Einwendungen machen und von Louis Armand ' s Stande sprechen , aber schon hatte der Baron das bedeutsame Schweigen seiner diplomatischen Gäste für Zustimmung genommen , schon war er hinaus und sprach durch die geöffnete Thür in das Vorzimmer , wo Rudhard Dankmar ' s Stimme nicht hören konnte , ohne nicht aufzustehen und ihn an der Schwelle zu begrüßen . In einem Hotel sind die Räumlichkeiten beschränkt . Dankmar und Louis waren schon veranlaßt , einzutreten , während noch der General und der Ritter überrascht , verlegen von den Stühlen aufstanden . Man wird Dankmar ' s Erstaunen , Louis Armand ' s Schrecken ermessen , als in leichter weltmännischer Weise der kleine Baron die Namen : General Voland und Ritter Rochus nannte . Diese selbst waren nicht wenig begierig auf die eigenthümliche Situation , die sich hier für sie ergab . Seltsames mußten sie ohnehin schon bei Dystra erwarten . Rudhard ' s freundliche Bewillkommnung löste einstweilen die wirklich ängstliche Spannung . Elftes Capitel Voland von der Hahnenfeder Drängt der Gegenstand , meine Herren , der Sie zu mir führt und mir das Vergnügen Ihrer Bekanntschaft gewährt ? begann Otto von Dystra mit wohlwollendster Bonhommie und mit einem Blicke andeutend , daß die Zahl der Tassen vermehrt würde . Er nöthigte die Gesellschaft in sein Wohnzimmer zurück , als Dankmar mit raschem Blick sich orientirend Louis Armand zugeblinkt und gesagt hatte , es dränge nicht und auch ein ander Mal fände sich Gelegenheit zu ihrer Erörterung . Die in Livreen gesteckte Bedienung des Hotels leuchtete zum Nebenzimmer voran . Man nahm Platz , Dystra theilte Cigarren aus ... Hier wurde ein Nachmittag unter andern Verhältnissen gefeiert , als in der Neustraße , drei Treppen hoch , bei Eulalia Schievelbein . General Voland hat erklärt , daß Sie Beide , meine Herren , berühmt und interessant sind , sagte Dystra . Ich kann das Letztere erst als Physiognomiker unterscheiden . Warum Sie berühmt sind , gesteh ' ich armer hier in Europa über Nacht aufgeschossener Pilz nicht zu wissen - aber General Voland hat Ihre Visitenkarten eskamotirt und von gewöhnlichen Menschen thut man Das nicht . Es klang wie eine dämonische Satyre , als der General erklärte : Herr Dankmar Wildungen ist auf dem Wege , der hiesigen Stadtkommune ein bis zwei Millionen durch einen höchst romantischen Prozeß abzugewinnen und Herr Louis Armand ist jener junge Franzose , der mit unserm jetzigen Chefminister , dem Fürsten Egon , durch die engsten Bande der Freundschaft verbunden ist . Ritter Rochus hätte sich die Lippen abbeißen mögen , wenn er seine meist falschen Zähne nicht zu scheuen gehabt hätte und behutsam in ihnen stocherte ... Rudhard , der die Verhältnisse kannte , mußte über die Erklärung des Generals lächeln , die Louis in Verlegenheit setzte zur großen Befriedigung des Ritters , der schon die Feder spitzte , um seinem Hofe diese merkwürdige Begegnung in seinem gewählten , nur etwas schwülstigen Style zu schreiben . Dankmar erzählte zum lebendigsten Antheil Rudhard ' s auf dessen Nachfragen in aller Kürze den Verlust seiner Mutter , sein Erstaunen über Siegbert ' s langes Schweigen , die Ergebnisse seines Aufenthalts in Schönau und Randhartingen , so weit sie ihm bekannt waren und Dystra dachte : Siegbert ! Das ist dein Nebenbuhler ! Und diese Angelegenheit führt die jungen Männer zu mir ! Inzwischen wurde Louis schon vom General Voland und dem Ritter Rochus in ein Gespräch verwickelt , bei dem es ohne Ironie über den verlegenen , bescheidenen Arbeiter nicht ablief . Dystra , laut vor sich hinbrummend : Romantisch ? Romantisch ? Prozesse sind nie romantisch ! sorgte für die Bedienung . Dankmar fand Gelegenheit , den besternten Herrn und den General , zwei Lichter der Welt , zu mustern . Ritter Rochus vom Westen war in jungen Jahren ein Gelehrter gewesen , dann in die diplomatische Laufbahn gekommen , jedoch immer nur als Attaché benutzt worden . Er schrieb Berichte sowol für die Zeitungen , die seine Regierung subventionirte , wie für den Premierminister selbst , besonders aber die Gemahlin desselben , deren Neigung zu scharfen Persönlichkeiten und zur Médisance er kannte . Er überwachte seine Chefs in Paris , in London , in Konstantinopel und Athen . Bei diesen verschiedenen Stellungen hatte er Otto von Dystra kennen gelernt , der vor seiner Bildung , seinen antiquarischen und philosophischen Studien die größte Hochachtung empfand . Damals war es leicht , sich einen Anstrich von Frei-muth zu geben . Der Chevalier vom Westen galt für geistreich , fein und witzig . Er imponirte selbst in Florenz den Alterthumsforschern , in Stambul den reisenden Orientalisten , in Paris trieb er Sanskrit und ließ griechische Handschriften wieder neu aufkratzen , trotz Letronne und Villoison . Schrieb er ein politisches Memoire , so wurde es in allen Salons seiner Hauptstadt bewundert und von dem Gemahl der geistreichen Frau , die ihn protegirte , an alle Legationen gleichfalls zur Bewunderung übersandt . Das währte bis zur Revolution . Die alten adligen Repräsentanten in der Diplomatie wurden damals gestürzt . Ritter Rochus vom Westen wurde erst in ' s Ministerium berufen , dann , als er den verschiedenen Phasen der Revolution bald zum Opfer fiel , zu einer großen Legation beordert . Hier machte er sich mit Meisterschaft geltend . Er haßte den Staat , zu dem er als Wächter gestellt wurde , ohne grade den Staat , den er selbst vertrat , besonders zu lieben . Er hätte Philosoph genug sein müssen , die Erbärmlichkeit der Zumuthungen , die ihm der Gang der Ereignisse stellte , zu verachten , allein es flossen ihm außerordentliche Summen zu , die ihm eine glänzende Stellung gaben und sein natürlicher Hang zur Intrigue fand eine Nahrung , die ihn immer in Athem erhielt . Seine Studien waren zum größten Theil abspringend und oberflächlich gewesen . Zu ihnen zurückzukehren war ihm um so weniger Bedürfniß , als ein angeborner , gutgeschulter Geist ihn auch der Nothwendigkeit zu überheben schien , nur todte Materialien