daß Otto von Dystra die gegenwärtige ideelle Stellung seines Jugendfreundes nicht kannte ... Vom Beten , bemerkte Rudhard , mag damals doch wol nicht viel geworden sein , soviel Breviere die Ritter auch in ihrem Sattelzeuge versteckt haben mochten . Die Templer sind als übermüthige Kumpane im ganzen Mittelalter verschrieen gewesen und das Sprichwort ging überall : Er trinkt , wie ein Templer ! Diese rationell-kritische Bemerkung streifte natürlich den Duft sehr von den Erinnerungen ab , auf die General Voland mit besondrer Vorliebe einging . Ausnahmen ! sagte er , den dunkelschwarzen Kaffee schlürfend . Späterer Verfall ! Unter den Johannitern schlummerte leider der große welthistorische Zweck dieses Ordens immer mehr ein und zur Zeit der Reformation waren seine Besitzungen nur eine Beute der Habgier und Gewissenlosigkeit von Seiten der untreuen Ritter selbst . Ihr Ahn , Hugo von Wildungen nur , blieb mannhaft und stät ... Wir sind hier in der Stadt Rom , bemerkte Dystra , der die Genealogie der Wildungen ' schen Ansprüche nun kannte . Stocken Sie nicht , Voland ! Man darf hier Das scheinen , was man ist . Die Weine des Hotels schienen auf ein gewisses Negligé der Verhältnisse und Äußerungen gewirkt zu haben . Doch nicht Jesuit ? sagte Rudhard gereizt . Ich gönne unsern Freunden Dankmar und Siegbert alle Schätze dieser alten Verlassenschaft aus dumpfen und geistesunfreien Zeiten , aber im Grunde stammen Ihre Ansprüche von der jesuitischen Pfiffigkeit her , daß Rom sagte : Hugo von Wildungen hat mannhaft und stät gehandelt , wie der Herr General sagen , allein die Klugheit gebeut , in partibus infidelium , unter den Ketzern , festen Fuß zu behalten . Wir dispensiren ihn von dem Ordensgelübde persönlichen Nichtsbesitzes und gestatten ihm , sein Theil zu nehmen , wie die andern Räuber auch . Ritter Rochus , der im Cigarrendampf sich etwas unbehaglich fühlte , horchte auf . Dieser Erguß sprach seine Ansicht aus , er kam ihm nur etwas zu scharf stylisirt vor . Er war solcher Derbheiten im Urtheilen entwöhnt und hatte sie früher nur als Gelehrter oder in Korrespondenzen an Zeitschriften gekannt . Ich bezweifle , sagte General Voland mit der ihm eignen Ruhe , daß diese Licenz des päpstlichen Stuhles eine jesuitische Einflüsterung war . Ich bezweifle es nicht , sagte Rudhard mit Nachdruck ; aber der General erwiderte : Mein Grund ist der , daß jene Licenz des Komthurs Hugo von Wildungen aus dem Jahre 1539 stammt , die Bulle aber , die den Orden der Jesuiten bestätigte , vom Jahre 1540 herrührt , dem 27. September 1540 . Dankmar staunte theils über die Bekanntschaft mit seinen Angelegenheiten , theils über des Generals vielseitigste Kenntnisse , und Dystra mußte über diese treffende Widerlegung lachen . Er bat den Pfarrer , sich mit dem General , der sehr wenig gegessen hatte , an dem Brete mit Dessertweinen zu versöhnen , das eben Spartakus voll kleiner geschliffener Gläser servirte und damit den ganzen Beifall des Ritters Rochus fand , der über Weine und Süßigkeiten so scharfsinnig sprechen konnte wie ein Philolog über verschiedene Lesarten . Rudhard war aber in seinem Fahrwasser . In solchen Ideengängen gab er sich nicht zufrieden und stieß mit Niemand gleich versöhnt an . Er behauptete , es hätte Jesuiten gegeben , lange vor der förmlichen Anerkennung des Ordens . Der Jesuitengeist , sagte er sogar mit Paradoxie , ist älter als Loyola . Hildebrand und Innocenz waren schon Jesuiten ... Wenn Sie es so meinen , Herr Pfarrer , bemerkte der Chevalier vom Westen , so haben Sie Recht . Geben Sie nach , Herr General ! Bei einem Glase so vortrefflichen Curaçao kann man die Jesuiten nur deshalb leben lassen , weil sie sich um die Bodenkultur Amerikas verdient machten . Der General war aber in seinem Vortheil . Siegreich wie ein Wörterbuch , majestätisch wie ein Conversations-Lexikon , äußerte er Folgendes : Loyola nahm die Idee der geistlichen Ritterorden wieder auf , aber in andrer Gestalt . Er wollte mit den Waffen des Geistes kämpfen . Der Geist jener Zeiten war der Glaube . Loyola , selbst Soldat , von unbestrittner Tapferkeit , ist - ich theile seinen Fanatismus sonst nicht , ob ich gleich Katholik bin - Loyola ist deshalb ein so merkwürdiger Mensch , weil er im Stande war , als Krieger die Macht der geistigen Waffen anzuerkennen . Es verräth viel Einsicht , daß er fühlte , wie sehr das Ritterthum der Waffen im Abnehmen war . Er ahnte schon das Schicksal des Don Quixote , den Cervantes zum letzten Ritter des Mittelalters machte , und zog für sich ganz allein nach dem gelobten Lande , um die Türken nicht mit dem Schwerte , sondern durch den Glauben zu bekehren . Er war ein Kreuzfahrer auf eigne Hand . Als er sich natürlich überzeugt hatte , daß es ihm unmöglich war , einen Türken zu bekehren ( aus Rücksicht auf unsre Bedienung , sagen Sie wol nicht : Einen Mohren weiß zu waschen ? schaltete der Chevalier unruhig ein und setzte seinen Curaçao auf den Tisch zurück ) , kehrte Ignaz nach Europa zurück und beschloß , das Kreuz unter den Christen selbst zu predigen . Die inzwischen eingetretene Reformation bot ihm für diese eigenthümliche Auffassung der Kreuzzüge - später haben die Freimaurer sehr geistlos dieses nach innen gewandte Tempelbauen und Tempelpflegen nachgeäfft - bot ihm , sag ' ich ... Rudhard biß sich auf die Lippen und räusperte sich . Ich sage , fuhr der General fort , später bot ihm die Reformation ein günstiges Schlachtfeld und wiederum ehrte es den Krieger , daß er geistige Waffen vorzog - Gift und Dolch ! schaltete Rudhard heftig ein . Voland ließ sich nicht aus seiner Ruhe bringen . Nennen Sie Das Gift und Dolch , sagte er , daß Ignaz , ein drei und dreißig Jahre alter Soldat , in Barcelona sich in eine kleine Knabenschule setzte , unter Kindern ein Fibelschütz wurde und lateinisch lernen wollte ? Ignaz zog