erhaltenen Weisung beschließen mußten , zu Verräther an ihren nächsten Lebenspflichten , an ihres Vaters Ehre , an ihrer eigenen , am Herzen der Mutter zu werden , war erschütternd - Sie erzählten , daß sie unschlüssig gewesen wären , ob sie sich nicht selbst erschießen sollten ... Ich nannte im Gegentheil das Martyrium unserer Zeit : Sich dem nicht entziehen , worauf uns Geburt , Stellung und das Vertrauen der Menschen angewiesen haben ! ... Möglich , daß ich dies Axiom zu sehr von Priestern entnahm , die unter dem Druck ihrer Gelübde leben müssen und sie nicht brechen wollen - aus Furcht , einer Sache zu schaden , die sie in ihrem Wesen lieben ... Mit einem Wort - ich ließ ein Herz voll Freundschaft in Malta zurück ... Auch voll Dankbarkeit ... Das felsige Eiland fesselte mich mit seinen geschichtlichen Erinnerungen länger , als ich hätte bleiben sollen ; bald bildeten sich unter den Flüchtlingen zwei Parteien ; eine , die das Vertrauen der Brüder Bandiera zu mir theilte , eine andere , die mich für einen Spion erklären wollte . Meine Kurierreise von Wien war bekannt geworden und sprach gegen mich . Ich fing an mich vertheidigen zu wollen und , wie in solchen Fällen es geht , verwickelte mich dadurch nur desto mehr . Ich fürchtete Concessionen zu machen , die über mein noch nicht reifes Nachdenken über diese Fragen hinausgingen . Die Mischung der Charaktere , die ich antraf , war abenteuerlich genug . Kaum waren reine und consequente Gesinnungen unter Menschen vorauszusetzen , unter denen ein wankelmüthiger , schwacher , aus Furcht vor seiner Schwäche wieder tückisch gewaltsamer Mensch wie Wenzel von Terschka eine Hauptrolle zu spielen scheint ... Auch Pater Stanislaus war zugegen ? ... wallte die Mutter erschreckend auf ... Nicht in Person - er dirigirt von London aus ... Wo er dein Nebenbuhler ist - ... Lucinde hat dich gut unterrichtet ! ... sagte Benno ... Da sprach sie sicher auch von Thiebold de Jonge ? ... Auch von ihm ... Thiebold wurde die Ursache , daß ich endlich von Malta und den immer bedenklicher gewordenen Verpflichtungen aufbrach ... Mein Freund war nach Italien gekommen und wartete auf mich in Robillante ... Wenn ich dir die Versicherung gebe , daß Thiebold de Jonge zwar das närrischste Italienisch spricht , aber das beste Herz von der Welt und eine Freundschaft für mich hat , wie sie nur die Brüder Bandiera gegeneinander besitzen , so wirst du mir vergeben , wenn ich ihn zum Vertrauten - meiner ganzen Lebenslage gemacht habe ... Die Mutter horchte auf ... Noch mehr ! fuhr Benno fort . Ich habe nur im vollen Einverständniß mit ihm gewagt hierher zu reisen und einen Plan zu verfolgen , der - mir - eine Sache des Herzens war ... Indessen - jetzt ... Welchen Plan ? fragte die Mutter , noch immer der letzten Aufklärung harrend ... Marco meldete sich im Eßzimmer mit dem Geklapper seiner Anrichtungen ... Benno sprach leiser : In so hastiger , völlig unüberlegter Eile hat mich die Freundschaft für die Brüder Bandiera hergeführt ... Nachdem ich Malta verlassen , blieben sie mit mir im Briefwechsel ... Ich kann sagen , es sind die ersten Männer , die mir im Leben nächst meinem Freund Bonaventura imponirten . Selbst wo ich ihre Ansichten verwerfen muß , rühren sie mich . Ich ordnete mich ihnen schon in Sicilien unter ... Ich möchte diese herrlichen Jünglinge ebenso meinem Leben , wie dem Leben der Menschheit erhalten ; ich möchte sie dem Vater , der Mutter erhalten , ihnen , die zwar äußerlich tief gebeugt und voll Demuth an den Ufern der Lagunen wandeln , innerlich aber doch ihren Stolz auf » die Knaben « behalten haben - ... Mein Gott ! Die Stunden der armen Unglücklichen sind gezählt - ... Wie ? Warum ? ... rief die Mutter ... In wenig Wochen vielleicht schon - flüsterte Benno ... Ein Aufstand ? ! fuhr die Mutter empor und hielt Benno ' s Hand mit ihrer eigenen krampfhaft ausgestreckten Rechten ... Ein umfassend vorbereiteter ! sprach Benno leise ... Es gilt Rom selbst ! Der Herrschaft Ceccone ' s ! Der Einschränkung dieses freiheitsfeindlichen Papstes ... Man erwartet Mazzini in Genua , Romarino in Sardinien , erwartet einen Aufstand in Sicilien ... Die Brüder Bandiera sind von Malta aufgebrochen ... Sie ließen zweifelhaft , wohin sie gingen ... Einige ihrer Freunde waren weniger gewissenhaft ... Sie dirigirten Flüchtlinge , die über die Alpen aus der Schweiz kamen , nach Robillante ... Unter mancherlei Gestalten , als Pilger , als Mönche reisen sie vorzugsweise nach der adriatischen Küste der Romagna ... Dort , bei Porto d ' Ascoli , dort , wo seltsamerweise jener Pilger und der deutsche Mönch verschwunden sind , soll alles vorbereitet sein zu einem Handstreich ... Die Brüder Bandiera werden eine Landung befehligen ... Ancona , Ravenna , Bologna werden von den Verschworenen an einem und demselben Tage überfallen werden ... Der Erfolg kann meiner Ueberzeugung nach kein glücklicher sein ... Warum nicht ? rief die Mutter . Die Brüder werden in die Hand Ceccone ' s fallen .... Nimmermehr ! ... Sie werden das Schaffot besteigen ... Die Führer all dieser Aufstände des » Jungen Italien « sollen , das ist die gemeinschaftliche Verabredung der betheiligten Cabinete , auch des Cabinets der gekreuzten Himmelsschlüssel , den Tod durch Henkershand erleiden ... Jesu Maria ! rief die Mutter ... Ich sehe diese edeln Jünglinge das Schaffot besteigen ! ... Das ist die Angst , die mich nach Rom geführt hat ... Die Mutter stürzte an den Hals ihres Sohnes ... Nun hatte sie die Ursache , warum Benno wünschte , sie wäre bei Olympien und - Olympia begrüßte ihn noch mit ihrer frühern Neigung ... Benno hatte gehofft , so den Brüdern Bandiera das Leben retten zu können ... Marco ! Einen Augenblick ! Laß doch ! Laß doch ! rief die Mutter in den Salon und