Reise , nötig oder nicht , vorläufig wenigstens zurücktreten mußte ; dringendste Geschäfte forderten tagtäglich Erledigung , und die Reihe jener Aufregungen und Ärgernisse begann , die von Gutsübernahmen und Erbschaftsauseinandersetzungen unzertrennlich zu sein pflegen , und wovon das , was einige Jahre vorher in Lützburg gespielt hatte , nur ein Vorgeschmack gewesen war . Endlich aber war alles geregelt , und der jetzt im Besitz einer großen Doppelherrschaft , einer ostfriesischen und einer märkischen , stehende Freiherr hätte sich füglich auf der Höhe des Lebens fühlen müssen . Aber er stand nur angesichts des Todes , und als es das Jahr darauf , im Sommer 1789 , kein Geheimnis mehr war , wie schlecht es stehe , traf , neben anderen Besuchern , auch sein Bruder Edzard auf dem Hoppenrader Schloß ein , um den schwer krank Darniederliegenden noch einmal zu sehen . Edzard war erschüttert von dem Anblick und schrieb tags darauf in die Heimat : » Ich fand ihn sehr verändert und konnte ihn kaum noch verstehen , weil auch seine Sprachorgane gelitten haben . Außerdem aber haben seine langen und heftigen Schmerzen im Kopf , dazu seine Schlaflosigkeit und der beständige Opiumgebrauch , auf seine Seelenkräfte merklich eingewirkt und jenen hellen und glänzenden Verstand eingeschränkt , mit Hilfe dessen er sonst die schwersten Begriffe zu ordnen und überhaupt im Umgange mit der Welt so hervorragend zu gefallen wußte . Er hat nun oft Mühe , seine Gedanken so zu fügen , wie sie sich , seinem Wunsche nach , wohl fügen sollten , und gerät darüber in solchen Unmut , daß er es mehrmals vorzog , mitten im Sprechen abzubrechen . Ich habe wenig Hoffnung auf seine Wiederherstellung . « In der Tat , eine solche Wiederherstellung war unmöglich ; aber eine lange Leidenszeit war ihm doch nichtsdestoweniger noch vorbehalten . Er wurde sehr bald nach diesem Besuch , einer vorzunehmenden Operation halber , von Hoppenrade nach Berlin geschafft , indessen stand man hier von einem chirurgischen Einschreiten ab , als man das Übel in seiner Unheilbarkeit erkannt hatte . Es war Knochenfraß und Drüsenverhärtung . So konnt ' es sich nur noch um beständige Linderungen handeln . Er bekam Laudanum und Moschus . öfters wurden die Wohnungen gewechselt , um ihn wenigstens nach Möglichkeit vor Straßenlärm zu schützen . Aber all das ergab nur ein Hinfristen . Er war so elend , daß selbst kein Fieber mehr eintrat , und am 25. Dezember 1789 entschlief er und wurde die Woche darauf im Krautschen Erbbegräbnis in der Nikolaikirche beigesetzt . Auch hinsichtlich seines Charakters , genau so wie hinsichtlich der Charaktere seiner Schwiegereltern , also des Hofmarschalls von Kraut und der Gemahlin desselben , der späteren Madame de Verelst , gehen die zeitgenössischen Aufzeichnungen auseinander . Thiébault erwähnt des Barons mehrfach . » Unter den dem Prinzen Heinrich am aufrichtigsten ergebenen Personen « , so schreibt er , » befanden sich auch zwei Barone Knyphausen , von denen der eine , Baron Dodo von Knyphausen , längere Zeit preußischer Gesandter in Paris und dann in London gewesen war . Er führte den Beinamen › der große Knyphausen ‹ oder › der alte ‹ zur Unterscheidung von einem jüngeren Träger desselben illustren Namens , der einer der Kavaliere des Rheinsberger Hofes war und › le beau Knyphausen ‹ hieß . Er hatte nicht nur den frischesten Teint und das feingeschnittenste Profil , sondern war überhaupt von einer apollonischen Schönheit ; nur schade , daß ein kaltes , stolzes und etwas steifleinenes Wesen ( peu compassé ) seine große Schönheit wieder in Frage stellte . « Dieser » le beau Knyphausen « ist der unsrige . Thiébaults Worte lauten nicht allzu günstig , und der als » kalt und stolz « Bezeichnete wird unmaßgeblich seine Schwächen und Fehler gehabt haben , vielleicht sogar solche , die sich in der Gesellschaft sehr fühlbar machten . Andererseits ist es unmöglich , seine Briefe zu lesen , ohne von der Überzeugung erfüllt zu werden , daß er dem ganzen Rest der in dieser Tragikomödie mitspielenden Personen , Elliot an der Spitze , sehr überlegen war . Und so werden denn auch die von seinem Bruder in der Lützburger Chronik über ihn geschriebenen Zeilen sehr wahrscheinlich das Richtige treffen . Sie lauten : » Er war wie von einer vorzüglichen körperlichen Schönheit , so ganz besonders auch von einem hervorragenden und mit allerlei Kenntnissen und Fähigkeiten ausgestatteten Verstande . Reisen und langer Umgang an Höfen hatten ihm die feinsten Umgangsformen gegeben , die den Verkehr mit ihm , wenigstens bis zum Eintritt seiner Krankheit , ungemein angenehm und anziehend machten « . Im Einklange hiermit ist das , was sich im Hoppenrader Kirchenbuche ( das übrigens , abweichend von der Lützburger Chronik , den 1. Januar 1790 als seinen Todestag angibt ) über ihn aufgezeichnet findet . Es heißt daselbst wörtlich : » Am 1. Januar 1790 starb in Berlin Herr Georg Freyherr von Inn und Knyphausen , Majoratsherr der Herrschaft Knyphausen in Ostfriesland , Herr auf Hoppenrade , Loewenberg , Teschendorf , Grüneberg . Er verfiel vor zwei Jahren in schwere Krankheit , von der wieder zu genesen ihm nicht beschieden war . Er war ein vernünftiger und menschenfreundlicher Herr . Wenn ihm Gott das Leben und Gesundheit geschenkt hätte , würd ' er viel Gutes auf den hiesigen Gütern gestiftet haben . « Ebenso günstig beurteilt ihn sein späterer Schwiegersohn von Wülknitz , der , bei den zahlreichen und andauernd von ihm geführten Prozessen ( ich komme darauf zurück ) , aus einem intensiven Aktenstudium der Knyphausenschen Zeit all sein Lebtag nicht herausgekommen ist . Wülknitz schreibt über Knyphausen : » Er war ein tüchtiger , umsichtiger und charakterfester Mann , in betreff dessen es lebhaft zu bedauern bleibt , daß der Tod ihn so frühzeitig abrief . « Alle ruhig Urteilenden sprechen in ähnlicher Weise für ihn . Zum Schluß erübrigt nur noch ein Wort über seine Duellaffäre mit Elliot . Ich habe bereits hervorgehoben , und Knyphausen bestätigt