etwas Heitres äußerte , bewegten sich die Flächen um die Mundwinkel nicht im Mindesten in jene mephistophelischen Falten hinüber , die oft die gutmüthigsten Menschen satyrischer erscheinen lassen , als ihr Herz denkt . Man kann nicht sagen , daß der General nur etwas Unheimliches hatte . Im Gegentheil flößte sein beobachtendes Wesen Vertrauen ein , er war zuvorkommend , ohne zudringlich zu erscheinen ; er wollte gewinnen und gewann oft . Nur in den Augen lag eine unheimliche Glut und das hochaufgebäumte wirre Haar gab ihm etwas Ängstliches . Er bewegte sich in der Uniform , die neu und sehr geschmackvoll war , mit etwas beklommener Haltung . Man sah ihm an , daß er nur durch Zufall , nicht aus besondrer Leidenschaft Militär war und daß er sich im Frack , den er auf seinen vielen offnen und geheimen Missionen trug , freier bewegte . In bürgerlicher Kleidung mußte General Voland noch einen bedeutenderen Eindruck machen . Dankmar , Louis und Rudhard wußten , daß der General , der zufälligerweise Katholik war , in dem Rufe stand , der Hierarchie Vorschub zu leisten und eine große Vorliebe für das Mittelalter zu hegen . Er war der Erzieher des jungen Königs gewesen und hatte wohl verstanden , ihm jene träumerische Richtung und jene Neigung zu aparten Liebhabereien einzuflößen , durch welche man Zeitlebens einen einmal auf so hohe Herrschaften errungenen Einfluß auch dauernd behaupten kann . Der König sammelte schon als Kind Käfer und Schmetterlinge , als Jüngling Siegel und Wappen , als Fürst Münzen , Waffen , Urkunden , Manuscripte , Glasmalereien . Gab es keine politischen Meinungen auszutauschen , so tauschte man alte Siegel und Gemälde aus . Jedes Ministerium , das mit Verzweiflung seine Maßnahmen von dem Spiritus familiaris der » kleinen Cirkel « durchkreuzt sah , war in seinen Vorwürfen und Anklagen dadurch widerlegt , daß der General Voland mit dem Könige ja nur über wissenschaftliche und künstlerische Zwecke korrespondire . Schon oft war es geschehen , daß eine Berechnung des Generals nicht zutraf , seine politischen Rathschläge Mistrauen erregten ; eine streng lutherische Partei , die immer daran Anstoß nahm , daß man einen Katholiken so nahe an die Person des Monarchen herantreten ließ , unterließ niemals , jede Blöße , die sich der allweise und allberechnende Rathgeber doch oft genug gab , schonungslos aufzudecken ( und in früheren Jahren that dies Niemand rücksichtsloser als Propst Gelbsattel ) , allein der General war nicht zu entfernen ; denn wer durfte dem Fürsten zumuthen , seine kleinen Neigungen und harmlosen Studien aufzugeben ? Voland reiste auch wohl , wenn ihm irgend eine Berechnung misglückt war , auf irgend einen außerordentlichen Botschafterposten oder mit einem militärischen Auftrag , den man ihm nach Außen hin gab , allein wer konnte hindern , daß er ein altes Breviarium fand mit schönen Miniaturen , das er der Königin schickte oder an den König selbst ein paar alterthümliche eiserne Sporen , deren der König nicht genug sammeln konnte ? So erhielt sich immer der vertraulichste Verkehr . General Voland war niemals abgenutzt und bei allen seinen gescheiterten Plänen und Rathschlägen immer neu , immer interessant , immer dem Hofe nach tiefster Neigung willkommen . Ritter Rochus vom Westen , eine glatte Salonfigur , mit reizbar beweglichen Mienen , stechenden Augen verschwand neben dem General , der seit einiger Zeit über den allgemeinen Weltbrand grübelte . Man konnte beide berühmte Männer so unterscheiden : Jeder glaubte an den Untergang aller Dinge ; aber Voland durch Feuer und Ritter Rochus durch Wasser . Der mystische Krieger war in dieser Art Vulkanist , der skeptische Diplomat Neptunist . Après moi l ' enfer ! sagte der Eine . Après moi le déluge ! der Andre . Die genauere Angabe , in wiefern Dankmar hoffen könne , von der Stadt eine so gewaltige Summe , wie Voland eben gesagt , zu gewinnen , führte den General gleich mitten auf ein Terrain , wo er heimisch war und wo ihm Niemand gleichkommen konnte . Er hatte die genaueste Kenntniß über den Dystra so überraschenden Wildungen ' schen Prozeß und schien sogar die Akten zu kennen , ohne dies jedoch einzugestehen . Er besaß die Gabe einer fließenden Darstellung und war mit einem milden wohltönenden Organe ausgestattet . Man hörte ihn gern reden . Er sprach ohne Leidenschaft , immer anregend und aus der Fülle der Thatsachen heraus , die ihm wie Keinem zu Gebote standen . Er sprach sogleich über die Templerei und die Johanniter wie ein Eingeweihter und veranlaßte seinen Jugendfreund Otto von Dystra , mit dem er zusammen in der Schweiz ( nicht bei den Jesuiten , sondern in Hofwyl bei Fellenberg ) erzogen war , zu der Frage : So wäre wol auch bei dem königlichen Schlosse Buchau im Westen die alte Ruine , der Tempelstein genannt , im Zusammenhang mit ... Der Tempelstein ist eine alte Kommende des im Jahre 1310 in Deutschland de jure , aber nicht de facto aufgehobenen Tempelherrenordens , begann der General sogleich im sichersten Vollgefühl der Thatsachen . Jener Tempelstein diente mehr der ritterlichen Bestimmung des Ordens , während die an seinem Rücken gelegenen Trümmer einer Abtei angehörten , an die sich die kirchliche Bestimmung desselben schloß . Der Tempelstein lieferte die zahlreichsten Contingente nach dem gelobten Lande und entsprach in dem im Ganzen schon damals geistig trägen westlichen Theile Deutschlands noch am Meisten der Bestimmung der Tempelhöfe , nämlich nur Werbeplätze zu sein für die Kreuzzüge . Da sollte die Trommel mit der Predigt , das Exercitium auf dem Waffenplatz mit der Messe abwechseln ... Der Ritter Rochus lachte über die beginnende Salbung des Vortrags und die Fährte der Ideen , in die hier der General gerieth ... Ganz so wie manche fromme Generäle es jetzt bei Euch hier halten wollen , bemerkte Otto von Dystra zu nicht geringem Erstaunen des fein lächelnden Dankmar , der entweder bei ihrem sonst so freundlichen Wirthe eine offenbare satyrische Absicht auf den General voraussetzte oder annehmen mußte ,