zurückgelassen , das noch meine Einsamkeit erhellet . Georg ist wieder wohl . Ich danke dem Himmel , und sehe still zu , wie sich die Erde allmählig vergrünt und der volle Strom des Daseins durch alle Adern des Lebens quillt ! Hugo , die Menschen mögen es anfangen , wie sie wollen , das Lebendige lebt fort ! Was kümmert uns das Uebrige ! Die Oberhofmeisterin an Sophie ! Was ich wollte , ist geschehen . Schlag auf Schlag ist gefallen , und Alles steht wie es stand ! Ich bin erschöpft . Eine höhere Hand muß hier Ordnung machen . Mein Einfluß ist zu Ende ! Und wie sie sich betrügen , wie Einer den Andern , wie jeder sich selbst täuscht ! Wenn die Leute erst von der Welt in ihrer Brust , dem Schwunge und dem Umfange ihrer Empfindungen faseln , dann bin ich gleich fertig . Das ist freilich eine fremde Region ! Da untersteht sich kein vernünftiger Mensch mit spatzieren zu gehen . Emma ist so gut in die Höhe geschraubt , wie Alles , was den bahnlosen Schwärmern anhängt . Ich höre ihr oft mit Staunen zu , mit welcher ehrlichen Miene sie uns die unsinnigsten Lügen auftischt . Freundschaft ! Freundschaft ! das ist hier das dritte Wort , und Keiner , wette ich , weiß , was das Wort in sich faßt . Die heitre , klare , unbegehrliche , immer empfängliche , immer thätige Gemeinschaft der Seele , gleicht diesem hypochondrischen Versinken , der eifersüchtigen Scheu , dem schwärmerischen Selbstbespiegeln , wie Sonnenschein und Gewitterluft . Sie haben sich verständigt , heißt es , sie sind ruhig ! Aber das ist eine Ruhe , die an künstliche Einschläfrungsmittel erinnert , und nicht eine Spur von lebendiger Wahrheit in sich trägt . Die Spannung war auf das Höchste gestiegen . Der Knoten zog sich immer enger zusammen . Lange konnte die Absichtlichkeit , durch die man mich , durch die man sich selbst zu täuschen bemüht war , nicht mehr dauern . Da machte ein Antrag des Fürsten , indem er Hugo zum Gesandten an unsern Hof ernannte , dem Spiel ein Ende . Unverstellt brach jetzt die Leidenschaft hervor . Stolz und wegwerfend bezeigte Hugo seine Verwunderung über die lächerliche Wahl , forderte Emma , forderte mich durch unerträgliche Sarcasmen heraus , riß mich zu offner Erklärung hin , schlug ziemlich trocken das Anerbieten aus , und bewaffnete dadurch Hof und Stadt gegen sich und Ihre Freundin . Die Letztere mußte dies am Geburtstage der Fürstin Mutter erfahren . Die strenge Frau empfing sie bei der Morgencour mit beleidigender Verwunderung , indem sie sagte : Sie habe erwartet , es werde sich ihr an diesem Tage kein trübes Gesicht nahen wollen , und ein heiteres dürften ihr die nicht zeigen , über welche soviel schmerzliche Thränen flößen . Sie wandte sich bei diesen Worten ab , indem sie sich gegen eine nahe stehende Dame laut äußerte : » Man hört nichts als beunruhigende Neuigkeiten von dem Schlosse des Baron , dem alten Comthur . Das hat der Mann davon , einen Undankbaren zu sich heraufzuziehen ! « Der Auftritt machte unglaubliches Aufsehen . Der Fürst litt in der Seele des Präsidenten . Es that ihm auch um des äußern Anstandes willen leid . Er wollte es wieder gut machen . Er näherte sich Elise . Seine Mutter rief ihn in diesem Augenblicke zu sich . Sie sprach lebhaft mit ihm . Kurz darauf entließ sie die Versammlung . Die Schwergekränkte hielt standhaft aus . Ihre stille und gesammelte Haltung imponirte für den Augenblick Allen . Sie blieb , und war die Letzte in den fürstlichen Sälen . Dann entfernte sie sich langsam , am Arme ihres Mannes , mit dem man sie gelassen , scheinbar gleichgültig sprechen sah . Doch diese glückliche Gegenwart des Geistes hinderte nicht , daß der Stab über sie gebrochen , und sie gezwungen ward , unter einem schicklichen Vorwand die Stadt zu verlassen . Sie kennen mich zu gut , um nur einen Augenblick glauben zu wollen , daß ich mich an der Kränkung der Unglücklichen weidete . Einmal , bin ich nichts weniger als boshaft ! und wäre ichs auch , so müßte ich doch dies Verletzen aller äußern Sitte schon darum tadeln , weil es unpolitisch ist , die Meinung theilt , das Mitleid in Anspruch nimmt , und denen , welche im Recht sind , das Ansehen des Unrechts giebt . Emma fühlt dies wie ich . Sie verdoppelt ihren Eifer , Elise mit jedem Tage zu verbinden . Die Intimität beider Häuser ist völlig hergestellt . Der Präsident sieht darin eine Art Ehrenerklärung für seine Frau , wie es überhaupt das Ansehen hat , den ganzen Vorfall bei Hofe den Faseleien einer kindisch gewordenen alten Dame zuzuschreiben , wodurch wir , als glückliche Ausbeute bei dem ganzen Handel , die Genugthuung genießen , die gefährliche Feindin unserer Ruhe recht oft hier zu sehen . So weit sind wir nun ! - Das sind die Resultate meines Hierseins ! O Sie haben recht , ganz bestimmt recht ! zum Laufen hilft nicht schnell sein . Am allerwenigsten bringt man eine Sache ins Klare , wenn man darin rührt . Ich habe auch meine Hände zurückgezogen . Ich sehe zu . Aber Sophie , ich sehe , ich sehe ! Sein Sie gewiß , mir entgeht nichts . Es wird schon der Tag kommen , wo ich werde hervortreten und sagen können : » Das war es ! wißt Ihrs nun ? « Einige Tage später . Das fehlte noch ! Emma ist krank ! nicht bedeutend , nicht gefährlich , aber immer genug , um mich unsäglich zu beunruhigen . Dahin mußte es kommen ? wenn ihr Zustand schlimmer würde ? wenn - wenn - Gott ! mein Gott ! laß mich deine Hand nicht schwerer fühlen , als ich tragen kann ! Sie werden wieder denken , ich übertreibe , ich