nur einem von jenem Eremiten ihm ertheilten Auftrag unterzogen und stünde noch jetzt mit ihm in Verbindung ... Die Herzogin hörte nichts mehr ... Sie war zu erfüllt von der einzigen Nothwendigkeit , daß Benno zu Olympien müßte ... Sie blieb bei ihrem Wort : Olympia läßt von allen , wenn du erscheinst ! ... Du bleibst der Sieger ! ... Wenn sich Benno im Lauf dieser Ermunterungen und Versicherungen allmählich scheinbar für überwunden erklärte , ja sogar dem Ernst seiner Mienen einige Streiflichter des Scherzes folgen ließ , so war ein Gedankengang daran schuld , den die Mutter nicht sofort verstehen konnte ... Er sagte , mit dem Kopf nickend : Bin ich nicht glücklich ? ... Ich habe eine Mutter , die mich verzieht und mir gegen alles Verdienst schmeichelt ; einen Bruder , der mir bei Torlonia einen Creditbrief offen hält , von dem ich dir die Pension Ceccone ' s verdoppeln zu können hoffe ; einen Oheim , der mich und Bonaventura zu seinen Erben macht , wenn auch Frau von Gülpen bis an ihr Lebensende , die Nutznießung seines Vermögens behält ; dann hab ' ich in meinem jungen Leben schon vier wahre Freunde gefunden , Bonaventura , Thiebold , Attilio , Aemilio ... Nun höre noch dies , Mutter ! Ich wollte nicht übermüthig sein ... Ich wollte mich in die Strudel des Wiedersehens der jungen Fürstin mit Vorsicht wagen ... Hatten wir Stunden der Trauer zu erwarten , mein Freund Thiebold de Jonge sollte uns Erheiterung bringen ... Das Idol seines Herzens - schon einmal hat er es mir geopfert ... Und auch jetzt wollte er meinem Gewissen einen tapfern Beistand leisten ... Mit einer Gemüthsruhe , die nur verständlich ist , wenn man die persönliche Bekanntschaft dieses närrischen Menschen gemacht hat , sprach er , als er meinen Kampf und die Furcht sahe , mich nach Rom zu begeben : Bester Freund - - ... Noch hatte Benno das Lieblingswort Thiebold ' s : » Ich kann mich vollkommen auf Ihren Standpunkt versetzen « nicht ausgesprochen , als es draußen heftig klingelte ... Wer stört uns ! rief die Herzogin , stand auf und wollte Befehle geben , die sie für niemand anwesend sein ließen ... Schon aber klingelte es zum zweiten mal ... Mutter , sagte Benno , das kann nur mein stürmischer Freund sein ! An dieser kurzen Pause zwischen dem ersten und zweiten Klingeln erkenn ' ich Thiebold ... Gegen alle Verabredung hat er sich verspätet ... Ich ging zu Land , er den kurzen Weg über Genua zu Wasser - ... Man hörte die laute Stimme eines radebrechenden Fremden , der nach » Ihrer Hoheit der Herzogin von Amarillas « verlangte ... Er ist es ! sagte Benno ... Ich bin wenigstens froh , daß er noch am Leben ist ! ... Die Mutter wußte , daß der alte Marco die Gewohnheit hatte , vertraute Gespräche seiner Gebieterin nicht zu unterbrechen ... Sie wußte , daß er solche Störungen mit völlig unklarem Bewußtsein , ob Altezza zu Hause wäre oder nicht , zu beantworten pflegte ... So kam er auch jetzt mit einer fragenden Miene ... Aber kaum sah er : Willkommen ! im Antlitz seiner Gebieterin , so war er auch schon wieder draußen und mit den heitersten Scherzen hörbar ... Die gute Laune kam wieder , da er sah , es fing um seine Gebieterin an lebhafter zu werden ... Thiebold de Jonge trat ein ... Er sah aus wie ein Räuberhauptmann ... Nur mit dem Unterschied , daß dieser einmal gelegentlich , etwa zum Behuf einer ihm von Aerzten vorgeschriebenen Badereise , eine elegantere Toilette gemacht hat ... Sonst konnte er von seiner » Verwilderung kein Hehl machen « ... Die Gesichtsfarbe war braun » wie ein kupferner Kessel « ... Sein Bart wie die Mähne eines Löwen ... Sonst trug er sich vom Kopf bis zum Fuß in Nankingstoffen ... Auf dem weißausgelegten Hemd von bielefelder Leinwand blitzte eine Brustnadel von Diamanten , die abends jedem Räuber eine Aufforderung zu einem kühnen Griff erscheinen durfte ... Weste , Pantalons , gefirnißte Stiefel , alles war von jener Fashion , die dem Modejournal und den heimatlichen Gewohnheiten entsprach ... Mindestens glich er bei alledem doch einem » Schiffscapitän , der zweimal die Linie passirte « ... Mit einem Gemisch von Worten , das wahrscheinlich bedeutete : » Ich muß tausendmal um Entschuldigung bitten , Frau Herzogin ! « kam er über die Schwelle des Salons gestolpert ... » Noch taumelte das kaum verlassene Schiff mit ihm « ... An seinem Strohhut , den er , wie er Benno zuraunte , » in erster Verlegenheit « zerdrückte , flatterten zwei rothe Bänder , wie am Hut eines Matrosen ... Seine Corpulenz hatte zugenommen ... Bei alledem war er anziehend und für Italien als Blondin doppelt interessant ... Seinen Freund Benno noch in der Hauptsache ignorirend , radebreche er , immer zur Herzogin gewandt , daß er eben angekommen wäre und seinen Freund aufgesucht und dessen Spur bei Piazza Sciarra und endlich auf dem Monte Pincio aufgefunden hätte ... Bitte , Hoheit , ich bin nur da , um ihm meine Adresse , die auf ein vis à vis seiner Wohnung lautet , zu bringen oder etwa eine Verabredung für morgen zu treffen oder falls Hoheit heute Abend noch Befehle hätten , sie auszuführen - Ich werde überhaupt in Rom lieber Eurer Hoheit , als einem Menschen folgen , der mir den Weg über Genua angerathen hatte , ohne zu wissen , daß die Dampfschiffe von Genua nicht auf Passagiere warten , die sich von wunderbaren Kaffeehäusern und Hotels in Nizza und Genua nicht gut trennen können ... So bin ich aus Zerstreuung in Genua sitzen geblieben und wider Verabredung um fünf Tage zu spät gekommen , hoffe indessen , daß der von meinem Freunde beabsichtigte Feldzug auch ohne die Tranchéen , die ich - ... Dies schwierige Bild aus der Kriegstaktik auszuführen scheiterte nicht gerade an