Erbe , um das es sich in den Hoffnungen und Befürchtungen so vieler Personen handelt , ist die sogenannte Löwenbergsche Herrschaft , ein Komplex von Gütern , unter denen Löwenberg und Hoppenrade die bedeutendsten sind . Nun , diese Löwenbergsche Herrschaft ist zur Zeit ein Bredowscher Besitz und wurde durch den verstorbenen Propst von Bredow , insonderheit aber durch das Vermögen der reichen Gemahlin desselben , einer Schwester des Hofmarschalls von Kraut , erworben . Sie ersehen hieraus unschwer , auf welche Verwandtschaftsgrade hin , das Erbe von seiten der Tochter des Hofmarschalls einst angetreten wird . Ich bitte jedoch , dieser allgemeinen Notiz auch noch einiges Besonderes hinzufügen zu dürfen , um Sie , hochgeehrter Herr Vater , bestimmter in dieser Sache sehen zu lassen . Aus der Ehe des dompröpstlich Bredowschen Paares wurden im ersten Viertel dieses Jahrhunderts zwei Söhne geboren , unter die sich , unter gewöhnlichen Verhältnissen , der große Besitz geteilt haben würde . Beide Brüder indes fielen in Krankheit , ihre Krankheit wurde Geistesgestörtheit , und als die Dompröpstin ( ihr Gatte war vor ihr gestorben ) in die Jahre gekommen und ihres Ablebens gewärtig war , sah sie sich gezwungen , mit der Tatsache zweier erbunfähiger Söhne zu rechnen und über die Köpfe dieser Söhne hinweg in betreff ihres Vermögens zu testieren . In der Tat fand sich beim Tode der Dompröpstin ein Testament vor , in dem es der Hauptsache nach hieß , » daß bei Lebzeiten ihrer zwei geistesgestörten Söhne die Löwenberger Herrschaft unter bestimmten Modalitäten verwaltet , nach dem Hinscheiden dieser zwei Söhne jedoch der gesamte Besitz an ihren Bruder , den Hofmarschall von Kraut , eventuell an die Deszendenz eben dieses Bruders übergehen solle . « Die Deszendenz dieses Bruders aber , wie schon vorstehend hervorgehoben , ist das ehemalige Fräulein Charlotte von Kraut , geschiedene Frau von Elliot , seit 1. Oktober vorigen Jahres mir in heimlicher Ehe vermählt . Im übrigen bleibt es zweifelhaft , ob die » Krautentochter « , wie sie der Volksmund zu nennen pflegt , das Erbe , das so viel von sich reden macht , antreten und , wenn antreten , auch behaupten wird . In diesem Augenblicke nämlich leben noch die beiden geistesgestörten Söhne der Dompröpstin und vertagen durch ihr einfaches Noch-am-Leben-sein den Austrag einer komplizierten Erbschaftsfrage ; von dem Moment an aber , wo der Tod derselben erfolgen und das zugunsten der Familie Kraut abgefaßte Testament in Kraft treten wird , wird aller Wahrscheinlichkeit nach gegen dies Testament ein Protest erhoben und die Rechtsgültigkeit desselben , ich lasse dahin gestellt sein , ob mit Grund oder Ungrund , von seiten der Bredowschen Familie bestritten werden . Über diese diffizilen Punkte jedoch will ich mich heute nicht weiter verbreiten . Dazu wird Gelegenheit sein , wenn jener Zeitpunkt eingetreten sein wird , von dem ich kaum weiß , ob ich ihn mehr wünschen oder fürchten soll . Nur über den Wert dieses Erbes , dessen Einkünfte , laut Testament , schon jetzt zu weitaus größezem Teile der Krautschen Erbtochter , als meiner mir heimlich angetrauten Gemahlin , zufließen , bitte ich noch einiges sagen zu dürfen . Der Wirtschaftsertrag erreicht etwa die Höhe von 10000 Taler , in welche Summe die Forsterträge mit eingerechnet sind . Meine Gemahlin , in ihrer Erbtochter-Eigenschaft , genießt außerdem das Wohnungsrecht in Hoppenrade , sowie das Recht einer freien Wohnung im Bredowschen Hause zu Berlin . Es muß dabei bemerkt werden , daß die gegenwärtige Kuratorenwirtschaft eine Räuberwirtschaft ist , und daß sich die zur Zeit verhältnismäßig geringen Erträge bei selbständiger und besserer Administration leicht verdoppeln lassen werden . Hier , mein teurer und hochverehrter Vater , haben Sie , soweit meine Kenntnis und Einsicht reicht , ein Bild der Lage . Lassen Sie mich hinzufügen , daß ich begründete Hoffnung habe , den eingangs erwähnten königlichen Dispens , aller Widersacherei zum Trotz , über kurz oder lang eintreffen zu sehen . 28 Ich sehne mich danach , weil ich dieser Heimlichkeiten müde bin , und ein herzliches Verlangen trage , die , die vor dem Altar meine Fraue wurde , auch vor der Welt als solche präsentieren zu können . Und nun noch Eines . Ich habe vorstehend mehrfach auf die Tatsache meiner heimlichen und sogar bloß versuchsweise abgeschlossenen Ehe hingewiesen . Erlauben Sie mir , daß ich Ihnen auch darüber noch ein Wort sage . Sie werden mir glauben , daß ich für das Sonderbare darin ein volles Gefühl habe , ja mir bewußt bin , das Lächeln der Welt dadurch herausgefordert zu haben . Eine Verheiratung » auf Probe « hat etwas Ridiküles . Aber trotz dieser klaren Einsicht erschien mir eine solche Vorsicht geboten . Wie lag es zwischen uns ? Frau von Elliot und ich hatten zwar viel miteinander verhandelt , aber wir kannten uns eigentlich wenig . Ich fragte mich nach dem Charakter der Frau , deren Berater und Beschützer ich gewesen , und hatte keine rechte Antwort darauf . War sie gut und edel oder war sie ' s nicht ? Sie zeigte mir eine große Neigung und Anhänglichkeit , und was mehr war , eine mich geradezu rührende Bescheidenheit in bezug auf alles das , was ihr , ihrem eignen Zugeständnisse nach , noch fehle ; nichtsdestoweniger blieb ich in Zweifel , ob nicht der Einfluß der Mutter und vor allem das mehrjährige Zusammenleben mit einem eitlen , oberflächlichen und total depravierten Narren ihr ein für allemal eine Richtung auf das Niedere hin gegeben habe . Brauch ' ich Ihnen zu versichern , mein teurer und hochgeehrter Herr Vater , daß ich in meinem Herzen alle diese Zweifel mit einem » nein « beantwortete . Dennoch fehlte mir Gewißheit , Gewißheit , die mir so nötig erschien , und so kamen wir denn beiderseits überein , unsere Verheiratung nicht bloß eine heimliche , sondern zugleich auch eine bloße Versuchsehe sein zu lassen . Es wurde stipuliert , daß wir , wenn wir nach einer bestimmten Zeit den