, daß sein Auge zuweilen mein Gesicht streifte . Ruth sorgte , daß die unerquicklichsten Dinge dem Gespräch nicht fehlten . Die kleinen Ausfälle gegen Eberhardt waren zahllos , aber er blieb unempfindlich . Nach Tische empfahl er sich . » Ich ängstige mich zu sehr um den Kleinen « , sagte er , » und da Ruth morgen erst ihren Reisewagen besichtigen will , so werde ich diese Nacht noch zurückkehren . Der Wagen kann morgen mittag wieder hier sein , oder Papa laßt sie vielleicht fahren . « Er nahm eiligst Abschied , wobei er mich übersah , und fuhr fort . Ich lag in meinem Bett zu Hause und konnte es nicht fassen , daß er so unglücklich aussah . Heimlich hatte mir längst gebangt . Ich kannte ja den Charakter Ruths , hatte so manchen Einblick in dieses kalte , kokette Herz getan : es mußte ja so kommen , zu vermeiden war es nicht . Aber es tat mir weh , unendlich weh , dieses stolze , lebensfrohe Gesicht so müde , so teilnahmlos und abgemattet zu sehen . Mein Gott , du führst deine Kinder wunderbar ! dachte ich . Jeder kleine Groll , der sich vielleicht in irgendeinem Winkel meines Herzens noch gegen ihn verbarg , verschwand vor seinen traurig-stillen Blicken und häufte sich immer mehr als glühender Haß auf das Haupt seines Weibes . Sie war ja doch an allem allein schuld . Rätselhaftes Menschenherz ! Die ganze heiße Liebe für ihn war aufs neue emporgeflammt , als er mir so unverhofft gegenüberstand – um so heller und ungestümer , je mehr ich einsah , daß er nicht glücklich war . » Kathrin ! « sagte ich am andern Morgen noch mit bebender Stimme und kniete an ihrem Bette nieder , » weißt du , wen ich gestern abend gesehen habe ? « Sie blickte mich verwundert an , dann fragte sie , in meinen Augen irgend etwas Eigentümliches lesend : » Doch nicht etwa ihn , den Leutnant v. Eberhardt ? « » Ja , Kathrin , ich sah ihn wieder , aber wie ! « » Nun ? « fragte sie gespannt . » Er war nicht im besten Einvernehmen mit seiner Frau und sah so bekümmert aus – « » Ich weiß es schon lange « , nickte Kathrin , » und habe mich im stillen gefreut darüber . Es ist seine gerechte Strafe und durfte gar nicht anders kommen . Darum habe ich den lieben Gott gebeten , als ich dich hier so elend und verzweifelt sah . Mit Freude habe ich die ersten Andeutungen begrüßt , die mir verkündeten , seine Ehe wäre nicht so , wie sie sein sollte . Oh , es muß noch besser kommen , damit er einsieht , wie er sich versündigt hat an dir ! « » Pfui über dich , Kathrin ! « rief ich und sprang entsetzt auf . » Schäme dich ; ich hätte dir so rachsüchtige Gedanken gar nicht zugetraut . Wenn du ihn gesehen hättest , wie traurig , wie freudenarm er aussah – « » Gretchen , nimm dich zusammen « , unterbrach mich die Alte barsch ; » fang mir nicht wieder an . Dein Gefühl für ihn könnte Sünde werden – er hat Weib und Kind . « » Sünde ? « wiederholte ich . Einen Augenblick übergoß es mich wie mit siedendem Wasser . Ich drückte die Hände vor das Gesicht und holte tief Atem – wohin hätte ich mich da beinahe verirrt ! Ach , wäre er mir strahlend vor Glück entgegengetreten , so hätte ich mich ruhig zurückgezogen , mich an seinem Wohlergehen gesonnt – aber so – ! Es drängte mich mit aller Macht zu ihm hin , ihn zu trösten , ihm ein freundliches Wort zu sagen zum Ersatz für all den Hohn , den ihm sein Weib ins Gesicht warf . Und dieses Mitleid , diese Teilnahme sollte Sünde sein ? Und doch hatte sie recht , die alte Kathrin . Ich durfte nicht an ihn denken , er hatte mich ja so rauh von seinem Herzen gestoßen , er wollte ja gar nichts von mir wissen , und – er war der Gatte einer anderen . Unruhig verbrachte ich den ganzen Tag . Endlich faßte ich mir ein Herz . » Kathrin « , bat ich , » du sagtest heute früh , daß du schon länger wüßtest , er lebe nicht glücklich mit seiner Frau . Bitte , erzähle mir , was du weißt . « » Nun , Kind , das erzählen sich die Spatzen auf dem Dache « , begann die Alte , » das ganze Dorf ist voll davon . Die Herrlichkeit hat nicht gar lange gedauert , aber ich mochte dir ' s nicht sagen , weil ich schon vorher wußte , daß dein gutes Herz und deine alte Liebe gleich wieder in Flammen stehen würden . Die junge Frau soll bald nach der Hochzeit , als die Flitterwochen noch nicht vorüber waren , allerhand sonderbare Ansinnen an ihren Mann gestellt haben . Sie hat sich in der kleinen Festung nun einmal nicht einrichten können , und da hat sie von ihrem Manne verlangt , er solle den Soldatenrock an den Nagel hängen und mit ihr nach Wien ziehen . Da soll es denn auf dem Schlosse einen großen Spektakel gegeben haben , die Liesel erzählte mir davon . Der Herr Leutnant hat erklärt , er wäre mit Leib und Seele Soldat , und sie habe gewußt , was er sei , da sie ihn genommen . Er bleibe Offizier auf alle Fälle . Die junge Frau hat gescholten und getobt und sich zuletzt aufs Bitten verlegt . Er ist aber fest geblieben und hat gesagt , das Weib müsse sich in dem Stande wohl fühlen , in dem der Mann einmal sei . Die Frau Baronin hat sich zuerst der Tochter verzweifeltes Wesen sehr zu Herzen genommen und hat dem