Gesicht - ich erkannte mich selbst - mir vergingen die Sinne . - Ein empfindlicher Schmerz an den Armen weckte mich aus tiefer Ohnmacht ! - Hell war es um mich her , der Kerkermeister stand mit einer blendenden Leuchte vor mir , Kettengerassel und Hammerschläge hallten durch das Gewölbe . Man war beschäftigt , mich in Fesseln zu schmieden . Außer den Hand - und Fußschellen wurde ich mittelst eines Ringes um den Leib und einer daran befestigten Kette an die Mauer gefesselt . » Nun wird es der Herr wohl bleiben lassen , an das Durchbrechen zu denken « , sagte der Kerkermeister . - » Was hat denn der Kerl eigentlich getan ? « frug ein Schmiedeknecht . » Ei , « erwiderte der Kerkermeister , » weißt du denn das nicht , Jost ? ... die ganze Stadt ist ja davon voll . ' s ist ein verfluchter Kapuziner , der drei Menschen ermordet hat . Sie haben ' s schon ganz heraus . In wenigen Tagen haben wir große Gala , da werden die Räder spielen . « - Ich hörte nichts mehr , denn aufs neue entschwanden mir Sinn und Gedanken . Nur mühsam erholte ich mich aus der Betäubung , finster blieb es , endlich brachen einige matte Streiflichter des Tages herein in das niedrige , kaum sechs Fuß hohe Gewölbe , in das , wie ich jetzt zu meinem Entsetzen wahrnahm , man mich aus meinem vorigen Kerker gebracht hatte . Mich dürstete , ich griff nach dem Wasserkruge , der neben mir stand , feucht und kalt schlüpfte es mir durch die Hand , ich sah eine aufgedunsene scheußliche Kröte schwerfällig davonhüpfen . Voll Ekel und Abscheu ließ ich den Krug fahren . » Aurelie ! « stöhnte ich auf in dem Gefühl des namenlosen Elends , das nun über mich hereingebrochen . » Und darum das armselige Leugnen und Lügen vor Gericht ? - alle gleißnerischen Künste des teuflischen Heuchlers ? - darum , um ein zerrissenes , qualvolles Leben einige Stunden länger zu fristen ? Was willst du , Wahnsinniger ! Aurelien besitzen , die nur durch ein unerhörtes Verbrechen dein werden konnte ? - Denn immerdar , lügst du auch der Welt deine Unschuld vor , würde sie in dir Hermogens verruchten Mörder erkennen und dich tief verabscheuen . Elender , wahnwitziger Tor , wo sind nun deine hochfliegenden Pläne , der Glaube an deine überirdische Macht , womit du das Schicksal selbst nach Willkür zu lenken wähntest ; nicht zu töten vermagst du den Wurm , der an deinem Herzmark mit tödlichen Bissen nagt , schmachvoll verderben wirst du in trostlosem Jammer , wenn der Arm der Gerechtigkeit auch deiner schont . « So , laut klagend , warf ich mich auf das Stroh und fühlte in dem Augenblick einen Druck auf der Brust , der von einem harten Körper in der Busentasche meiner Weste herzurühren schien . Ich faßte hinein und zog ein kleines Messer hervor . Nie hatte ich , so lange ich im Kerker war , ein Messer bei mir getragen , es mußte daher dasselbe sein , das mir mein gespenstisches Ebenbild herauf gereicht hatte . Mühsam stand ich auf und hielt das Messer in den stärker hereinbrechenden Lichtstrahl . Ich erblickte das silberne blinkende Heft . Unerforschliches Verhängnis ! es war dasselbe Messer , womit ich Hermogen getötet und das ich seit einigen Wochen vermißt hatte . Aber nun ging plötzlich in meinem Innern , wunderbar leuchtend , Trost und Rettung von der Schmach auf . Die unbegreifliche Art , wie ich das Messer erhalten , war mir ein Fingerzeig der ewigen Macht , wie ich meine Verbrechen büßen , wie ich im Tode Aurelien versöhnen solle . Wie ein göttlicher Strahl im reinen Feuer , durchglühte mich nun die Liebe zu Aurelien , jede sündliche Begierde war von mir gewichen . Es war mir , als sähe ich sie selbst , wie damals , als sie am Beichtstuhl in der Kirche des Kapuzinerklosters erschien . » Wohl liebe ich dich , Medardus , aber du verstandest mich nicht ! ... meine Liebe ist der Tod ! « - so umsäuselte und umflüsterte mich Aureliens Stimme , und fest stand mein Entschluß , dem Richter frei die merkwürdige Geschichte meiner Verirrungen zu gestehen und dann mir den Tod zu geben . Der Kerkermeister trat herein und brachte mir bessere Speisen , als ich sonst zu erhalten pflegte , sowie eine Flasche Wein . - » Vom Fürsten so befohlen « , sprach er , indem er den Tisch , den ihm sein Knecht nachtrug , deckte und die Kette , die mich an die Wand fesselte , losschloß . Ich bat ihn , dem Richter zu sagen , daß ich vernommen zu werden wünsche , weil ich vieles zu eröffnen hätte , was mir schwer auf dem Herzen liege . Er versprach , meinen Auftrag auszurichten , indessen wartete ich vergebens , daß man mich zum Verhör abholen solle ; niemand ließ sich mehr sehen , bis der Knecht , als es schon ganz finster worden , hereintrat und die am Gewölbe hängende Lampe anzündete . In meinem Innern war ich ruhiger als jemals , doch fühlte ich mich sehr erschöpft und versank bald in tiefen Schlaf . Da wurde ich in einen langen , düstern , gewölbten Saal geführt , in dem ich eine Reihe in schwarzen Talaren gekleideter Geistlicher erblickte , die der Wand entlang auf hohen Stühlen saßen . Vor ihnen , an einem mit blutroter Decke behangenen Tisch saß der Richter und neben ihm ein Dominikaner im Ordenshabit . » Du bist jetzt « , sprach der Richter mit feierlich erhabener Stimme , » dem geistlichen Gericht übergeben , da du , verstockter , freveliger Mönch , vergebens deinen Stand und Namen verleugnet hast . Franziskus , mit dem Klosternamen Medardus genannt , sprich , welcher Verbrechen bist du beziehen worden ? « - Ich wollte alles ,