warf die Glasthür zu ... Als sie mit Benno auf der Altane abgeschlossen war , warf sie sich ihm wiederum mit Ungestüm an die Brust ... Ich Olympien zürnen ! sprach sie . Nimmermehr ! Wenn du ihrer bedarfst , so hab ' ich nichts von ihr erduldet ! Laß sie mich mit Füßen getreten haben - wenn sie dich nur liebt , wenn sie deinen Wünschen nur Erhörung gibt - Jesu Maria , nur diese Söhne Italiens vor dem Henkersschwert bewahrt ... Benno stand gedankenverloren ... Die Mutter fuhr fort : Ich weiß es , Ceccone brütet furchtbare Dinge ... Er muß es thun ... Fefelotti , das Al Gesù , der Staatskanzler , seine eigene Liebe zur Macht treiben ihn dazu ... Aber - sei ruhig , mein Sohn ! ... Laß Olympien in deinen Armen ruhen ! Laß sie die Hände zu deinem stolzen Nacken erheben ... O sie sind zart , diese Hände ... Sie mordeten - nur Lämmer ... Olympia ist ein Kind ! Noch jetzt ! Noch jetzt ! ... Vielleicht , daß du , du sie zum Guten erziehst ! Vielleicht , daß du mit deinem Liebeskuß das Eis ihres Herzens aufthaust ! ... Sie kann schön sein , wenn sie liebt ! sagt ' ich dir schon in Wien ... Sie kann vielleicht auch gut sein , wenn sie liebt ! ... Mein Sohn , habe Muth , vertraue ! Wir Frauen sind alles , was ihr aus uns macht ! ... Fliege hin zu ihr , höre das Jauchzen ihrer gestillten Sehnsucht , fühle die Glut ihrer Zärtlichkeit , sei , sei , was sie will - ! ... Es ist zu spät - ! erwiderte Benno ... Um meinetwillen zu spät ? fuhr die Mutter fort und raunte ihm ins Ohr : Ich beschwöre dich ... Ich habe dich hier nie als einen Rächer für mich erwartet ... Pah ! Attilio Bandiera hat Recht : Was sind unsere Personen ! ... Das Vaterland ist die Losung ... Sollen diese Jünglinge , deine Freunde , die Hoffnungen Italiens verderben - ? ... Nimmermehr ! ... Ein Kuß von deinem Munde und Olympia zerreißt alle Todesurtheile ! ... Benno strich sich das Haar in wildester Erregung ... Seine Augen glühten ... Seine Brust hob sich ... Der Raum der Altane war zu eng für das mächtige Ausschreiten seines Fußes ... Ist es denn aber auch gewiß , fragte die Mutter leise , gewiß , daß diese Invasion bevorsteht ? ... Die Küste der Adria ist reif zum Aufstand ! flüsterte Benno ... Die Zollbedrückungen Rucca ' s sollen unerträglich sein ... Die achtbarsten Kaufleute arbeiten der Insurrection in die Hände ... Und hier in Rom - Zwölf Logen gibt es hier ! ... fiel die Mutter ein ... Benno schwieg ... Er schien mehr zu wissen , als er sagte ... Die Brüder Bandiera , fuhr die Mutter fort , sind , wenn ihr Beginnen scheitert und sie nicht fallen oder entfliehen können , nicht anders vorm Tode zu retten , als durch Olympia ... Ich weiß es , selbst die Hand des Heiligen Vaters scheut das Blut der Rache nicht mehr für die , die die dreifache Krone antasten - Auch das zweischneidige Schwert Petri ist gezückt - Laß alles ! Geh ' zu dem jungen Rucca ! Verständige dich mit deinen wiener Freunden - Auch mit Lucinden ! Kenne mich nicht mehr in Rom ! ... Ich verlange es ! ... Benno stand , immer in dumpfes Brüten verloren ... Ich verlange es ! wiederholte die Mutter ... Weiß ich dich nur in meiner Nähe ! Kann ich deine Stirn nur zuweilen küssen ! ... Laß mich , mein Sohn - Du fühlst wie ein Sohn meines Landes ! Das macht mich allein schon glücklich ! Benno - Soll ich so dich nicht lieber nennen - nicht Cäsar ? ... Wage du dich nicht selbst an Dinge , die mich um das Glück deiner Liebe bringen müssen ... Oder - doch ? ... Thu , wie du mußt ! Nur geh ' morgen zum jungen Rucca , den du - in Wien vorm Tode durch einen Elefanten rettetest ... Dein Name , dein Anblick wird Wunder wirken ... Ich kenne Olympiens verzehrende Sehnsucht ... Nach den Begriffen des italienischen Volks ist Größe der Empfindung mit List vollkommen vereinbar ... Wie ihr mir , so ich euch ! lautet die Moral des Südens ... Die Herzogin schilderte die Lächerlichkeit des jungen Ercolano Rucca , sein Prahlen mit jenem Angriff eines Elefanten auf ihn , die Sehnsucht , die er noch immer nach dem Bestätiger seines Muthes ausspräche , seine Sorglosigkeit Olympien gegenüber , die bald über sie gekommene Langeweile , die sie vorläufig im Gebirge in Reformen der Ackerwirthschaft austobe ... Zwar wäre sie auf die Grille gekommen , den ehemaligen Pater Vincente , von dem ich dir in Wien schon erzählte , sagte sie ; zum Cardinal zu erheben und ihn jetzt wie ihre Puppe zu behandeln , die sie schmückt ... Aber dein erster Gruß löscht alle diese Flammen aus - ... Im Lauf der sich überstürzenden Schmeichel- und Ermuthigungsreden der Mutter bemerkte Benno : Von diesem Vincente Ambrosi hab ' ich in Robillante seltsame Dinge gehört ... Jener Eremit von Castellungo bekannte sich zu den Lehren der Waldenser , die das erste apostolische Christenthum besitzen wollen ... Eine zahlreiche Gemeinde bildete sich ... Zu ihr gehörte ein junger Zögling des Collegs von Robillante , der sich zum Priester bilden wollte . Die Lehren des Eremiten zogen ihn an ... Oft soll er Tage und Nächte bei ihm im Walde zugebracht haben . Die Gesetze verbieten aufs strengste den Uebertritt zu den Waldensern . Eines Tags verschwand der junge Ambrosi und war Franciscaner geworden ... Man schickte ihn zu seiner weitern Ausbildung nach Rom . Seine dortigen Schicksale erzähltest du ... Ueberraschend ist es , daß mancher in Robillante glaubt , er hätte sich durch sein Buß- und Leidensleben