tonangebenden Hoppenrade wieder schloß . Eigentliche Festins aber gab es nur dann , wenn der » Prinz « in Person und zwar in formellster Weise seinen Besuch angesagt hatte . Dann galt es , ihn zu » surprenieren « , und dem Meister im Festarrangement wenn nicht gleich , so doch nahezukommen . Und hierin exzellierte Frau von Arnstedt . Eine dieser Feiern lebt noch fort in der Erinnerung der Enkel . An der Granseer Straße hin , eine Viertelmeile südlich von Hoppenrade , zieht sich der » Harenzackenwald « , ein damals und vielleicht auch heute noch reich bestandener Forst , in den man , an einem dieser Besuchstage , den Prinzen zu führen und es derartig einzurichten gewußt hatte , daß sich Monseigneur in Wald und Abenddämmer verirren mußte . Verzeihungen wurden erbeten , Entschuldigungen gestammelt , bis man endlich auf eine mit Erlengebüsch überwachsene Wiese hinaus trat . Da wurde es plötzlich hell und licht , und ehe sich der Prinz von seinem Erstaunen erholen konnte , stand der Waldrand um ihn her in mehr als tausend Lichtern , denn alles , was auf den umliegenden Gütern wohnte , war aufgeboten und an die Bäume postiert worden , um in einem einzigen Moment eine Beleuchtung der Waldwiese mit buntfarbigen Lampen in Szene setzen zu können . Da küßte der Prinz der schönen Frau die Hand und erklärte sich für besiegt , und eine Woche lang zehrte man von diesem gnädigen Wort und fühlte sich gehoben in der Idee , nicht umsonst gelebt zu haben . Auch von Berlin her kam Besuch , und wenn es junge Frauen waren und die Jahreszeit es gestattete , so ging es bei Sonnenuntergang oder auch wohl in aller Morgenfrühe nach » Mon Caprice « hinaus , welchen Namen ein Badetempelchen , ein Pavillon führte , den Frau von Arnstedt am Ufer eines von Schilf und hohem Werft umstandenen Seetümpels errichtet hatte . Da hinaus ging es , um zu baden und zu plätschern und allerhand Spiele zu spielen . In dem Schilf- und Werftgürtel standen alsdann die jüngeren Gefährtinnen und hielten sich an dem herniederhängenden Gezweige , während Frau von Arnstedt , eine brillante Schwimmerin , über den See schoß und die Losung gab , ihr zu folgen und sie zu haschen . Und nun schwamm und jagte man ihr nach und zog den Kreis immer enger , aber im selben Augenblicke , wo man sie schon umstellt und gefangengenommen glaubte , schlüpfte sie durch und entkam siegreich bis an die rettende Tempelschwelle . Das gab denn ein Lachen und ein Bewundern , und in Rheinsberg und an den Prinz Heinrichschen Edelhöfen , an denen nichts so voll und üppig in Blüte stand als die Medisance , medisierte man wieder von » Diana und ihren Nymphen « . Aber es waren nicht Zeiten , um durch Scherze der Art empfindlich berührt oder in irgendeiner guten Laune gestört zu werden . Im Gegenteil . Alles war Lust und das Leben ein Feiertag . 11. Kapitel 11. Kapitel Die Krautentochter kommt in schweres Leid Aber dieser Feiertag ging zu Rüste . Den 3. August 1802 , als man überall in den Rheinsberger Dependanzen und nicht zum wenigsten in Schloß Hoppenrade festlich zu Tische saß , um den Geburtstag König Friedrich Wilhelms III. in Wein und Rede zu feiern , erschien ein Bote mit einem Flor um Hut und Arm und brachte Meldung , daß » Monseigneur « in vorhergehender Nacht aus dieser Zeitlichkeit geschieden sei . Da wandelte sich das Festmahl in ein Trauermahl , weil alle fühlten , daß ihnen ein guter Herr und wahrer Freund genommen sei , der nicht bloß philanthropische Sentenzen hergesagt und klugen Rat gegeben hatte , nein , der auch half und Fürsprache tat und immer verzieh . Und aufrichtige Tränen flossen ihm , auch bei denen , die sich längst der Tränen entwöhnt hatten , und als endlich die Grabpyramide fertig und der große Grabstein mit der berühmt gewordenen Inschrift : » Jetté par sa naissance dans ce tourbillon de vaine fumée , Que le vulgaire appelle Gloire et grandeur , Mais dont le sage connait le néant « , in das Grabmahl eingelassen war , da war ein Trauern im ganzen Lande Ruppin , und alles fuhr heim und hatte seiner Schwatzhaftigkeit ein Maß , denn jeder wußte , daß man in dem heimgegangenen Freunde den letzten Großen aus einer großen Zeit begraben hatte . Niemand aber wußt ' es besser als unsere Krautentochter , und in ihrem Herzen regte sich die Vorstellung , daß ein Wendepunkt für sie gekommen sei , bald vielleicht , und daß eine Reihe böser Tage vor der Türe stehe . Wirklich sie kamen . Es begann daheim , im eigenen Hause . Sie hatte kein Glück mit den Männern , wenigstens nicht in der Ehe . Der Rittmeister war ein Mann nach ihrem Sinne gewesen , als sie , verwitwet und vertrauert an seiner Lebenslust sich aufgerichtet hatte . Das alles aber lag jetzt eine gute Weile zurück . Ihre Temperamente hatten miteinander gestimmt , nichts mehr , nichts weiter , und wenn sie vorher jahrelang in einer gewissen Verdrossenheit zu dem ostfriesischen Baron , ihrem zweiten Manne , hinaufgeblickt hatte , so sah sie jetzt auf diesen dritten herab . Und auch das wollt ' ihr nicht gefallen . Wohl war sie das Kind ihrer Zeit und verabscheute nichts mehr als die Langeweile gelehrter Allüren , aber zu gleicher Zeit entbehrte sie doch keineswegs eines feineren ästhetischen Sinnes , und wenn ihr Gründlichkeit verhaßt war , so war es ihr Seichtheit und Oberflächlichkeit noch mehr . Oberflächlichsein war nur statthaft oder ein Vorzug , wenn es sich mit Witz und guter Laune paarte . Davon hatte der Rittmeister seinerzeit ein freundlich und bescheiden Teil gehabt . Aber das war längst aufgezehrt , und sie litt jetzt unter seiner Unbedeutendheit und Schwäche . Möglich nichtsdestoweniger , daß sich ihr Leben in jenem wohlbekannten Halbzustande von nicht glücklich- und nicht