Thiebold ' s Sprachkenntnissen , wol aber an seinem Gedächtniß ... Er hatte seine Rede italienisch gehalten und auswendig gelernt ... Die Ehren , die er der Herzogin ließ , waren ungefähr die , die er etwa in Deutschland einer regierenden Landesmutter von Braunschweig oder Nassau hätte erweisen müssen ... Die Herzogin reichte dem närrischen Signore Tebaldo die Hand und bat ihn , sogleich zum Souper zu bleiben ... Sie klingelte , ließ ihr kleines Mahl anrichten , trat am Arm Tebaldo ' s in ein Eßzimmer , wo die kleine Tafel sinnig geordnet war , und fand sich in ihn so gut , als hätte sie ihn seit Jahren gekannt ... Das Gefühl , in ihm einen Mitwisser des Geheimnisses zwischen ihr und Benno zu sehen , durfte sie nicht stören ; Signore Tebaldo war nur durch die ihm nicht geläufige Sprache und die Anwesenheit der Diener verhindert , sofort jeden » Zwang als bei ihm völlig überflüssig « zu bezeichnen und die » Sachlage « und die » vollendete Thatsache « und überhaupt alles auf » seine natürlichen Voraussetzungen zurückzuführen « ... Sein Sprachgemisch , zu dem sich als letzte Aushülfe Französisch gesellte , sein Benehmen gegen Benno , die Art , wie er die Terrasse » himmlisch « und » stellenweise die drei Treppen belohnend « fand , die Kritik des » kühlen Speisesaals « , die Leichtigkeit , mit der er seinen Stuhl ergriff und die entzückende Natur Italiens , selbst mit » radicaler Unerträglichkeit « solcher Strecken wie von Civita-Vecchia bis hierher , die Einfachheit der Sitten , die Frugalität der Soupers - » mit Ausnahmen « - anerkannte , Roms Trümmerwelt als einen » das Auge mehr oder weniger beleidigenden polizeilichen Skandal der Jahrhunderte « bezeichnete , alles das hatte etwas so Vertrauenerweckendes und über jede Schwierigkeit sogleich Hinwegsetzendes , daß die Herzogin nicht die mindeste Scheu vor ihm empfand ... Zwischen eine Erzählung über seine Reiseabenteuer von Robillante bis hierher und die ersten Erfahrungen in einem römischen Hotel , das er sofort verlassen hätte , weil der » erste Cameriere sich gegen ihn das Benehmen eines Ministers erlaubt hätte « , ließ er bei Abwesenheit der beiden Diener die kühn stilisirten Worte fallen : Altezza , anch ' io suon un ' filio perduto , ma ritrovato ! ... Auch ich hab ' nmal eine Mutter gehabt , die in einem Zeitalter gestorben ist , von dem ich mir nur noch eine dunkle Erinnerung bewahrt habe ! Jedoch an jedem Sterbetag der frühvollendeten Dulderin hab ' ich mit dem alten Mann , meinem Vater , eine Messe für sie lesen lassen und ging in die Kirche , was sonst meine Gewohnheit weniger ist ... Gott , das sind jetzt zwanzig Jahre her und oft hat mich schlechten Menschen diese Gewohnheit genirt . Aber ich that ' s um meines Vaters willen . So lang ' ich lebe und es noch Kirchen gibt , setz ' ich diese Gewohnheit fort an jedem vierzehnten October , Tag des heiligen Burkard , vorausgesetzt , daß unsere Kalender stimmen , Hoheit ! ... Ich bin nicht ganz so aufgeklärt , wie mein Freund da - Asselyn . Ich kann Ihnen , wenn Sie es wünschen , Herzogin , auf jede Hostie - selbst eine wunderthätige - beschwören , daß ich mir die Ehre , Mitwisser Ihres » übrigens längstgeahnten « Geheimnisses zu sein , durch eine Discretion verdienen werde , die Ihnen möglicherweise selbst auf die Länge peinlich werden dürfte ! ... Unglaublich ! Wirklich - der Kronsyndikus - ! Na , wissen Sie , Benno , wie wir damals bei dem Leichenbegängniß - ... Doch kein Wort ! ... In der Kunst , sich dumm zu stellen , hab ' ich die Vortheile voraus , die einem gemeinschaftlichen Freund von uns zugute kamen , der eines Tags die Entdeckung machte , daß durch systematisches Ignoriren sich am besten die Ignoranz verdecken läßt ! ... Bruto e muto ! ... So wahr wie - Marco ' s Kommen unterbrach einen , wie es schien , auf Haarsträubendes berechneten Schwur ... Die Herzogin verstand aus den französischen Beimischungen seiner Rede , was er andeuten wollte , und Benno küßte die Hand der Mutter - Thiebold bat um die gleiche Gunst ... Die Glückliche saß , wie sie sagte , wie die Perle im Golde ... Marco schien ihr alles das von Herzen zu gönnen ... Er sah auf nichts , als auf die Leistungen seiner Kochkunst ... Die trauervollste , ernsteste Stimmung mußte durch Thiebold de Jonge immer mehr gemildert werden ... Thiebold erzählte , bald italienisch , bald deutsch , bald französisch und noch öfter Benno zum Uebersetzen veranlassend , von einem aus Paris von Pitern vorgefundenen Brief ... Er verbreitete schon damit über die Züge der Herzogin den Ausdruck einer Heiterkeit , die sie seit Jahren nicht gekannt hatte ... Thiebold ' s Humor hatte die seltene Eigenschaft , beim Scherz dem etwaigen Ernst , der eingehalten werden mußte , nicht im mindesten seine Würde zu nehmen ... Jede vom ab- und zugehenden Marco und seinem Genossen , der eine stattliche Livree trug , gelassene Pause , benutzte er , die Saiten zu berühren , die in Benno ' s Innern zu mächtig nachbebten ... Wie wuchs die Verehrung vor ihrem Sohn , als die Mutter sah , daß Benno solche Freunde gewinnen konnte ... Thiebold äußerte in noch verstärkterem Grade die Besorgniß , die Benno über das Schicksal der beiden Männer hatte , die ihm so werth geworden ... Er theilte » unbekannterweise « ganz diese Sympathie für die Gebrüder Bandiera - ohne allen Neid ... Er sah eine Sorge im Gemüth des Freundes und suchte ihr abzuhelfen ; das war ihm Aufgabe genug ... Ohne selbst Politik zu treiben , konnte er sich » dergleichen Wahngebilde von einem fremden Standpunkt aus vollständig erklären « ... Es war der immer gleiche Trieb der Gefälligkeit , der in Thiebold ' s Herzen so freundliche Wirkungen hervorbrachte