Tiberstrand geschildert wurde - Bertinazzi wohnte dicht in der Nähe ... Niemand sprach von Bertinazzi ... Benno bedurfte der neuen Anmahnung seiner Mutter , um in dieser peinlichen Lage harmlos und unbefangen zu bleiben ... Nur endlich zu Lucinden zu gehen , beschwor sie ihn ... Immer noch war er nicht auf die Villa Tibur gekommen ... Die Schwiegermutter Olympiens war wieder einmal mit ihrer Tochter im Streit - Lucinde sollte » Farbe halten « , und nicht auf Villa Torresani erscheinen ... Das verlangte die alte Fürstin ... Und die junge verlangte gleiches von ihren Hausgenossen ... Ceccone emancipirte sich ... Das sahen Benno und Thiebold mit Erstaunen - Nach den Diners fuhr Ceccone auf Villa Tibur ... Die Voraussetzung , daß Graf Sarzana dennoch dieser Donna Lucinde in redlichster Absicht den Hof machte , hörte Benno in der That ... Noch hatte er diesen Cavalier nicht gesehen ... Aber die Art , wie in Italien die Ehe geschlossen wird und um ihrer Unauflöslichkeit willen sich mit allen Verirrungen der Leidenschaft vertragen muß , hatte er genug beobachtet ... Lucinde - eine Gräfin ! ... Er konnte sich nicht genug die Wirkung davon in Witoborn , Kocher am Fall und in der Residenz des endlich freigegebenen Kirchenfürsten ausmalen ! ... Thiebold war nicht mehr zurückzuhalten , Lucinden zu besuchen ... Er kam von ihr zurück und hatte sie außerordentlich vornehm gefunden ... Sie gäbe Audienzen wie eine Fürstin ... Sie hätte sich höchst bitter über Benno beklagt , der sie nicht zu begrüßen käme ... Nur die Nähe eines » Conclaves von Prälaten « , darunter Fefelotti , hätte verhindert , daß er sich darüber ganz mit seiner » alten Freundin « ausgesprochen - mit ihr , die ihm den Streit über die Kreuzessplitter als Ursache ihrer gegenwärtigen Anwesenheit in Rom dankte ... Olympia hörte diesen Bericht voll Neid und sagte grimmig lachend : Benissimo ! Die Kammerzofe meiner Schwiegermutter ! ... Sie aber werden sie nicht sehen ... Ich verbiete es ... wandte sie sich zu Benno ... Benno brauchte sich nicht zu verstellen , wenn er seine Geringschätzung Lucindens andeutete ... Da aber mahnte jetzt sogar der Cardinal um den Besuch in Villa Tibur ... Olympia hörte diese Flüsterworte und wollte aufs neue widersprechen ... Benno warf einen einzigen Blick auf sie und sagte : Ich reite morgen hinüber , Eminenz ! ... Die junge Fürstin sah empor zu ihm , wollte bitter schmählen , dann schlich sie still davon ... Welch ein Glück beherrscht zu werden von dem , den man liebt ... Wie gern hätte sie so ihr ganzes Leben ihm zu eigen gegeben ... Der Cardinal sah das und verstand alles ... Er lachte dieser demüthig niedergeschlagenen Augen , mit denen sein Kind , erst zornig aufwallend , sich beherrschte und hinter den Säulen des Eßsaals verschwand ... Dergleichen war ihm an Olympien noch nicht vorgekommen ... Am andern Tage fuhr sie dann aber doch mit Thiebold und ihrem Mann nach Rom - eines Modeartikels wegen , sagte sie - Sie schmollte mit Benno ... Als dieser fest blieb und bat , ihm ein Pferd nach Villa Tibur bereit zu halten , weinte sie und zog ihre Fahrt bis zum Abend hinaus ... Lucinde schien ihr die Einzige , die ihren beiden Freunden gefährlich werden konnte ... Benno durfte hoffen , Lucinden allein zu finden ... Er hatte gehört , daß auch die alte Fürstin in Rom war , wo sie öfter verweilte als auf dem Lande - Pumpeo ' s wegen - Seine erste Aufwartung hatte Benno ihr in Rom gemacht ... Lucinde , die Benno in so vielen sich widersprechenden Situationen , in Demuth und Glück , in Verzweiflung und Uebermuth , schön und häßlich , fromm und heuchlerisch , verführerisch und abstoßend gesehen hatte - Sie jetzt auf solcher Höhe ! ... Ihr sich beugen zu müssen , von ihr durchschaut zu werden , sich und seine Mutter abhängig von ihrer Großmuth , von ihrer Selbstbeherrschung zu wissen - wol durfte ihn das alles mit Bitterkeit und Mismuth erfüllen ... Er umritt das schon im Abendgold schwimmende Tivoli und suchte dem Bett des Anio von der Seite seines rauschenden Sturzes beizukommen ... Der Lärm des Städtchens oben , die Schrei-Concerte der Esel , das Lachen und Schwatzen des Volks , das Begegnen der Fremden hätten seiner Stimmung wenig entsprochen ... Anfangs mußte er sich vom Rauschen des Wasserfalls in seinen verschiedenen Spaltungen entfernen , dann kam er ihm wieder näher ... Vögel flogen über ihn her , wie aufgeschreckt vom Donnerton der stürzenden Gewässer . Sie flogen zur Linken - Unglücksboten , wie er nach antikem Glauben sich sagen durfte beim Anblick des wohlerhaltenen Vestatempels , der oben auf der Höhe schimmerte , und in Erinnerung an die Sibylle Albunea , die einst hier die Orakel verkündete ... Liegt die Villa Tibur so nahe dem Rauschen des Anio ? sprach er zu sich selbst und gedachte - Armgart ' s , die einst so im Rauschen der Mühlen von Witoborn Ruhe und ihre Aeltern gefunden hatte ... Die schon dunkle Schlucht mit ihren silbernen Schaumterrassen , ihren feuchtkühlen Grotten , ihrem wilden Baum- und Pflanzengewucher blieb zur Rechten ... Villa Tibur lag noch höher in die Berge hinaus ... Nur wie ein fernes Meeresrauschen , immer gleich , immer rastlos , nie endend als nur durch die einstige Zerstörung dieser Felsen beim Weltgericht - so mußte der Sturz vernommen werden in der kleinen Villa , die sich durch Olivenwälder und Bergzacken endlich unterscheiden ließ ... Hoch oben glänzte noch der goldene Sonnenschein , der hier unten im Geklüft schon fehlte ... Die Cypressen an der endlich erreichten Thorpforte standen so ernst , wie nebenan einige Hermen ... Ein Reitknecht in Livree war zunächst zur Hand , der schon ein Roß am Zügel hielt ... Das Roß des Grafen Sarzana ! dachte Benno ... In der That war dieser der Herr des Knechts ... Er erwartete ihn , sagte er , jeden