, daß der König dem wunderbaren , kleinen , wie Silber blinkenden Vogel über Höhen und Tiefen bis zum Anfang des dichten Schwarzwaldes nachschlich . Der Vogel schien aber der Jagdkunst verständig , trug spielend eine goldne Feder im Schnäbelchen , wenn er außer dem Bereiche der Armbrust war , wiegte sich auf dem Zweige und sang ruhig , aber im Augenblicke , wo der König den Pfeil auflegte , breitete er seine Flügel aus und schwand selbst wie ein Pfeil in die gefahrlose Weite , während der König ihm ärgerlich , aber vergebens , seinen Pfeil nachschnellte . Die Jagdwut des Königs überwältigte seine Ermüdung ; seine beiden einzigen Gefährten , zwei Ritter , die ihm aus gutem Willen folgten , waren schon am Morgen erschöpft bei einem Einsiedler liegen geblieben . Des Königs Jagdlust entschädigte ihn für alles , was er entbehrte , er überließ sich ihr nach dem schnellen Absterben seiner beiden Eltern , das einem tückischen Gifte zugeschrieben wurde , um seinen Kummer zu zerstreuen , daß er den Mörder nicht entdecken konnte . Gewiß war es einer seiner Gaugrafen , denen er in der Trauer so unbesorgt die Nachforschung , die Regierungsgeschäfte und alle Einnahmen überlassen hatte . Dieser schmerzliche Müßiggang machte ihn dem Volke verächtlich , wenige entschuldigten ihn mit dem schmerzlichen Anlasse . Die beiden gutmütigen Edelleute , die ihm auf seinen Irrwegen folgten , erkannten zwar das Unglück , was er durch diese Lässigkeit über das Land brachte , aber sie wagten nur selten , ihm Vorstellungen zu machen , da er allmählich in seiner Jagdlust verwildert , gegen jede Einrede wütete , und sich selbst überredet hatte , indem er von dem Ertrage der Jagd sich kärglich nähre , so müßte es seinem Volke recht wohl sein , dem er alle seine Einnahmen überlassen hätte . Aber seine Grafen hatten dieses Erbe zur Unterdrückung des Volks durch fremde Söldner benutzt , so wurde das reiche Land vernichtet . Jener Vogel hatte den König allmählich in den damals dreifach größeren , unzugänglichen Schwarzwald geführt , er eilte über die von den Menschen bis dahin nicht überschrittene Grenze der Wildnis , ohne es selbst wahr zu nehmen . Da bedeckte die untergehende Sonne ihr Haupt mit Asche der brennenden Wolken , er hätte seinen letzten Atem aushauchen mögen , um ihr Feuer noch für einen Augenblick anzufachen . Er blickte um sich , denn der Vogel schien entschwunden , und er hörte doch seine Stimme . Welche Bäume umgaben ihn und welche zusammengestürzten Haufen von Baumstämmen , auf denen riesenhafte Pilze mit bunten Giftfarben erwachsen waren , hier sah er eine Eidechse , die auf den Tod einer Schlange lauerte und ihr vorsang , dort hackten unzählige Spechte den Takt zu dem Gesange . Wilde Reben aller Art , lebendig und abgestorben , verflochten den Urwald , in welchem die Bäume so dicht aneinander ihre Äste drängten , daß er seinen Weg durch die abgestorbenen Unteräste brechen mußte . Grimmig schleicht er auf den Zehen Durch des Waldes tiefe Nacht , Aus dem Tale zu den Höhen Lockt der Vogel ihn und lacht , Lacht in tausendfachen Tönen , Schlägt mit seinen Flügeln ihn , Recht als wollt er ihn verhöhnen , Denn das Dunkel macht ihn kühn . Wütend schlägt der Herr die Bäume , Wo er längst entflohen ist , Schießet in die dunklen Räume Und die Wut sein Herz zerfrißt . Kracht die Tanne an der Tanne , Seufzt er auch aus zorn ' ger Brust , Fühlt sich schmerzlich in dem Banne Von der bösen Jägerlust . So wütete sein stolzer Jagdsinn gegen den Vogel , der ihn in diese Wildnis geführt , und wo er etwas flattern hörte in den gedrängten Ästen , da schoß er seine Bolzen hinein , doch ohne andre Frucht als die Mückenscharen auf sich hinzuziehen , die schon in den Fichtenästen ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten . Von ihnen gepeinigt , stampfte er auf den Boden , da sauste eine Wolke von Erdbienen gegen ihn empor . Er stürzte sich durch die trocknen Äste , ihnen zu entfliehen , da brummte an ihm vorüber ein zottiger Bär , der den Honig der Bienen wittern mochte , denn er achtete des Königs nicht , der schon sein Schwert zur Wehr gezogen hatte . Nun hörte er wieder die Stimme des silbernen Vogels , aber er fühlte keinen Zorn mehr gegen ihn , er war ihm eine willkommnere Gesellschaft unter den Ungeheuern , die ihn umdrängten . Ein heftiger Durst zähmte ihn , er hörte wohl Wasser rauschen , aber wie ein Strom , der von einer Höhe stürzend zerstäubt , denn der Felsen , auf welchem er stand , bebte von dem Falle . » Ein Schritt noch , und es ist der letzte « , schien ihm des Vogels Gesang zu sagen und der König fühlte zum erstenmal , daß er noch nicht zum Sterben vorbereitet sei . Er betete zum erstenmal seit dem Unglücke , das ihm die lieben Eltern geraubt hatte , denn er hatte mit dem Himmel gezürnt , in Finsternis und Wildnis kam der Geist des Herrn über ihn . Und als er das Haupt vom Gebete erhob , da sah er den silbernen Vogel dicht neben sich , der einen großen , leuchtenden Johanniswurm in seinem Schnabel trug und damit flatternd einen Fußpfad erleuchtete , den er in der Dunkelheit der Nacht und des Walds nie wahrgenommen hätte . Demütig hing er seine Armbrust über und folgte mit Rührung dem angefeindeten Boten des Himmels . Seht hier auf dem Bilde , wie alles Licht von dem Johanniswurme ausgeht , welchen der Vogel trägt , seht an der Seite Schlange und Eidechse , an jener Bär und Bienen am Abgrunde , den das brausende Wasser unterwühlt . Zweites Bild Über eine Stunde führte ihn der kleine Laternenträger durch den dichten Wald . Bei solcher Obhut konnte ihn weder das Heulen der Wölfe , noch das Liebesgeschrei der Eulen erschrecken ,