noch redlich und wahrhaft sein , wenn es nicht im Gedichte ist ? Haben Sie den rechten Mut , besser zu werden , so gehn Sie in die Kirche und bitten Sie Gott inbrünstig um seine Kraft und Gnade . Ist aber das Beten und alle unsere schönen Gedanken um des Reimes willen auf dem Papiere , so hol der Teufel auf ewig den Reim samt den Gedanken ! « - Hier fiel der Prinz Friedrich ungestüm um den Hals . » Ich bin durch und durch schlecht « , rief er , » Sie wissen gar nicht und niemand weiß es , wie schlecht ich bin ! die Gräfin Romana hat mich zuerst verdorben vor langer Zeit ; das verstorbene Mädchen habe ich sehr künstlich verführt ; der damals in der Nacht zu Marie bei Ihnen vorbeischlich , das war ich ; der auf jener Redoute - « Hier hielt er inne . - » Betrügerisch , verbuhlt , falsch und erbärmlich bin ich ganz « , fuhr er weiter fort . » Der Mäßigung , der Gerechtigkeit , der großen , schönen Entwürfe , und was wir da zusammen beschlossen , geschrieben und besprochen , dem bin ich nicht gewachsen , sondern im Innersten voller Neid , daß ich ' s nicht bin . Es war mir nie Ernst damit und mit nichts in der Welt . - Ach , daß Gott sich meiner erbarme ! « Hierbei zerriß er sein Gedicht in kleine Stückchen , wie ein Kind , und weinte fast . Friedrich , wie aus den Wolken gefallen , sprach kein einziges Wort der Liebe und Tröstung , sondern die Brust voll Schmerzen und kalt wandte er sich zum offenen Fenster von dem gefallenen Fürsten , der nicht einmal ein Mann sein konnte . Siebzehntes Kapitel Rosa saß frühmorgens am Putztische und erzählte ihrem Kammermädchen folgenden Traum , den sie heut nacht gehabt : » Ich stand zu Hause in meiner Heimat im Garten ; der Garten war noch ganz so , wie er ehedem gewesen , ich erinnere mich wohl , mit allen den Alleen , Gängen und Figuren aus Buchsbaum . Ich selber war klein , wie damals , da ich als Kind in dem Garten gespielt . Ich verwunderte mich sehr darüber , und mußte auch wieder lachen , wenn ich mich ansah , und fürchtete mich vor den seltsamen Baumfiguren . Dabei war es mir , als wäre mein vergangenes Leben und daß ich schon einmal groß gewesen , nur ein Traum . Ich sang immerfort ein altes Lied , das ich damals als Kind alle Tage gesungen und seitdem wieder vergessen habe . Es ist doch seltsam , wie ich es in der Nacht ganz auswendig wußte ! Ich habe heut schon viel nachgesonnen , aber es fällt mir nicht wieder ein . Meine Mutter lebte auch noch . Sie stand seitwärts vom Garten an einem Teiche . Ich rief ihr zu , sie sollte herüberkommen . Aber sie antwortete mir nicht , sondern stand still und unbeweglich , vom Kopfe bis zu den Füßen in ein langes , weißes Tuch gehüllt . Da trat auf einmal Graf Friedrich zu mir . Es war mir , als sähe ich ihn zum ersten Male , und doch war er mir wie längst bekannt . Wir waren wieder gute Freunde , wie sonst - ich habe ihn nie so gut und freundlich gesehen . Ein schöner Vogel saß mitten im Garten auf einer hohen Blume und sang , daß es mir durch die Seele ging , meinen Bruder sah ich unten über das glänzende Land reiten , er hatte die kleine Marie , die eine Zimbel hoch in die Luft hielt , vor sich auf dem Rosse , die Sonne schien prächtig . Reisen wir nach Italien ! sagte da Friedrich zu mir . - Ich folgte ihm gleich , und wir gingen sehr schnell durch viele schöne Gegenden immer nebeneinander fort . Sooft ich mich umsah , sah ich hinten nichts , als ein grenzenloses Abendrot , und in dem Abendrot meiner Mutter Bild , die unterdes sehr groß geworden war , in der Ferne wie eine Statue stehen , immerfort so still nach uns zugewendet , daß ich vor Grauen davon wegsehen mußte . Es war unterdes Nacht geworden und ich sah vor uns unzählige Schlösser auf den Bergen brennen . Jenseits wanderten in dem Scheine , der von den brennenden Schlössern kam , viele Leute mit Weib und Kindern , wie Vertriebene , sie waren alle in seltsamer , uralter Tracht ; es kam mir vor , als sähe ich auch meinen Vater und meine Mutter unter ihnen , und mir war unbeschreiblich bange . Wie wir so fortgingen , schien es mir , als würde Friedrich selbst nach und nach immer größer . Er war still und seine Mienen veränderten sich seltsam , so daß ich mich vor ihm fürchtete . Er hatte ein langes , blankes Schwert in der Hand , mit dem er vor uns her den Weg aushaute ; sooft er es schwang , warf es einen weitblitzenden Schein über den Himmel und über die Gegend unten . Vor ihm ging sein langer Schatten , wie ein Riese , weit über alle Täler gestreckt . Die Gegend wurde indes immer seltsamer und wilder , wir gingen zwischen himmelhohen , zackigen Gebirgen . Wenn wir an einen Strom kamen , gingen wir auf unsern eigenen Schatten , wie auf einer Brücke , darüber . Wir kamen so auf eine weite Heide , wo ungeheure Steine zerstreut umherlagen . Mich befiel eine niegefühlte Angst , denn je mehr ich die zerstreuten Steine betrachtete , je mehr kamen sie mir wie eingeschlafene Männer vor . Die Gegend lag unbeschreiblich hoch , die Luft war kalt und scharf . Da sagte Friedrich : Wir sind zu Hause ! Ich sah ihn erschrocken an und erkannte ihn nicht wieder , er war völlig geharnischt , wie ein Ritter . Sonderbar