zu , sobald diese die Schwelle überschritten hatte . Ernesto wollte ihr nach , um wenigstens , wenn auch durch eine zweite Thüre von ihr getrennt , in ihrer Nähe zu bleiben , aber er hörte die Stimme des Barons , der seiner Tochter gebot , ihm in sein Zimmer zu folgen , und dann den innern Riegel vorschob . Auf Flügeln der Angst durcheilte Ernesto jetzt wieder die Gallerieen , um Frau Dalling aufzusuchen , ihr alles zu entdecken und dann wo möglich mit ihrer Hülfe ein Mittel zu finden , der gefürchteten Unterredung zwischen Vater und Tochter ungesehen beizuwohnen . Festlich gekleidet , geschmückt mit allen Zeichen ehemaliger Würden und Ehren , war der Baron seiner Tochter bis an die Thüre des Vorzimmers entgegen gekommen , die er , wie schon erwähnt ward , hinter ihr verriegelte . Dann schritt er feierlich vor ihr her , nahm seinen gewöhnlichen Platz im Lehnstuhl am Fenster ein , und winkte ihr schweigend , sich auf ein Taburet ihm gegenüber zu setzen . Der Eindruck , welchen seine ganze Gestalt auf sie machte , war heute noch imponirender als ehemals , der Baron schien sogar größer als sonst , und der versteinerte Ernst aller seiner Züge beklemmte ihre Brust und raubte ihr den Athem . » Ich wiederhole die schon gestern dir ertheilte Zusicherung meiner Zufriedenheit mit deinen in der Stadt erworbnen Kenntnissen , « hob der Baron nach einer ziemlich langen Pause an , » sie haben mein Erwarten übertroffen . Wer so fleißig war wie du , hatte wahrscheinlich nicht Zeit , Thorheiten zu begehen . Daher hoffe ich , daß kein innres Hinderniß dich abhalten wird , meine Wünsche zu erfüllen , und daß du auch neben so vielem anderm gelernt hast , kindlichen Gehorsam zu üben . Ich bin entschlossen , dich meinem Lehnserben , Moritz von Aarheim , zu vermählen , doch habe ich ihm versprechen müssen , es dir frei zu stellen , seine Hand auszuschlagen . Entscheide also ohne Zwang : ob du meinem Willen folgen willst oder nicht , so wie du glaubst , daß es recht sey . « Der Baron schwieg , und Gabriele strebte vergebens , ihre zitternden Lippen zur Antwort zu bewegen . Einige Minuten vergingen im schweigenden Kampf mit ihrer innern Angst . » Entscheide ! « - rief endlich der Baron mit flammenden Augen , und richtete sich hoch in die Höhe . » Mein Vater , « stammelte Gabriele , » wie kann ich so schnell - ich flehe nur um Bedenkzeit . « » Bedenkzeit ! « wiederholte der Baron , und ließ sich langsam wieder nieder , » Bedenkzeit ! Thoren , Schwächlinge bedenken sich . Der Tapfre , der Weise , wissen gleich , was sie wollen oder müssen . Doch du bist ein Mädchen , und diese Alfanzerei war schon vor vierzig Jahren unter euch Mode , wunderbarbar , daß sie in der langen Zeit nicht wieder abkam . Nun , es sey - du hast Bedenkzeit , bleib sitzen , bedenke dich . « Seiner Gewohnheit gemäß wandte sich der Baron nach der Brandstätte , eine bange Viertelstunde verging , während welcher Gabriele es nicht wagte , sich zu regen . Endlich kehrte sich der Baron mit fragendem ernstem Blick ihr wieder zu . » Vater ! « rief sie und hob flehend die Augen voll erstarrter Thränen zu ihm auf , » Vater , ich brauche keine Bedenkzeit . Bei Ihnen will ich bleiben ! Ihnen allein widme ich mein Leben , Sie pflegen will ich , Ihnen dienen , keine andre Pflicht erkennen , als jedem Ihrer Wünsche zuvorzukommen ! « » Und weigerst dich dennoch , den ersten , welchen ich aussprach , zu erfüllen ? « erwiederte der Baron und durchbohrte sie fast mit seinen glühenden Augen . » Nein , o nein , mein Vater ! « erwiederte schnell Gabriele , » ich bitte Sie nur , mich nicht zu verstoßen . So lange ich lebe , ist Ihnen mein Daseyn geweiht . Ich kann mich nicht entschließen , einem Andern anzugehören als meinem Vater , ich fühle einzig den Beruf , um Sie zu seyn , so lange mir Gott Ihr Leben erhält ; was später aus mir wird , macht mir keine Sorge . « » Auch mir sollte es keine machen - besser wäre es , wenn « - murmelte der Baron nur halb hörbar vor sich hin , dann versank er wieder in tiefes Nachdenken . Abermals vergingen einige stumme Minuten , dann wandte er sich plötzlich wieder zu Gabrielen . » Höre mir aufmerksam zu , « sprach er . » So viel du davon zu fassen vermagst , will ich dir die Gründe entwickeln , welche mich bestimmen , diese Verbindung zu wünschen . Hernach entscheide . Forderst du dann noch längere Bedenkzeit , so sey sie dir im Voraus gewährt . Höre mich jetzt . Unermüdetes Forschen , Streben , Arbeiten war mein Leben , so lange du athmest ; die Nacht mir Tag . Ich habe Schrecken getrotzt , Gefahren , bei deren bloßem Namen dein jugendliches Blut in den Adern erstarren müßte . Meine Umgebungen waren - Mein Umgang war - Nein , ich will deine Sinne nicht durch die Namen jener Schrecklichen verwirren , ich will dich nicht dem Wahnsinn zuführen . Ich schweige von dem , was ich that , was ich litt , was ich überwand . Für dich , Gabriele , für dich ! dich wollte ich erheben , dich erhöhen zur Glorreichsten unseres alten Geschlechts ! hoch über alle jene edlen Frauen deiner Ahnen , deren lange Reihe der edelste Schmuck unsers Hauses ist . « Hier schwieg der Baron wieder einige Minuten lang , Gabriele wagte es nicht , sich zu regen . Dann fuhr er mit fast tonloser Stimme fort : » Die doppelte schuppige Schlange , deren gekröntes Haupt in rother Erde sich birgt , war mein , die