die Höhle des Löwen ! Wir bitten die Herzogin von Amarillas um ihre Protection ! Wir unterwerfen uns Sr. Eminenz dem Cardinal Ceccone in gebührender Demuth ! Wir lassen in dieser großen , vornehmen Welt , in der Sie leben , gnädigste Frau Herzogin , unser Licht leuchten so gut es geht und sollte mir mein Freund Asselyn wirklich von jenem grünen Teint und jenen blauen Haaren in Gefahr für seine Tugend gerathen , so verderb ' ich ihm jedes Rendezvous und setze das so lange fort , bis Rom entweder eine Republik geworden ist oder Ceccone , was mir wahrscheinlicher erscheinen dürfte , die Sentenz für die Gebrüder Bandiera zu unterschreiben hat - ... Die Herzogin sah den Irrthum Thiebold ' s über ihre gegenwärtige Lage , unterstützte aber seinen überraschenden Einfall durch jede Geberde ... Sie unterdrückte jede Einsprache Benno ' s , nannte Ceccone ihren Freund , ihren Gönner , Olympia ihr treuestes Pflegekind ... Sie ermuthigte beide , mit der jungen Frau ihr Heil zu versuchen ... Es schlug nun elf Uhr ... Thiebold mahnte an den Aufbruch ... Benno blieb traurig und schien keinen Willen mehr zu haben ... Die Mutter ließ ihn nur mit den Beruhigungen scheiden , die sie verlangte ... Er mußte versprechen , morgen im Palazzo Rucca nach dem Principe Ercolano zu fragen und seine Karte abzugeben - Thiebold sollte inzwischen schon ins Gebirge und auf die Villa Torresani reisen ... Das alles stand fest und unwiderruflich ... Die Mutter führte Benno an das Medaillon des Herzogs von Amarillas , ergriff seine drei Schwurfinger und flüsterte ihm - » bei Angiolinens Angedenken ! « - einen Schwur ... Er sollte geloben , daß er sich mit Lucinden verständigte und in die Welt Ceccone ' s und Olympiens einträte , ohne die mindeste Rücksichtsnahme auf irgendetwas , was ihr persönlich begegnet war ... Benno erwiderte : Rom ist die Tragikomödie der Welt ! ... Er gab der Mutter in dem , was sie vorläufig begehrte , nach ... Beim Nachhausegehen war Thiebold entzückt von dieser » seltenen Frau « ... Er verwünschte seine mangelhaften Kenntnisse im Italienischen , schwur , täglich sechs Stunden Unterricht nehmen zu wollen und erstaunte dann nicht wenig , als ihm Benno beim Herabsteigen von jener großen Treppe , die auf den spanischen Platz führt , erzählte , daß sich die Stellung seiner Mutter zu Ceccone und Olympia gänzlich verändert hätte ... Nun erst begriff Thiebold die kalte Aufnahme , die er an Piazza Sciarra erfahren hatte , als er dort nach der Herzogin von Amarillas fragte ... Er verwünschte die römische Welt nicht wenig ... Dann verglich er Rom bei Nacht mit seiner Vaterstadt bei Nacht ... Die Beleuchtung war hier » unter der Würde « - Rom verwarf bekanntlich damals als » revolutionäre Neuerung « nicht blos die Eisenbahnen , sondern auch die Gasbeleuchtung4- ... Die Freunde verabredeten sich , morgen in alter Weise gemeinschaftlich zu frühstücken und das Weitere ernst zu berathen ... Thiebold wollte zu Benno kommen ... Den Aschenbecher vergaß ich in Robillante ! rief Benno Thiebold nach , als dieser schon an die Pforte seiner Wohnung geklopft hatte , die derjenigen Benno ' s gegenüber lag ... Bringen Sie ihn doch morgen früh mit ... Das einzige Wort , mit dem Benno die zum Tod betrübte Stimmung seines Innern verrieth . Fußnoten 1 Geboren 1780 in Venedig . 2 Wir geben nur Thatsachen . 3 Die bekannte » Schwefelfrage « . 4 Thatsache . 7. Die Wirkung einer Karte , auf der zu lesen stand : » Monsieur Thiebold de Jonge , recommandé par le Baron Benno d ' Asselyn « war außerordentlich ... Sie fiel in die Siestenstunde , wo auf Villa Torresani die junge Fürstin Rucca bei herabgelassenen Jalousieen auf schwellenden Polstern ausgestreckt lag und vielleicht in Liebesschauern vom schönen Cardinal Ambrosi träumte ... Sie fuhr empor ... Halbentkleidet lag sie auf einem Ruhebett ausgestreckt ... Dicht war sie gegen die bösen » Zanzari « in Musselinvorhängen eingehüllt ... Mit halbschlafendem Brüten hatte sie ein Deckenbild des Bettes , eine Amorettenscene von Albani angestarrt ... Diese Villa war der Mittelpunkt einer durch Kunst und Natur zum reizendsten Aufenthalt bestimmten Schöpfung ... Die Villa Torresani lag auf Bergabhängen hingehaucht wie im tändelnden Musenspiel ... Alles an ihr war leicht , zierlich und gleichsam ohne Mühe geschaffen ... Die Treppenaufgänge waren in ihren Geländern mit zierlichster Symmetrie durchbrochen , auf ihren Wangen mit Statuen , Aloë- und Cactustöpfen geschmückt ... Wo sich bei jeder neuen Etage die Treppe zwiefach theilte , plätscherten Springbrunnen oder muschelblasende Tritonen ... Oben auf der gekieselten Plateforme erhob sich ein Bau voll Pracht und Schönheit , in zwei Stockwerken , verschwenderisch geziert von Säulen , Nischen , Statuen , abgeschlossen hoch oben von einer Attika , deren vier Ecken freischwebende Marmorbilder begrenzten ... Eine silberweiße Herrlichkeit war es , weithin leuchtend aus einem dunkeln Boschetto von Lorberhecken und urmächtigen Eichen ... Hier rauschten die Wasser , dort sangen die Vögel , summten die Käfer ... Weit hinaus zur Ebene verfolgte das Auge die gelblichen Fernsichten herbstlicher Stoppelfelder ; sie milderten sich durch die quer hindurchlaufenden Weingehänge und die breitastigen , nicht ängstlich beschnittenen Pappeln ... In der Ferne erhob sich Rom , die Peterskuppel , sie , der immer hocherhobene Finger , der die Welt aus dem Erdendunst gen Himmel weisen soll ... Wer aber schweift hinaus bei so beglückender Nähe ! ... Hier waltete die Kunst und die in ihren Weihemomenten überraschte Natur ... Durch die zur Erde gehenden Fenster des Palastes sah man die an den Capitälen bronzirten schwarzen Marmorsäulen eines großen Speisesaals mit dem weißschwarzen Marmorgetäfel des Fußbodens ... Nach hinten empfingen die Schlaf-und Siestenzimmer die Kühle einer angrenzenden Cypressengruppe , den Duft des zur Berglehne reichenden Blumengartens , in dem die Pflanzen eines noch tieferen Südens im Winter durch Glasdächer geschützt wurden ... Dort reiften Bananen ... Dicht am Fenster , wo Olympia schlief , hauchte eine Gruppe Gardenien aus ihren weißen ,