frühere Frau von Elliot « , so heißt es in dieser kritikübenden Zuschrift , » ist weit entfernt davon , eine beschränkte Dame zu sein , so weit , daß vielmehr um gekehrt ihre zahlreichen Erfolge mehr noch ihrem Esprit als ihrer Schönheit zuzuschreiben sind . Und bis zu dieser Stunde noch erfreut sie sich des Vorzuges , in ihrem Auftreten ebenso gefällig zu sein , wie tatsächlich zu gefallen . « Hiermit stimmt auch das Bild überein , das in dem zweiten Zirkel ihrer Verwandtschaft von ihr fortlebt . In einer mir zugehenden Zuschrift heißt es : » Sie war der Typus einer Grande Dame des vorigen Jahrhunderts , und hatte viel Verwandtes mit der entzückenden Gräfin La Roche Aymon ( geborenen von Zeuner ) , die mit ihr gleichzeitig am Rheinsberger Hofe glänzte . Doch war sie dieser letzteren – an der , außer ihrer Schönheit , nur eine gewisse Naivität des Nichtwissens hervorleuchtete – durch Esprit und ein natürliches Verständnis für Dinge der Kunst und Literatur überlegen . « Über all das , was ihr fehlte , geben die mehr zu Beginn dieses Aufsatzes mitgeteilten Briefe , die Baron Knyphausen an seinen Vater schrieb , und aus denen ich seinerzeit alles Wichtigste mitgeteilt habe , den genauesten Aufschluß . Aber fast möcht ' ich die darin Geschilderte mehr noch und entschiedener in Schutz nehmen , als es seitens ihres damaligen , ihr » heimlich « und » versuchsweise « angetrauten Gatten geschah . Indem er sie verteidigt , klagt er sie doch zugleich auch an , und dieser Ton klingt überall durch . Er persönlich mochte dazu berechtigt sein , ebenso sehr seiner seriösen Natur als seiner aparten Lage nach , wir Nachlebenden aber können milder und in dieser Milde vielleicht auch gerechter sein . Ist es richtig ( und es wird richtig sein ) , daß sie der Typus einer » vornehmen Dame « des vorigen Jahrhunderts war , so liegt uns die Pflicht ob , sie nicht bloß aus ihrer Epoche , sondern vor allem auch aus ihrem Gesellschaftskreise heraus zu beurteilen , will sagen aus einem Kreise heraus , darin der Charakter nicht viel und die Tugend noch weniger bedeutet , und in dem , bei Beurteilung schöner Frauen , über vieles hinweggesehen werden durfte , wenn sie nur über drei Dinge Verfügung hatten , über Schönheit , Esprit und Charme . 13. Kapitel 13. Kapitel Der Krautentochter Deszendenz Als Frau von Arnstedt , verwitwete Baronin Knyphausen , geschiedene von Elliot , am 13. September 1819 gestorben war , hinterließ sie Kinder aus drei Ehen . Und zwar Aus der Ehe mit Hugh Elliot 1. Luise Isabelle von Elliot . Dieselbe wurde wahrscheinlich 1779 geboren , da die Verheiratung ihrer Mutter mit Elliot im Jahre 1778 stattfand . Als Ende Juli 1783 die gerichtliche Trennung erfolgte , wurde nachstehende Festsetzung getroffen : » Madame Elliot , geborne Baronesse von Kraut , verspricht ihrer Tochter Luise Isabelle von Elliot ein Kapital von 25000 Talern in Gold sicher zu stellen , und zwar derart , daß an dem Tage , wo Madame Elliot in den Besitz des Bredowschen Erbes ( Hoppenrade-Löwenberg ) eintritt , obiges Kapital von 25000 Talern auf der königlichen Bank deponiert werden muß . « Gemäß dieser Anordnung wurde denn auch , als der vorgesehene Fall eintrat , verfahren . Zu welcher Zeit das Geld erhoben worden ist , ist aus den Aufzeichnungen nicht ersichtlich . Miß Elliot aber vermählte sich später mit einem Mr. Payne . Weitere Schicksale nicht bekannt . Aus der Ehe mir Baron Knyphausen 2. Sophie Friederike Oriane Konstanze , geboren 1785 . 31 Sie war zweimal verheiratet , in erster Ehe mit dem Landrat von Schwerin , in zweiter Ehe mit dem Rittmeister , späteren Major Freiherrn von Kettler auf Jeesch-Kittel . Aus beiden Ehen wurden je drei Kinder geboren . Der Tod der Frau von Kettler kann nicht vor 1856 erfolgt sein , in welchem Jahre sie noch an weiterhin zu nennenden Erbschaftsverhandlungen teilnahm . Sie war eine kluge Dame , praktisch , energisch , und in allen Stücken mehr ihres Vaters ( Baron Knyphausens ) als ihrer Mutter Tochter . Ihren zweiten Gatten , von Kettler , verlor sie auf tragische Weise . Kettler war 1830 aus dem preußischen in den russischen Dienst getreten und machte die gleich darauf ausbrechende Kampagne gegen Polen mit . In der Schlacht bei Grochow wurde er erheblich verwundet und gefangengenommen . Als man ihn auf einem Wagen nach Warschau brachte , drängte sich der Pöbel heran und heulte und johlte ; einer aber stieg auf das Wagenrad und spie ihm ins Gesicht . Ein Faustschlag war Kettlers Antwort . Aber freilich war es auch das Signal , um über ihn herzufallen und ihn buchstäblich zu zerreißen . – Auch seinem ältesten Sohne war ein jäher Tod vorbehalten . Ein herabstürzender schwerer Baumast erschlug ihn . Aus der Ehe mit Rittmeister von Arnstedt 3. Henriette Sophie Rosalie . Verheiratete sich um das Jahr 1820 ( oder vielleicht auch schon zu Lebzeiten der Mutter ) mit dem Baron von Wülknitz und starb 1861 im Bade zu Doberan . Auf dies von Wülknitzsche Paar komm ' ich am Schlusse des Kapitels zurück . 4. Mathilde Julie Friederike war 1802 geboren . Vermählte sich 1826 mit Hans von Örtzen auf Ankershagen , Schloßhauptmann und Kammerherr in Neu-Strelitz . † 1878 . 5. Heinrich Adolf Friedrich von Arnstedt . Wahrscheinlich 1796 geboren . Er trat unter Major von Sohr ins brandenburgische Husarenregiment und machte die Kriege von 1813 bis 1815 mit . An dem Unglückstage von Versailles ( Juli 1815 ) , an dem auch der junge York fiel , war er mit unter den Verwundeten . In die Heimat zurückgekehrt , entschied er sich für Verbleib im Regiment , und suchte durch ein Leben auf großem Fuße über die Langeweile des kleinen Dienstes und über die noch größere der kleinen Stadt ( abwechselnd Beeskow , Düben , Kemberg ) hinwegzukommen . Natürlich war er