daß dieses schöne Vertrauen Sie erfreuen muß « , sagte ich , » doch einiges ist mir nicht recht klar , in diesem Brief , das Sie mir übrigens aufklären werden . Wegen der Verwandten in Mecklenburg kann sich übrigens das Fräulein an niemand besser wenden , als an mich , denn ich war mehrere Jahre dort , und bin beinahe in allen Familien genau bekannt . « Der junge Mann war entzückt , dem Fräulein so schnell dienen zu können . » Das ist trefflich ! « rief er , » und Sie begleiten mich wohl jetzt eben zu ihr ? Ich erzähle Ihnen unterwegs noch einiges , was Ihnen die Verhältnisse klarer machen wird . « Ich sagte mit Freuden zu , wir gingen . » In Berlin « , erzählte er , » hielt ich es nur zwei Monate aus ; ich hatte niemand hier in Rom , der mir über das unglückliche Geschöpf hätte Nachricht geben können , und so lebte ich in einem Zustand , der beinahe an Verzweiflung grenzt ; nur einmal schrieb mir der sächsische Gesandte : Der Papst habe sich jetzt öffentlich für den Kapitän West erklärt , man spreche davon , daß der Preis dieser Gnade , der Übertritt des Kapitäns zur römischen Kirche sein solle . In demselben Brief erwähnte er mit Bedauern , daß die junge Dame , die uns alle so sehr angezogen habe , die mich immer besonders auszuzeichnen geschienen , sehr gefährlich krank sei , die Ärzte zweifeln an ihrer Rettung . Wer konnte dies anders sein , als die arme Luise . Diese letzte Nachricht entschied über mich . Zwar hätte ich mir denken können , daß das , was ihr der Kardinal mitteilte , Krankheit , vielleicht den Tod zur Folge haben werde , aber jetzt erst , als ich diese Nachricht gewiß wußte , jetzt erst kam sie mir schrecklich vor ; ich reiste nach Rom zurück , und meine Bekannten hier haben sich nicht weniger darüber gewundert , mich so unverhofft zu sehen , als meine Verwandten in Berlin , mich so plötzlich wieder entlassen zu müssen . Besonders die Tante konnte es mir nicht verzeihen , denn sie hatte schon den Plan gemacht , mich mit einer der Fräulein , die Sie beim Tee versammelt fanden , zu verheiraten . Erlassen Sie es mir , zu beschreiben , wie ich das Fräulein wiederfand ! Nur eins schien diese schöne Seele zu betrüben , der Gedanke , daß West zu seiner großen Schuld noch einen Abfall von der Kirche fügen wolle . Ich lebe seitdem ein Leben voll Kummer . Ich sehe ihre Kräfte , ihre Jugend dahinschwinden , ich sehe , wie sie ein Herz voll Jammer unter einer lächelnden Miene verbirgt . Um mich zu noch tätigerem Eifer , ihr zu dienen , zu zwingen , gelobte ich , sie nicht mehr zu sprechen , bis ich von dem Kapitän erlangt hätte , daß er nicht zum Apostaten werde , oder - bis sie mich selbst rufen lasse . Das letztere ist heute geschehen . Es scheint , sie hat Hoffnung , ich habe keine ; denn er ist zu allem fähig , und Rocco hat ihn so im Netze , daß an kein Entrinnen zu denken ist . « » Aber der Fromme « , fragte ich ; » soll wohl der seine Bekehrung übernehmen ? « » Auf diesen Menschen scheint sie ihre Hoffnung zu gründen . Es ist ein deutscher Kaufmann , ein sogenannter Pietist , er zieht umher , um zu bekehren ; doch leider muß er jedem Vernünftigen zu lächerlich erscheinen , als daß ich glauben könnte , er sei zur Bekehrung des Kapitäns berufen . Eher setze ich einige Hoffnungen auf Sie , mein Freund , wenn Sie durch die Verwandten etwas bewirken könnten ; doch auch dies kommt zu spät ! Wie sie sich nur um diesen Elenden noch kümmern mag ! « Viel versprach ich mir von diesem Besuch bei dem Fräulein von Palden . Was ich von ihr gesehen , von ihr gehört , hatte mir ein Interesse eingeflößt , das diese Stunde befriedigen mußte . Ich hatte mir schon lange zuvor , ehe ich sie sah , ein Bild von ihr entworfen , ich fand es , als sie mir damals im Portikus erschien , beinahe verwirklicht ; nur eines schien noch zu fehlen , und auch das hatte sich jetzt bestätigt ; ich dachte mir sie nämlich etwas fromm , etwas schwärmerisch , und sie mußte dies sein , wie konnte sie sonst einem deutschen Pietisten die Heilung des Kapitän West zutrauen ? Wir wurden von der Signora Campoco und ihren Hunden freundlich empfangen ; den Berliner führte sie zu ihrer Nichte , mich bat sie in ein Zimmer zu treten , wo ich einen Landsmann finden werde . Ich trat ein . Am Fenster stand ein kleiner hagerer Mann , von kaltem , finsterem Aussehen . Er heftete seine Augen immer zu Boden , und wenn er sie einmal aufschlug , so glühten sie von einem trüben , unsicheren Feuer . Ich machte ihm mein Kompliment , er erwiderte es mit einem leichten Neigen des Hauptes und antwortete : » Gegrüßet seist du mit dem Gruße des Friedens ! « Ha ! dachte ich , das ist niemand anders als der Pietist ! Solche Leute sind eine wahre Augenweide für den Teufel , er weiß wie es in ihrem Innern aussieht , und , diese herrliche Charaktermaske , lächerlicher als Polischinello , komischer als Passaglio , pathetischer als Truffaldin , und wahrer als sie alle , trifft man besonders in Deutschland , und seit neuerer Zeit in Amerika , wohin sie die Deutschen verpflanzt haben . Diese Protestanten glauben im echten Sinne des Wortes zu handeln , wenn sie gegen alles protestieren . Der Glaube der katholischen Kirche ist ihnen ein Greuel ; der Papst ist der Antichrist , gegen ihn und die Türken beten sie alle Tage