wie mich der Franziskanerstrick erbauen würde , den Zacharias Werner in Wien trug . Diese Entgegnungen waren wieder herausfordernd . Der General warf einen scharfen Blick auf den Ritter , der sich inzwischen besonnen zu haben schien und seiner öffentlichen Funktionen eingedenk wurde . Rochus von Westen , der mit Voltaire ' schem Esprit Zacharias Werner ' sche Zeitauffassung vertreten mußte , schwieg ... Sehen Sie , wandte sich Dystra jetzt zu Louis Armand , Das sind die Gegensätze , die uns dies sonderbare Deutschland so verworren erscheinen lassen ! Ich bin durch die halbe Welt gereist , habe die Pyramiden Ägyptens und die heißen Fontainen in Island gesehen , überall streitet man sich , aber nirgends so viel wie in Deutschland und nirgends spukt noch das tolle Ritter-und Mönchswesen wie bei uns , während unsre ganze Tournierfähigkeit jetzt kaum noch darin besteht , daß wir im Lesekasino ... wissen Sie , Rochus , worin wir uns im Kasino als die letzten Ritter erscheinen müssen ? Man horchte gespannt ... Unser letztes Ritterthum besteht in dem Rest der Kunst des Ringelstechens , vermöge dessen wir die Journale , die wir gelesen haben , wieder an die Haken hängen , von wo wir sie herabgenommen . Meine Ahnen können nicht künstlicher in den Karroussels nach dem Ring gestochen haben , wie ich jedesmal angeln muß , um die Times wieder an ihren Riegel Nr. l zu hängen . Während man diesem Einfall applaudirte , fragte Dystra Louis : Sie sind aus Lyon gebürtig ? Aus Lyon , mein Herr ! Sie sprechen vortrefflich deutsch . Es ist die Sprache meiner nächsten Verwandten . Louis litt unter der Vorstellung , daß Otto von Dystra vielleicht nicht wußte , daß er die Ehre seiner Einladung einem in der Gesellschaft so tiefstehenden Arbeiter hatte zu Theil werden lassen . Rudhard , Dankmar , selbst Voland fürchteten dieselbe Aufklärung . Sie wußten wohl , daß Dystra keine Vorurtheile hegte , dennoch würde er seiner Gäste wegen sich vielleicht betroffen gezeigt haben . Deshalb ergriff Dankmar sogleich das Wort und lenkte das Gespräch auf Egon , den Beschützer Armand ' s , hinüber . Als dieser Name ausgesprochen wurde , wandte General Voland seine durchdringenden Augen zu Dankmar und hörte mit Spannung , was über den jetzt die Geschicke des Landes lenkenden jungen Fürsten würde gesprochen werden . Rudhard ertheilte aber dem neuen Premierminister sogleich die entschiedensten Lobsprüche . Er besitze ganz jene zähe Ausdauer , sagte er , ohne welche man jetzt nicht Politik treiben könne . Er hätte der Hydra der Revolution auf den Nacken getreten , er werde es bändigen , das Ungethüm , das in seinen Verheißungen die Sprache der Engel rede , in Wahrheit aber eine blutige Wolfsnatur wäre . O wie stimmten die beiden vornehmen Gäste bei ! Wie überschüttete man Rudhard mit Dank , mit Bewunderung ! Aber gerade in dem Übermaaß lag der Mangel an Aufrichtigkeit ... Man stockte sogleich . Man ließ Rudhard reden , preisen . Man schwieg , bis General Voland zu Louis sagte : In Lyon machten Sie des Fürsten Bekanntschaft ? Wie schön dies Lyon ! Wie eigenthümliche historische Luft weht in jenen südlichen Abdachungen , die von da mit den großen Strömen sich zum Meere hinuntersenken ! Lyon ist eine der ältesten Städte Frankreichs . Der Zusammenfluß der Saone und der Rhone bietet dem Auge ein gefälliges Schauspiel . Noch sind hier die Überbleibsel der alten römischen Niederlassungen sichtbar . Mancher römische Kaiser hat in Lyon gewohnt , manches christliche Märtyrerblut ist dort geflossen , wofür denn freilich diese Stadt die Ehre genießt , von sich rühmen zu dürfen , daß sie die erste christliche Kirche Galliens aufzuweisen hat . Ich kenne nur zwei Empfindungen , die mich bei Wanderungen und Reisen ganz erfüllen können . Die eine ist Die : historische Luft zu athmen . Wo genösse man diese Wonne in größeren Zügen als im Süden Europas ? Wie ich in Lyon war , sah ich Königreiche vor mir wieder neu erstehen , die nun mit dem Schutt der Vergessenheit bedeckt sind . Ich sah das Arelatische Reich , das hier blühte , ich sah Burgund , dessen Kraft an den Morgensternen der Schweizer bei Murten zersplitterte - 1476 - Wie weht da ein Geist der Kraft , der Auferstehung , der Verjüngung ! Wie sieht das Auge reisige Geschwader herniederkommen von den Bergen und Alles drängt sich dem Mittelpunkte der großen Weltbegebenheiten zu , dem Mittelländischen Meere , um das herum doch eigentlich allein nur wahre Geschichte gemacht wird ! Das zweite nicht minder erhabene Gefühl hab ' ich beim Anblick jener Uranfänge des Christenthums , die uns aus alten Mauern und Kapellen noch entgegentreten . Die großen Münster , die aus der Blütezeit der Kirche herrühren , machen mir lange nicht den Eindruck , als wenn ich jene kleinen , oft ganz versteckt liegenden , niedrigen Kapellen und Kirchen mit Kreuzgängen sehe , die noch fast das Ansehn alter Kastelle haben und sozusagen die cyklopische Zeit der Kirchenbaukunst bedeuten . So empfand ich in Mailand bei jener entlegenen Kirche , die einst der heilige Ambrosius vor dem Kaiser Theodosius schloß und ihm nicht gestattete , früher den heiligen Boden zu betreten , ehe er sich nicht von dem in Thessalonich vergossenen Märtyrerblute gesühnt hatte . Wie jung war damals die Christuslehre ! Wie neu und frisch der Eindruck einer Begebenheit , die in die alte erstorbene Welt der Heiden wie ein junges Reis hinein sich rankte und bald lebenskräftig die ganze gebildete Welt der Erde mit grünem Laube umzog ! Auch in Pavia , Genua , vor allen Städten aber in Rom folgt man mit Wonneschauern diesen allerersten Fußtapfen der Kirche und kann sich mit etwas Phantasie aus schwarzen , niedrigen , byzantinisch gerundeten Bauten die ganze Vergangenheit zusammensetzen , die wir kaum kennen würden , wenn nicht irgendwo doch ein sinniger Mönch in einem Kloster die Erzählungen durchreisender Pilger als Schreib- und Stylübung verzeichnet hätte . Wahrlich ,