oder Schattenseite des Lebens beschreiben , und nur unsichtbar in die mannigfache Gestaltung der Dinge eingreifen . Wie das Fremdartige sie zu nahe berührt , ist dieser ruhige Lauf unterbrochen , und sie schwanken und fassen nach dem verlornen Gleichgewicht umher , das sie nur in dem freiwilligen Hingeben alles dessen , was ihnen nicht mehr gehört , wiederfinden . In der Liebe geht den Frauen der Himmel auf . Wo diese aber mit der Natur in Streit ist , da müssen die bethörten Herzen in Reue und Buße erst den Himmel und in ihm die Liebe suchen . Das ist so wahr , fuhr sie lebhaft fort , das habe ich in dieser Nacht durch höhere Eingebung erfahren , und das steht nun so fest in meiner Seele , daß ich eher sterben , als es verleugnen könnte . O glauben Sie mir , es giebt Ahndungen , die unser dunkles Dasein durchblitzen , die wir festhalten , denen wir unbedingt folgen müssen . Sie redeten von da an sehr klar und bestimmt über ihre beiderseitige Zukunft . Der Obrist versicherte , es könne ihr Entschluß ihn nicht abhalten , sie sobald als möglich wieder aufzusuchen . Weshalb , sagte sie , sollten wir einander auch fliehen ? Der Friede , der in dieser Stunde über uns kommt , der kommt von Gott , der gründet sein stilles Reich in ewiger , heiliger Erinnrung . Ich werde Ihr liebes Auge nie vergessen , das so mild und schonend in mein gestörtes Innre blickte . Als sie sich am Abend von einander trennten , wandte sich der Ob ist noch einmal zu Luisen , und sie mit festem Blicke betrachtend , sagte er : nicht wahr , meine Freundin , es muß so sein ! Ja Lieber , entgegnete sie bewegt . Lassen Sie uns auf das innre Wort achten , und es durch ein treues , wahrhaftes Leben aussprechen . Am folgenden Tage kam Frau von Seckingen zu Luisen . Ihre verweinten Augen und die zitternde Stimme bestätigten dieser , was sie geahndet . Er ist fort ? fragte sie . Ja , rief Sophie mit verhülltem Gesicht , und Du hast ihn einer Grille wegen hingegeben , von Dir gestoßen ; hätte er Dich doch nie gesehen ! So sagte er nicht , erwiederte Luise sanft , er kennt mich besser . O nenne keine Grille , was mein ganzes Wesen so lebhaft und dringend heischt ! Und wie mißverstehst Du mich denn ? Kannst Du verkennen , was eine nähere Verbindung zwischen uns unmöglich macht ? Siehst Du nicht , wie ein früherer Eindruck jeden stillen Genuß meines Lebens vergiftet ! Soll ich die Ruhe des edelsten Herzen einem Ungefähr , einem zufälligen Zusammentreffen mit dem Erbfeinde meines Glückes aussetzen ? O Du solltest gerechter sein ! Ich bin nicht unbillig , erwiederte Sophie . Ich finde Dich nur inconsequent . Liebst Du jenen , warum verkennst Du den Wink der Natur , warum zögerst Du ? - Die Natur ist ewig , unterbrach sie Luise , vergiß es nicht , daß ihr Reich nicht allein von dieser Welt ist . Was hier die Nothwendigkeit versagt , erringt dort die Freiheit wieder ! Hier tritt Julius Schatten zwischen mir und ihn . Und dennoch liebst Du ihn ? fragte Sophie . Ja , ach Gott ja , ich liebe ihn . Eine unbegreifliche Gewalt zieht mich zu ihm hin ; ich weiß nicht , woher ? ich weiß nicht weshalb ? aber es ist so , und dennoch dürfen die unsichtbaren Bande nicht sichtbar werden , ja ich muß streben , so viel an mir ist , sie zu zerreißen . Dann sind alle versöhnt , dann ruhen die Leiber in ihren Gräbern , und alle seligen Geister freuen sich des Lichtes . Frau von Seckingen sah sie fremd an . Du schwärmst , Luise , sagte sie , gewiß Du hättest besser gethan , Dich einem sichren Führer auf der einfachen Straße des Lebens anzuvertrauen , als auf eine so unnatürliche Höhe allein hinaufzusteigen . Luise fühlte , daß sie ihr nichts erwiedern könne . Sie versuchte noch einigemal , von dem Obristen zu reden ; allein Sophie wich ihr verstimmt aus , und sie schieden zum erstenmal , jedes in sich zurückgedrängt und entfremdet . Sie erkaltet wohl nun auch , sagte Luise betrübt . Sie hat eine Andre in mir , nur um des Bruders Willen , geliebt . So fällt eines nach dem Andren ab , und zerstreut sich in einem Leben , das ich fliehen muß . Sie lehnte sich gedankenvoll an ' s Fenster , und sah dem wegrollendem Wagen nach , als Fernando , in reicher Uniform , an Francescas Seite vorüber ritt . Er redete mit dieser , und blickte auf zu Luisen , welche schnell zurücktrat . So hatte sie beide in Julius frühester Schilderung zuerst gesehen . Das war das erste Bild , das sich von beiden in ihre Seele drückte . Der Kreis ihres damals beginnenden Lebens schien nun geschlossen . Jetzt wie damals ging er , einer Erscheinung gleich , an ihr vorüber . Von nun an , sagte sie , will ich ihn nicht wieder sehen . Sie wußte durch den Obristen , daß er französischer Offizier , und nicht aus eignem Triebe , sondern in Aufträgen , in der Residenz war . Sie beschloß , diese so schnell als möglich zu verlassen , und sich für immer in den dichten Mauern des Falkensteins vor jeder neuen Störung zu bewahren . Noch am selben Abend ward ihr Minchens Ankunft gemeldet . Diese kam , sie von des Onkels Tod zu benachrichtigen , und sich sodann bei der einzigen Verwandtin ihrer Mutter hier in der Stadt aufzuhalten . Liebes Kind , sagte ihr Luise , wir sind wohl beide mit unsren Anforderungen an die Welt fertig . Wir bleiben nun zusammen , und flechten , wie ehemals , Veilchen- und Cyanenkränze , und lassen sie