Baron Curt bereits an der Seite seines Vaters . „ Was heißt das Alles , Papa ? Was , um Himmelswillen , ist in den drei Monaten aus diesem Arthur geworden ! Ich fand ihn zwar schon gestern Abend weit ernster , bestimmter als sonst , aber dieses Auftreten hätte ich ihm doch nun und nimmer zugetraut ! “ Der Baron hatte sich noch nicht von seinem Erstaunen erholt . Erst der Ausruf seines Sohnes brachte das zuwege . „ Er scheint also wirklich die Rolle nicht gekannt zu haben , die sein Vater bei uns spielte ! Das ändert allerdings die Sache , “ meinte er betreten . „ Wenn er nur nicht die Zumuthung stellte , daß ich sein Schuldner bleiben soll ! “ „ Er handelt vollkommen richtig , “ rief Curt auflodernd , „ wenn er jetzt den Wucher kennt , mit dem Berkow uns in ’ s Unglück hetzte ! Nicht ein Viertheil jener Summe , die uns nachher so riesengroß gegenüberstand , hat er wirklich dargeliehen und für die aufgekauften Forderungen bezahlt , und nicht einen Pfennig davon darf der Sohn wieder annehmen , wenn er sich nicht auch entehren will . Man sah es ja , wie die Scham über die ganze schmachvolle Geschichte in ihm wühlte , aber es ging eigentlich seltsam mit dieser Unterredung . Er spielte doch ohne Frage darin die schlimmste , die beschämendste Rolle , und schließlich brachte er es dahin , daß wir uns beinahe zu schämen hatten mit unserem Anerbieten . “ Windeg schien die letzte Bemerkung ziemlich ungnädig aufzunehmen , vielleicht weil er sie nicht widerlegen konnte . „ Wenn wir ihm Unrecht thaten , so bin ich bereit , ihm jetzt Gerechtigkeit widerfahren zu lassen , “ sagte er , „ ich bin es um so mehr , als wir ihm in der Scheidungsangelegenheit wirklich zum Danke verpflichtet sind . Ich hatte nicht geglaubt , daß sich das so leicht machen werde , trotz der Gleichgültigkeit , die er von jeher gegen diese Heirath zeigte . “ Curt nahm wieder die nachdenkliche Miene an , die ihm sonst gar nicht eigen war . „ Ich weiß nicht , Papa , mir kommt die Sache noch gar nicht so ausgemacht vor . Berkow war keineswegs so ruhig , wie er sich den Anschein geben wollte , und Eugenie auch nicht . Die Heftigkeit , mit der er aufzuckte , als Du behauptetest , sie bestehe auf der sofortigen Trennung , hatte nichts von Gleichgültigkeit und das Gesicht , mit dem Eugenie uns verließ , noch weniger . Mir ist dabei eine ganz eigenthümliche Idee aufgestiegen . “ Der Baron lächelte mit großer Ueberlegenheit . „ Du bist doch bisweilen ein rechtes Kind , Curt , trotz Deiner zwanzig Jahre und Deiner Epauletten . Meinst Du denn wirklich , der Entschluß , den die Beiden , wie sich jetzt ergiebt , längst gefaßt haben , sei ohne vorhergegangene Scenen und Auftritte entstanden ? Eugenie hat jedenfalls schwer darunter gelitten , vielleicht auch Berkow . Was Du so weise bemerkt hast , ist der Nachhall früherer Stürme , weiter nichts . Gott sei Dank , wir sind jetzt beiderseitig im Klaren , und die Stürme haben ein Ende . “ „ Oder sie fangen erst an ! “ murmelte Curt halblaut , indem er mit dem Vater den Salon verließ . Es war Abend geworden , und im Hause herrschte eine unruhige Geschäftigkeit . Noch am Nachmittage hatte Baron Windeg eine längere Unterredung mit seiner Tochter gehabt , und unmittelbar darauf erhielt das Kammermädchen die Weisung , die Toilettensachen ihrer Herrin einzupacken . Schon vorher hatte Herr Berkow selbst der Dienerschaft angekündigt , daß seine Gemahlin morgen früh ihren Vater nach der Residenz begleiten und einige Wochen dort verweilen werde , daß also die nöthigen Vorbereitungen zu treffen seien , eine Nachricht , die vom Hause aus natürlich sofort die Runde durch sämmtliche Beamtenwohnungen machte , und dort wie hier weit mehr Besorgniß als Aufsehen erregte . Es war ja sonnenklar , daß der Herr die gnädige Frau nur fortsandte , weil er gleichfalls überzeugt war , daß es nächstens auf den Werken „ losgehen “ werde . Er wollte sie in der Residenz in Sicherheit wissen und hatte wahrscheinlich selbst ihren Vater veranlaßt , zu kommen und sie abzuholen . Windeg hatte Recht , der Vorwand war so wahrscheinlich , daß es Keinem einfiel , daran zu zweifeln . Das eigenthümlich kalte Verhältniß zwischen dem jungen Ehepaar war freilich anfangs in der Colonie viel besprochen und gedeutet worden ; jetzt hatte das allmählich aufgehört . Man wußte ja , daß die Heirath nicht aus Neigung geschlossen war , aber da man nie etwas von heftigen Scenen oder bitteren Auftritten hörte , die der Dienerschaft doch wohl nicht entgangen wären , da Berkow immer die Höflichkeit selbst gegen seine Gemahlin und diese die Ruhe selbst ihm gegenüber blieb , so mußten sie sich doch wohl aneinander gewöhnt haben und ganz zufrieden miteinander sein – der gewöhnliche Ausgang solcher aus Berechnung geschlossenen Ehen . Ihre etwas seltsame Art zu leben schien wirklich nur eine Sitte der großen Welt zu sein ; man lebte in den vornehmen Kreisen der Residenz wohl meist auf diesem getrennten , höflich kühlen Fuße , und daß Baroneß Windeg und der Sohn des Millionärs Berkow dies auch hier taten , konnte am Ende nicht weiter befremden . Daß diese Abreise , der ja keine Streitigkeit irgend einer Art vorangegangen war , eine Trennung in sich schloß , das ahnte Niemand , und es fiel auch nicht weiter auf , als die Herrschaften den Abend ganz getrennt zubrachten . Die beiden fremden Herren speisten allein im Eßzimmer , die gnädige Frau hatte sich , da sie nicht wohl war , den Thee in ihr Boudoir bringen lassen , rührte jedoch zur Verwunderung ihres Kammermädchens nichts davon an , und Herr Berkow endlich speiste gar nicht , sondern zog sich „ Geschäfte halber “ in sein