Sammtkissen , die Verschwendung an Marmor und Krystall sah , nun werden Sie eifersüchtig auf mich ! ... Wir streiten uns , entgegnete Benno , wie zwei Fechter , die zum Tode bestimmt sind ! Auf dem Programm der Niedermetzelungen geschieht dem einen weniger Ehre , als dem andern ! ... Bin ich darum wol - etwa traurig ? ... Das Verhältniß Olympia ' s zu Benno war in Wahrheit dies : Als sie mit Benno zum ersten male allein war und von Wien zu reden begann , erbleichte sie , zitterte und verließ , keines Wortes mächtig , das Zimmer ... Um nur Fassung zu gewinnen , gab sie sich den Schein mit ihm zu schmollen ... Eine Täuschung nur ... Sie war auf dem Gipfel alles Erdenglücks ... Sie ritt , sie fuhr , wie in ihrer fröhlichsten Zeit ... Thiebold machte sich zu ihrem dienenden Cavalier und sie ließ sich ' s gefallen ... Thiebold plauderte zu amusant , war immer lebhaft und gefällig - immer » präsent « - das wollen die Frauen - ... Sie konnte vollkommen mit zwei solchen jungen Männern zu gleicher Zeit fertig werden ... Thiebold hatte Recht , wenn er sagte : Unsere Tugend rettet ihr Embarras de richesses ! ... An lange Einsamkeit und ein ungestörtes Begegnen war freilich wenig zu denken ... Die Fürstin war eine Neuvermählte , Ercolano rauchte nicht eine Cigarre ohne sie , trank nicht ein Glas deutscher » Birra « ohne Benno und sein Leben bestand aus Trinken und Rauchen ... Reiter und Fuhrwerke belagerten die Thore der Villa Torresani ... Zankte auch wol der alte Fürst , der aus der Stadt ab und zu kam , über einen Landaufenthalt , der seinen Zweck , zu sparen , gänzlich verfehlte , so war nun einmal Olympia die Nichte des regierenden Cardinals und hatte als solche den Zustrom der Fremden und Einheimischen ... Da gab es hundert Monsignori , die Carrière machen wollten ; Aebte , Bischöfe kamen von nah und von fern ; Fefelotti sogar ordnete sich Ceccone ' s gesellschaftlicher Stellung unter ... Fremde kamen , die aus Kunstinteresse , andere , die aus Frömmigkeit , die meisten , die aus Geselligkeitstrieb nach Rom wallfahrteten ... Das Princip der römischen Aristokratie , so unzugänglich wie möglich zu sein , ließ sich hier nicht durchführen ... Olympia wollte nicht aufhören , die Beherrscherin Roms zu bleiben ... Und wie war die Zeit bewegt ... Couriere kamen und gingen ... Außerordentliche Botschafter von Neapel , Florenz und Modena gab es zu empfangen ... Schon hörte man von Verhaftungen in Rom ... Von Aufhebung einzelner » Logen « ... Die Gefängnisse der Engelsburg und des Carcere nuovo füllten sich so , daß die Gefangenen des Nachts , mit starken Escorten , nach Civitavecchia und Terracina geschickt wurden ... Von ungewöhnlichen Streifcolonnen hörte man , die durch die Gebirge zogen ... Die Marine Neapels , Sardiniens , Oesterreichs kreuzte in den Gewässern von Genua , um Sicilien her und im Adriatischen Meere ... Schon wurden allgemein die Brüder Bandiera als Anführer von Trupps genannt , die demnächst an verschiedenen Stellen Italiens landen würden ... Ceccone , der Benno sehr artig begrüßt und dem devoteren Gefährten Thiebold die Hand zum Kusse gereicht hatte , war , das beobachteten beide , in äußerster Aufregung ... Seine Kutsche fuhr hin und her ... Sie wurde regelmäßig von zwölf Berittenen der Nobelgarde begleitet , wenn er nach Castel Gandolfo fuhr , wo der Heilige Vater eingeschlossen lebte und mismuthig über sein Körperleid die Bullen , Breves und Allocutionen unterschrieb , die man ihm aus den verschiedenen Collegien seiner Weltregierung überbrachte . Bücher wurden verboten , Excommunicationen ausgesprochen ... Wächter der Kircheninteressen gab es genug ... Wenn auch der Hohepriester nichts las , als medicinische Schriften , nichts hören wollte , als ärztliche Consultationen ... Seine Zuflucht war damals , wie bekannt , ein deutscher Arzt geworden ... Olympia hatte in der That jetzt keine geringe Abneigung gegen die » Erhebung Italiens « ... Sie räderte und köpfte - » Ein paar Handschuhe monatlich - Ein Bedienter nur - Und deine Hemden selbst flicken - « ? Mazzini , Guerazzi , Wenzel von Terschka - jeden erwartete , wenn man seiner habhaft wurde , ein eigener Galgen ... Bekanntlich unterschreibt der Heilige Vater nie die Todesurtheile selbst ; man überreicht sie ihm - wenn er nichts dagegen einwendet , hat die Gerechtigkeit ihren Lauf ... Man kann die Religion der Milde nicht milder betrügen ! sagte Benno ... Als Benno zum ersten mal mit Ceccone beim jungen Rucca dinirte , bedurfte er der ganzen Erinnerung an die Verstellungskunst - des ihm schon einmal in seinem Leid aufgegangenen Hamlet ... Er gab jede Auskunft , die der geschmeidige Priester zu hören wünschte ... Er widersprach keinem Urtheil , das sich ja auch hier nicht berichtigen ließ ... Er hörte nur mit Schrecken : Wir wissen alles ! Wir sind unterrichtet über die Personen ! Wir kennen die Orte ... Wir wissen , wo die Fackel der Empörung zuerst auflodern soll ! ... Zwanzig Mitglieder der » Junta der Wissenden « haben auf die Hostie geschworen , mich binnen einem Jahre zu tödten ! ... Ich weiß , daß geloost worden ist ! Ich weiß , daß ein Mann in Rom , in meiner unmittelbaren Nähe leben soll , der die Aufgabe hat , mich zu ermorden ! ... Nun wohlan ! Ich will es aufgeben zu forschen - sonst mistrau ' ich jedem , der mich grüßt , jedem , der in die Nähe meines Athems kommt ... Eben war bei Tisch gesprochen worden von einigen Königsmördern , die kurz hintereinander in Frankreich guillotinirt wurden ... Benno horchte , ob bei allen diesen Schilderungen ein Advocat Clemente Bertinazzi würde genannt werden , der ihm als Mittelpunkt der Verschwörer in Rom bezeichnet worden und - der ihn sogar selbst erwarten durfte ... Er erblaßte , als Cola Rienzi genannt - Rienzi ' s Haus am