fühlte . Er lief darauf hinaus , daß ich nach meiner unverzüglichen Trennung von ihren Leuten allein bis G * * * vorausreisen wolle , dem Städtchen , wo sie , wie ich ja wußte , nächstens auch eintreffen würden . Dort sollte sie sich alsdann von den Ihrigen verlieren , sich unter der Hand und mit kluger Art nach dem angesehensten Gasthaus erkundigen , wo ich mich unfehlbar bereits befinden und alle Anstalten zur schnellen Flucht getroffen haben würde . Loskine hatte meinen Vorschlag kaum vernommen , so entriß sie sich mir eilig , denn wir hörten Geräusch . In einem Gewirre von ängstlich sich durchkreuzenden Gedanken über die Ungewißheit , in welcher ich in mehr als einer Hinsicht mit meinem Plane stand , blieb ich mir selber überlassen . Hat das Mädchen mich verstanden ? Werde ich Gelegenheit finden , sie noch einmal darüber zu vernehmen ? oder wenn sie mich gefaßt hat , wird sie sich zu dem Schritte entschließen ? ist der letztere überhaupt ausführbar ? Diese Zweifel beunruhigen mich nicht wenig , bis mir der glückliche Einfall kam , alles dem Willen des Schicksals anheimzustellen und zuletzt das Glücken oder Mißlingen meiner Absichten als Probe ihrer Güte oder Verwerflichkeit anzusehen . Mit dieser Idee schmeichelte ich mir ordentlich , sowie durch den strengen Vorsatz , Loskinen für jetzt nicht mehr aufzusuchen , mich wenigstens nicht näher mit ihr darüber zu verständigen . Um wieviel bedeutender - dies schwebte im Hintergrund meiner Seele - um wieviel glänzender wird nachher die Erfüllung deiner Erwartungen sein ! Aber auch selbst in ihrem Fehlschlagen sah ich einen für mich reizenden Schmerz und eine schöne Entsagung voraus . Jetzt begab ich mich zu meiner Gesellschaft , zog den Hauptmann beiseite und erklärte ihm die Notwendigkeit meiner Entfernung , die ich ihm durch einen letzten Beweis meiner Erkenntlichkeit um so leichter verschmerzen machte . Er empfing mein immer ansehnliches Geschenk mit einer Miene von Stolz und Freundlichkeit , erbot sich zu einem Ehrengeleite , was ich aber ausschlug , und er versprach , meiner Bitte gemäß , die andern in meinem Namen zu grüßen , da ich aus Schonung für Marwin einen allgemeinen Abschied vermeiden wolle . Im Grunde aber unterließ ich den Abschied aus Schonung für mich selber , aus einem eigenen Schamgefühl , das mich nicht vor den Menschen treten ließ , den ich um seine schönste Hoffnung zu betrügen gedachte . Ich suchte mich damit zu trösten , daß ich mir sagte , er werde um nichts beraubt , das er je besessen hätte oder jemals besitzen könnte , denn Loskinens Herz war weit von ihm entfernt . In kurzer Zeit befand ich mich wieder allein und in meinen ordentlichen Kleidern . Ich verfolgte zu Pferde mit einem gleichfalls berittenen Begleiter aus dem nächsten Dorfe einen Umweg nach G * * * welchen , wie zu vermuten war , der Hauptmann nicht einschlug . Diese Vorsicht gebrauchte ich auf alle Fälle , so wie ich ihm auch die Richtung meiner Reise falsch angab . In G. langt ich beizeiten an und nahm mein Absteigequartier gemäß dem Loskinen gegebenen Worte . Was meine Absicht weiter fördern konnte ward unverzüglich eingeleitet . Einige neue Kleidungsstücke , vor allem ein anständiger Mantel lag für die Geliebte bereit . Es fand sich ein bequemer verschlossener Wagen , dessen Anblick mich mit abwechselnd glücklichen und bekümmerten Ahnungen erfüllte ; doch erhielt sich meine Hoffnung um so aufrechter , je weiter ich die Zeit hinaussetzte , wo meiner Berechnung nach die Ankunft des Trupps erfolgen konnte . Dies war auf den folgenden Morgen , als den eigentlichen Markttag . Ganz gelassen schaute ich soeben von meinem Zimmer auf die Straße hinab und überlegte , nicht ohne einige bedenkliche Rücksicht auf den sehr herabgesunkenen Zustand meiner Börse , die Art und Weise , wie ich das in den nächsten Tagen unfehlbar hier auf der Post einlaufende Paket von S. wollte am zweckmäßigsten heimwärts mir nachschicken lassen . Ich sah unter diesen Betrachtungen ruhig zu , wie unter meinem Fenster ein Junge vom Haus mit einer neuen hölzernen Armbrust spielte , wobei ein dunkles , gleichgültiges Gefühl in mir war , als wäre mir ein gleiches Instrument während der letzten Zeit irgendwo vorgekommen . Wie ein Blitz durchzückt mich plötzlich der Gedanke , daß ich noch vor zwei Tagen dergleichen Schnitzarbeit in den Händen Loskinens gesehen , daß sie bereits in der Nähe sein müsse , daß sie jeden Augenblick in das Haus treten könne . Ich war außer mir vor Freude , vor Erwartung und Angst . Aber dieser peinvolle Zustand sollte nicht lange dauern . O Gott ! wer schildert den Augenblick , da die herrliche Gestalt in mein Zimmer schlüpfte , diese Arme sie empfingen und sie mit ersticktem Atem rief : » Da bin ich ! da bin ich Unglückliche ! beginne mit mir , was du willst ! « In kurzem saßen wir im Wagen ; erst fuhr ich allein eine Strecke weit vor die Stadt und erwartete sie dort . Wir reisten den Tag und die Nacht hindurch und sind vorderhand weit genug , um nichts mehr zu fürchten . Aber welche Not , welche süße Not hatt ' ich , den Jammer des holden Geschöpfs zu mäßigen . Sie schien jetzt erst den ungeheuren Schritt zu überdenken , den sie für mich gewagt , sie quälte sich mit den bittersten Vorwürfen und dann wieder lachte sie mitten durch Tränen , mit Leidenschaft mich an sich pressend . So kamen wir gegen Tagesanbruch im Grenzorte B. ermüdet an . Ich schreibe dies in einem elenden Gasthof , indessen Loskine nicht weit von mir auf schlechtem Lager eines kurzen Schlafs genießt . Getrost , gutes Herz , in wenig Tagen zeig ich dir eine Heimat . Du sollst die Fürstin meines Hauses sein , wir wollen zusammen ein Himmelreich gründen , und die Meinung der Welt soll mich nicht hindern , der Seligste unter den Menschen zu sein . * Hier