. Dieser Trieb verband sich mit dem behaglichen Gefühl seiner sorglosen Lebenslage , seiner reichlichen Mittel , vorzugsweise dann freilich auch - mit dem ungewissen Halt seiner eigenen Bildung . Sah er kluge Leute von einer Sache interessirt , so war er selbst klug genug , ihren Meinungen » vollständig Rechnung zu tragen « ... Italien und Rom » waren nun einmal da « ... Die Interessen dieses » überhitzten und in einem südlichen Klima gelegenen Landes « waren ebenso abzuwarten , wie der Hemmschuh des Vetturins ... Vollends war » die Guillotine kein Spaß « ... Thiebold besaß jene seltene Toleranz , die eine fremde Welt um so mehr achtet , je weniger sie davon versteht ... Nur schade , daß die Herzogin der » neuerfundenen Mischsprache « Thiebold ' s nicht immer folgen und so recht die Gegensätze und Natürlichkeiten genießen konnte , die in dieser empfänglichen Seele zu gleicher Zeit Platz hatten ... Die Nacht war herniedergestiegen ... Millionen Sterne funkelten am dunkeln Himmel ... Auf der Altane , auf die man nach dem Souper , dem sogar Champagner nicht fehlte , zurückkehrte , brannte eine Lampe ... Drei so traulich Verbundene saßen unter dem Duft der Blumen und in dem ganzen Zauber südlicher Natur , der sich selbst beim nächtlichen Gewirr der Städte nicht verliert ... Glocken läuteten ; die Luft , die nach dem Untergang der Sonne anfangs kühl geweht , hatte wieder ihre alte Weiche gewonnen ; die Lampe warf geheimnißvolle Reflexe in das tiefdunkle Grün der hohen Zierpflanzen und zog schwirrende kleine Käfer an , die in ihr eine lichtere Schlummerstätte zu finden glaubten , als die Orangen- und Granatenblüten , in deren Kelchen sie schon gebettet lagen ... So erliegen wir den Ausstrahlungen höherer Ziele , die ein Gesetz unserer schwachen , dem Irrthum unterworfenen Natur rastlos uns auch dann noch suchen läßt , wenn wir uns schon längst hätten genügen sollen ... Benno und die Mutter knüpften an die frühere , von Thiebold unterbrochene Stimmung an ... Thiebold konnte nun selbst das sagen , was eben Benno als seine Hülfe in der möglicherweise verhängnißvollen Wiederbegegnung mit Olympien hatte berichten wollen ... Ja - Armgart - ! seufzte Thiebold ... Wir lieben ein und dasselbe Mädchen , Hoheit , und längst hab ' ich entsagt zu Gunsten meines Freundes . Ich beanspruche nur noch bei ihm Pathenstelle ... Seine Großmuth lehnt nun freilich mein Opfer ab und darin hat er Recht : Der Gegenstand unserer Liebe neckte einen mit dem andern ... Diese Cigarrentasche , die von ihr ist - sehen Sie , Hoheit , diese so - mangelhafte Arbeit - deutet auf eine Berechtigung , das Andenken der Geliebten gleichsam zur Lebensgefährtin machen zu dürfen , während mein Freund einen Aschenbecher erhielt , ein Mobiliar , das sich nur in den vier Wänden benutzen läßt ... Er vergaß es in Robillante - ich hab ' s mitgebracht , lieber Freund - ... Andererseits könnte damit freilich das Princip der Häuslichkeit angedeutet sein ... Genug - » sei dem , wie ihm wolle « und wie sehr wir besorgen müssen , daß eine raffinirte Natur wie die des Ex-Paters Stanislaus mit Hülfe der so fanatisch lichtfreundlichen Aeltern uns beide aus dem Felde schlägt , ich habe meinem Freund als einzigen Ausweg aus dem Labyrinth seiner möglichen Verirrungen mit Fürstin Rucca den Ariadnefaden meiner eigenen Liebe zu ihr vorgeschlagen ... Die Herzogin begriff nicht ... Altezza ! Ich kenne überraschende Wirkungen der blonden Haare in Italien ! unterbrach Thiebold Benno ' s Erläuterung ... Ich habe haarsträubende Erfolge erlebt ! Ich werde noch mehr gewinnen , wenn ich Fortschritte in dieser verdammten - göttlichen Sprache mache , die mich beschämend genug an mein altes Latein - Secunda - erinnert ... Ich liebe die Fürstin Rucca bereits bis zur Narrheit ! Ich werde Benno ' s Erfolge paralysiren ... Die Herzogin fragte nach dem Sinn dieser Worte und fixirte den Sohn , den Thiebold nicht aufkommen ließ ... Es ist dies : Ich , ich liebe Gräfin Olympia Maldachini bereits aus dem Garten von Schönbrunn , schon aus der Menagerie im Prater ... Die Erzählungen über sie wirkten so auf mich , daß ihr die Wahl zwischen mir und Benno unmöglich werden soll ... Schon vor fünf Tagen sollt ' ich im Palazzo Rucca meine Karte und einen Empfehlungsbrief von Benno an den jungen Elefantenkämpfer abgegeben haben ... Nun ist es später geworden und der Fürst ist auf dem Lande ... Ich reise morgen in erster Frühe nach Villa Torresani , auch nach Villa Tibur , wo Lucinde wohnt , im Widerspruch mit allen , die sie verdammen , bekanntlich eine leidenschaftliche Neigung von mir ... Scherz bei Seite , Hoheit , die Schilderung der Persönlichkeit der Fürstin Olympia hat mehr , als meine Neugier erregt . Grüner Teint , blaue Haare , Wuchs bis Benno ' s Taille - ich werde Lucinden sofort Erklärungen machen und um die Vermittelung meiner Wünsche bitten . Ich mag diese kleinen Figuren ! Armgart ist auch nicht groß . Ich werde der Fürstin zeigen , was bei uns in Deutschland schwärmen heißt . Weiß ich dann auch , daß mich die spätere Ankunft Benno ' s , die ich in Aussicht stelle , aus dem Sattel heben wird , so werd ' ich doch sein Schicksal so lange durchkreuzen , aufhalten und nur über meine Leiche hinweg ihn zum Sieger über diese gebietende Göttin des Kirchenstaates werden lassen , daß darüber das Schicksal der Gebrüder Bandiera sich entschieden haben dürfte ... Ich weiß nicht , ob ich deutlich gewesen bin , Hoheit ? ... Die Mutter begriff halb und halb und sah lachend auf Benno , der eine abwehrende Miene machte ... O , fuhr Thiebold auf , ich weiß durchaus nicht , ob es nach genommener Verabredung ist , daß mich mein Freund Asselyn hier in unserm Plan durch ein ironisches Lächeln unterstützt ! ... In Robillante waren wir einig : Wir wagen uns beide in