Die kleinen Hände der Prinzessin falteten sich und ihr Blick wandte sich zu Klaudine , die dort noch immer von dem Herzog festgehalten wurde . Die Augen der Herzogin folgten ihr , eine erschreckende Blässe breitete sich über ihr Gesicht . » Ich verstehe nicht « , sagte sie kühl . Das Herz der Prinzessin pochte wie wahnsinnig gegen die Kapsel , in der sie den Brief des Herzogs verwahrte . » Hoheit wollen nicht verstehen « , flüsterte sie , » Hoheit wollen die Augen verschließen ! « Sie hob die noch immer gefalteten Hände empor und preßte sie auf das blauseidene Jäckchen . » Klaudine von Gerold ! « stieß sie hervor . Sie vollendete nicht , die Gestalt der Herzogin wankte ; mit einem leisen Schreckensruf hielt die Prinzessin sie umfangen , aber nur einen Augenblick , die Herzogin war schon wieder Herrin ihrer selbst . » Es scheint , als ob die schwüle , betäubende Nacht Fieber erzeugte « , sagte sie mit einem Lächeln um den blassen Mund . » Gehen Sie zu Bette , Cousine , und trinken Sie kühle Limonade . Sie reden irre ! Rufen Sie Fräulein von Gerold , liebe Katzenstein « , wandte sie sich dann an die alte Hofdame , die herbeigeeilt war und unter ihrem Spitzenhäubchen hervor besorgt in das blasse Gesicht der Herzogin schaute . Und als das schöne Mädchen kam , sagte sie freundlich und so laut , daß auch die Außenstehenden es hören mußten , indem sie das trauliche » Du « gebrauchte : » Führe mich zum Wagen , Dina , und vergiß nicht , daß du morgen an einem Krankenbett sitzen wirst . Ich fürchte , für meine Kräfte ist dieses schöne Fest zuviel geworden . « Sie stützte sich fest auf Klaudines Arm und schritt , begleitet von dem Herzog , von Baron Lothar und dem Gefolge , nach allen Seiten freundlich grüßend , der Freitreppe zu , wo die Wagen hielten . Sie übersah dabei die tiefe Verneigung der Prinzessin Helene . – Als Klaudine an der Seite Lothars zurückkehrte , trug sie den Granatstrauß der Herzogin in der Hand . Sie weilte noch einige Augenblicke unter all den Menschen , die plötzlich kein Auge mehr für sie zu haben schienen , aber sie bemerkte es nicht , sie sehnte sich nach Ruhe . » Gute Nacht , Beate , ich möchte heim . « » Wie sonderbar die Herzogin war beim Abschied ! « sprach Beate , als sie neben Klaudine dem Wagen zuschritt . » Sie sah dich an , als wollte sie bis auf den Grund deiner Seele schauen , und doch , als hätte sie dir etwas abzubitten . Wie lieblich die Art und Weise war , als sie dir den Strauß noch zuletzt aus dem Wagen reichte und : › Meine liebe Klaudine ‹ sagte , als könnte sie dir nicht liebes genug tun . « » Wir haben uns sehr lieb « , antwortete Klaudine einfach . Prinzeß Helene tanzte weiter in dieser Nacht . Dann meinte sie plötzlich , die innere Unruhe , die Herzensangst nicht mehr aushaken zu können , warf sich im Dunkel eines Gebüsches auf eine Bank und preßte ihre glühende Wange an das kalte Eisen der Lehne . Frau von Berg stand mit finsterer Miene vor ihr . » Mein Gott « , sagte sie , » wenn jemand Eure Durchlaucht so sähe ! « » Kommt der Baron ? « fragte die Weinende , rasch die Augen trocknend . Die Berg lächelte . » O , doch nicht , er spricht mit dem Landrat von Besser über Feuerversicherungen . « » Haben Sie gesehen , Alice ? Die Gerold wurde von der Herzogin beim Abschied noch mit dem Strauß begnadet , das war « – hier lachte die Prinzessin – » das Ergebnis meiner gutgemeinten Warnung . « Frau von Berg lächelte noch immer . » Durchlaucht verzeihen , die Herzogin konnte nicht anders ! Auf ein bloßes Gerücht hin läßt ein so vornehmer Charakter seine Freundin nicht fallen . Ich habe geglaubt , Sie kennen Ihre Hoheit besser . Sie bestanden ja selbst so dringend auf Beweisen ! « Die Prinzessin fuhr mit beiden Händen an die Ohren , als wollte sie nichts mehr hören . » Beweise ! « wiederholte Frau von Berg noch einmal , » Beweise , Durchlaucht ! « 20. Die Herzogin hatte sich gleich nach der Rückkehr in ihr Schlafgemach zurückgezogen und sich zur Ruhe begeben . Sie hatte ihr kühlendes Himbeerwasser getrunken und lag , die Arme unter dem Haupt , in ihrem stillen Zimmer . Zuweilen hustete sie und ihre Wangen begannen zu glühen . Es war zuviel gewesen für sie , dieses rauschende Fest , sie hätte im Krankenzimmer bleiben sollen , wo sie hin gehörte – aber es ist doch so hart , so jung noch und schon so gebrechlich ! Ob es je besser wird ? Sie griff an ihre linke Seite , sie fühlte da einen sonderbaren dumpfen Schmerz . » Merkwürdig , was kann es nur sein ? « Wie lähmende eiskalte Angst kroch es durch ihre Adern und legte sich betäubend auf ihr Denken . » Unmöglich ! « flüsterte sie . Sie wußte plötzlich , woher der dumpfe Schmerz kam . » Unmöglich ! « Sie richtete sich energisch im Bette auf und schaute um sich , als wolle sie sich vergewissern , daß sie wach sei , daß kein schwerer Traum sie quäle . Die Herzogin ergriff einen elfenbeingefaßten Handspiegel und schaute hinein . Zwei tief eingesunkene Augen , ein mageres , gelbliches Gesicht sahen ihr in der mattrosigen Beleuchtung entgegen . Sie ließ den Spiegel auf die Bettdecke fallen und legte sich zurück , ein qualvolles Erschrecken auf ihren Zügen . » O du lieber Gott ! « flüsterte sie . Und sie nahm das Bild des Herzogs vom Tischchen neben ihrem Bette , starrte das schöne , stolze Gesicht an und