen , wie es ihr schien , sich blos stumm gegen diese hochbegeisterten Ansichten verneigte , aber mein Sohn ist durch sein Erscheinen im Hause Dorset , nachdem er zur herzoglichen Würde und Selbstständigkeit erhoben war , und durch den öffentlichen Beifall , den er der Gräfin Anna gezollt , stillschweigend in die Wünsche der Familien eingegangen , und Herzoge von Nottingham feilschen nicht , wie ehrlose Spekulanten , um die Deutung eines Wortes ; die Gesinnung , die sie in einer ehrenvollen Sache andeuten , bindet sie so stark , wie das Wort der rohen Menge . So muß ich denn meinen Sohn als den Verlobten der Gräfin Dorset betrachten , so lange sie nicht zurücktritt , und der Bruder meines Gemahls wird meine schwachen Kräfte unterstützen wollen , diese innere Ehre unseres Hauses zu erhalten . Gewiß , Mylady , sagte der Graf etwas ungeduldig , war ich nie im Zweifel , was ich dem Namen , dem ich angehöre , schuldig bin , und es giebt allerdings in dem Leben eines Mannes , der mit seiner Thätigkeit der Oeffentlichkeit verfallen ist , oft Gelegenheit , die Stärke solcher Anforderungen kennen und in ihrer Wahrheit würdigen zu lernen . Sollte die Gräfin namenlos oder eines befleckten Namens sein , würden die Familiengesetze dieses Hauses sie schon hindern , zu uns zu gehören ; doch sah ich diese Befürchtung noch nicht bestätigt , und Ihr selbst hattet mich ja gewarnt , hierin zu schnell zu sein . Doch , denke ich , ist vorläufig diese Ungewißheit Grund genug , meinen Neffen aufzuhalten , und eine so kluge und gütige Mutter wird indessen Mittel finden , ihre Wünsche und Ansichten dem Sohne geltend zu machen . Auch dürfen wir Richmonds Beistand entgegen sehn , der stets besser , als ich , sich verstand , auf Herzen einzuwirken , und obwol ein Jahr jünger , als Robert , stets den Einfluß eines Aelteren über ihn behauptete . - Der Graf sah nach diesen Worten , die Richmond berührten , wie sie diesem Troste horchte und ihn wirklich ergriff . Er schob nun vertraulich seinen Stuhl näher , indem er fortfuhr : Graf Burleigh hat mir Briefe des Grafen Bristol gesendet , die auch Euch angehen , und die väterliche Autorität , die ich mit mir führe , mag mich entschuldigen , wenn ich Euch mit einigen Fragen lästig werde . Ihr seid meiner Aufmerksamkeit stets gewiß , und mein Vater hat über mich zu befehlen , erwiederte die Herzogin in wieder gewonnener Fassung . Nun , sagte Graf Archimbald lächelnd , so muß ich Euch zuerst in ein Staatsgeheimniß