unglücklich-sein über den Rest der Tage hinweggeschleppt hätte , wenn nicht unmittelbar fast nach dem Tode des bis zuletzt einen gewissen Kontrolleinfluß ausübenden Prinzen , eine Verschlimmerung und bald danach eine Zeit völligen Niedergangs bei von Arnstedt eingetreten wäre . Wo früher nur das Gute gefehlt hatte , zeigte sich jetzt auch das positiv Schlechte , lautwerdende Vorwürfe verdarben es völlig , und eh ' abermals ein Jahr um war , war aus dem lustigen Rat und liebenswürdigen Gesellschafter ein Trinker und Spieler geworden , ein nur noch Halbzurechnungsfähiger , über dessen traurigen Lebensausgang in einem folgenden Kapitel zu berichten bleibt . Und das Unglück , wie das Sprichwort sagt , kommt nie allein . Auch hier nicht . Um dieselbe Zeit , wo die Sorgen um den Mann sich mehrten , mehrten sich auch die Sorgen um Gut und Habe , weil der , wie schon vorstehend erzählt wurde , fast vom Momente der Besitzergreifung an über Löwenberg und Hoppenrade schwebende Prozeß inzwischen nicht nur überhaupt angestrengt , sondern auch von Jahr zu Jahr immer energischer und bedrohlicher in Angriff genommen worden war . Die Bredows verlangten ihr ihnen wegtestiertes Erbe zurück . An der gerichtlichen Entscheidung dieser Frage hing Leben und Sterben . 12. Kapitel 12. Kapitel Die Krautentochter stirbt Die Gefahr ging vorüber . Der 1791 begonnene Prozeß wurde 1809 zugunsten der Krautentochter entschieden . Aber so viel Grund zu Dank und Freude vorliegen mochte , durch diesen Entscheid vor einem Äußersten bewahrt geblieben zu sein , so wenig Grund lag doch überhaupt zu Dank und Freude vor . Es waren durchweg traurige Zeitläufe , Kriegsbeunruhigungen und Truppendurchzüge nahmen kein Ende , Gesindel aller Art fiel lästig , und Strolche , denen man ein Almosen oder ein Nachtquartier verweigerte , ließen die Scheunen und Kornmieten in Feuer aufgehen . Unglück über Unglück . Aber zu Kalamitäten wie diese , die damals allgemein waren , gesellten sich für unsere Krautentochter doch noch besondere : der Hausfrieden schwand immer mehr , und mit dem Ehemanne , dessen Wandel seit Jahr und Tag im Niedergange war , wurd ' es schlimmer und schlimmer . Es zeigten sich Geistesstörungen , und neben einer äußerlichen erwies sich schließlich auch eine gesetzliche Scheidung als unerläßlich . In welchem Jahre diese stattfand , hab ' ich nicht mit Bestimmtheit in Erfahrung bringen können , doch muß es annähernd um dieselbe Zeit gewesen sein , in der sich der Prozeß entschied . Wenigstens find ' ich in einer Taufpaten-Aufzeichnung unterm 28.September 1809 das Folgende : » Frau Luise , 29 geschiedene von Arnstedt , geborene von Kraut « . Im Herbste genannten Jahres also war die Scheidung bereits ausgesprochen . Dieses Fazit an sich konnte , wie die Dinge lagen , unmöglich als ein Unglück gelten , im Gegenteil . Aber was mit dem geschiedenen Ehemanne beginnen ? Das gab eine neue schwere Sorge . Privatinstitute , wie sie jetzt existieren , existierten damals noch nicht , und ihn , den von Arnstedt , einer jener allgemeinen , in jener Zeit noch nach einem gewissen Schreckenssysteme verwalteten Irrenanstalten anzuvertrauen , widersprach durchaus dem feinen Sinn unserer Krautentochter und fast mehr noch ihrem gütigen Herzen . Endlich indessen einigte man sich dahin , ihn in einem Predigerhause , gegen hohe Zahlung , unterzubringen , und gab ihn auch bald danach nach einem in der Nähe von Fehrbellin gelegenen Dorfe hin in Pension . Dieses Dorf war Hakenberg , und in der Pfarrpension daselbst hat er noch an die vierzig Jahre gelebt . Im Hakenberger Kirchenbuche findet sich folgende Stelle : » Herr Karl Heinrich von Arnstedt , Rittmeister außer Dienst , starb 79 Jahre alt am 30. Mai 1847 und ist am 2. Juni selbigen Jahres auf dem Kirchhofe bei der Kirche begraben worden . « Zweien Briefen aus Dorf Hakenberg darf ich noch Folgendes entnehmen : » Alte Leute hier erinnern sich noch sehr wohl des Rittmeisters von Arnstedt . Er soll bald nach 1813 von Hoppenrade her zu Prediger Drake gekommen sein und hat dort bis zu seinem Ende gelebt . Er war ein schöner , großer Mann , freundlich und gesprächig , aber sofort wütend , wenn das Gespräch auf die Franzosen kam . Er haßte sie , weil ihm seine Frau durch einen französischen Offizier entführt worden war . Auch ist derselbe nie wieder nach Hoppenrade zurückgekehrt . 30 Wegen seiner aufgeregten Gemütsart war stets ein Wärter um ihn , der ihn auch auf seinen Spaziergängen begleitete . Während der ersten Jahre wurde er öfters von seinen Brüdern besucht , später nicht mehr . Er starb im Pfarrhause . Geboren war er in Liebenberg . « Ein zweiter Brief bestätigt das in vorstehendem Gesagte : » Der Familie von Arnstedt lag daran , den Rittmeister von Arnstedt nicht in eine öffentliche Irrenanstalt gebracht zu sehen ; so gab man ihn denn zu dem hiesigen Pastor in Pension . Die Küche der Frau Pastor Drake jedoch soll ihm wenig zugesagt haben , weshalb es oft vorkam , daß er das Essen ohne weiteres zum Fenster hinausschüttete . Bemerkte das eine dem Pfarrhofe gegenüber wohnende , sehr gutmütige Pächtersfrau , so wurde ihm von dieser oder ihrem Töchterlein heimlich ein Töpfchen Kaffee gebracht , wofür er immer sehr dankbar war . Er war ein großer , schlanker Herr von durchaus militärischer Haltung , und hing , solang er rüstig war , seinen fixen Ideen mit einer gewissen Energie nach . Auf seinen Spaziergängen sprach er viel vor sich hin , empörte sich über die › französischen Spitzbuben ‹ und fuchtelte dabei mit seinem Stocke umher . Begegneten ihm dann Kinder , so wurd ' er ruhig und gab ihnen kleine Stückchen von seinem Frühstückszucker , den er sich zu diesem Zwecke absparte . Hart am Wege , zwischen dem Turm und dem Kirchhofseingang , ist er begraben worden . Ein Denkmal fehlt . Ein Wärter , der ihn bewachte , hatte nur Tagesdienst und ging abends in sein Tagelöhnerhäuschen nach Linum zurück . «