Das ist alles , was ich von dem schmucken Rittmeister , dem einst verwöhnten Liebling der Rheinsberger Gesellschaft erfahren konnte . Wunderbare Wege ! Die Hinterlassenschaft der beiden geisteskranken Bredows war unter Fehlern , um nicht zu sagen unter direkten Unzulässigkeiten , aus der Bredowfamilie wegtestiert worden , und der erste , der in den Mitgenuß dieses unter mindestens zweifelhafter Berechtigung angetretenen Erbes eintrat , erlag demselben Los und wurde geistesgestört wie sie » zu Tode gefüttert « . Im Hoppenrader Schloß atmete man inzwischen auf , aber nur eine kurze Weile ; der Zug gegen Rußland und die Kriegsoperationen , die folgten , sogen aufs neue das Land aus , und wer nicht fest im Sattel saß ( wie beispielsweise der alte Hertefeld auf dem benachbarten Liebenberg ) , der erlag unter einer Last von Schulden . Unter diesen Schwerbedrängten und fast Erliegenden war auch unsere Krautentochter , und gleich nach dem Kriege bot sich ihr nur ein einzig Mittel noch , um sich zu halten : der Wald . Er mußte niedergeforstet und alles zu Gelde gemacht werden , und derselbe Harenzackenwald , der einst , in zurückliegenden Tagen , der Schauplatz unvergeßner Triumphe gewesen war , er fiel jetzt unter der Axt der Holzschläger , und die schönen Stämme wurden verschleudert , um einigermaßen die Mittel für ein auch jetzt noch auf vornehmem Fuße geführtes Leben herbeizuschaffen . Von in Betracht kommenden Erträgen aus der Landwirtschaft konnte keine Rede sein in einer Zeit , wo der Scheffel Roggen einen Taler und unter Umständen auch nur einen Gulden kostete . So war denn » Geld und wieder Geld « die Losung im Leben unserer Hoppenrader Erbherrin geworden , und einer ihrer Untergebenen , ein Förster , dem sie durch ihren Einfluß nicht bloß einen höheren Titel erwirkt , sondern zu dessen Klugheit und Umsicht sie gleichzeitig ein großes Vertrauen hatte , war ihr dabei zu Willen . Es war dies der Oberförster oder Forstinspektor Görwitz , ein Lebemann , frank und frei , der aller Welt gefiel , vor allem auch seiner Herrin , und ein Jahrzehnt lang oder länger eine Försterexistenz führte , von der noch jetzt gesprochen wird , und die damals in der halben Grafschaft Ruppin eine Mischung von Neid und Bewunderung erregte . Mit Hilfe der ihm unterstellten Forsten , deren Gesamtheit mehr als 9000 Morgen umfaßte , war er der eigentliche » Mann der Situation « , ja , in gewissem Sinne der große Finanzier der Löwenberg-Hoppenrader Herrschaft geworden , und lebte denn auch seinerseits im Vollbewußtsein dieser seiner Machtstellung auf dem Fuße der haute finance . Zweimal wöchentlich führten ihn Geschäfte , wirkliche oder vorgebliche , nach Berlin , und im elegantest aufgeschirrten Jagdwagen oder noch lieber in einer in Löwenberg genommenen Extrapost fuhr er um 11 Uhr vormittags bei Lutter und Wegner vor , um ein Gabelfrühstück zu nehmen . Aber der Nachmittag kam und ging und am Abend hielten und warteten die Pferde noch , und erst wenn die Theater aus und das Neueste , das die » Habitués « aus dem Schauspielhause mit herüberbrachten , unter den Kommentaren der Witzköpfe mit durchgeredet war , ging es um mitternächtige Stunde wieder bis in seine Försterei zurück . Die war nun selber keine » Försterei « mehr , sondern präsentierte sich als ein villenartiges Landhaus , auf dessen Vorplatz allerlei seltene Pflanzen im Freien oder in großen Kübeln standen : Aloë , Hortensien und Georginen , die gerade damals in Mode gekommen waren . Alles das unter Zustimmung seiner Herrin , die klug und recht tat , ihn gewähren zu lassen . Denn er hatte neben dem raschen Blick auch die glücklich rücksichtslose Hand des Lebemannes und half , eben weil er der war , der er war , ohne Skrupel und Schwerfälligkeiten über den Tag hinweg . Und » après nous le déluge « . Und wirklich , als die Sintflut kam , war es » après « , und die lebenslustige Dame , die nicht sparen und marchandieren und aller wachsenden Lebensnot unerachtet auch nicht entbehren oder gar entsagen gelernt hatte , war nicht mehr unter den Lebenden . Am 13. September 1819 starb sie während ihres Aufenthaltes in Berlin und wurde , wie es einer » Krautentochter « zukam , im Krautenerbbegräbnis zu Sankt Nikolai beigesetzt . Mutmaßlich als die letzte , die diesen Namen geführt . Sie war ihres Alters 57 Jahre und hinterließ eine beträchtliche Last persönlicher Schulden , weil eben diese Schulden auf ihre Güter , die Fideikommißgüter waren , nicht eingetragen werden konnten . Es hatte sich ein reiches und bewegtes Leben geschlossen . Ob auch ein glückliches ? Alles in allem , ja . Sie verstand die Kunst , den Augenblick zu genießen , und sich das , was die Stunde bot , durch Zukunftsbetrachtungen oder gar durch Zukunftsbefürchtungen nicht allzusehr trüben zu lassen . Sie war sanguinisch und erfreute sich der Vorzüge dieses Temperaments . Es liegen mir hinsichtlich ihres Charakters allerhand Aussprüche vor . Am ungünstigsten lautet das , was Thiébault in seinen » Souvenirs « über sie sagt . Aber Thiébault war nicht von der Partei der » Krautentochter « . Überdies , als diese sich – und zwar weit über das Ansehen ihrer Mutter , der Madame de Verelst , hinaus , – im Jahre 1790 , in Rheinsberg etablierte , war Thiébault längst aus Preußen nach Frankreich zurückgekehrt . Er spricht anerkennend nur von ihrer Schönheit ( » elle était sans contredire la plus belle personne de ce payslà « ) , versichert aber an selber Stelle , » daß sie leichtfertig , kapriziös und eigentlich beschränkt gewesen sei . « Dies trifft nun sicherlich nicht zu , und der Sohn Thiébaults , General in der französischen Armee , hielt es , bei Publizierung einer späteren Auflage der » Souvenirs « seines Vaters für angemessen , in einer Anmerkung einen im Jahre 1813 geschriebenen Brief abzudrucken , der ihm behufs Richtigstellung dieser Dinge zugegangen war . » Die