und Sie geben an mir vorüber , als wenn wir einander ganz fremd wären ! wenigstens reichen Sie mir die Hand ! " Er streckte seine Hand aus : ich gab ihm die meine : er nahm sie zuerst in eine , dann in beide Hände . " Sie haben mir das Leben gerettet : . es macht mir Vergnügen , Ihnen so unendlich viel schuldig zu sein , mehr kann ich nicht sagen . Keinem andern Wesen in der Welt möchte ich so viel schuldig sein : bei Ihnen aber ist es anders -- Ihre Wohlthaten sind für mich keine Last , Johanna . " Er schwieg und sah mich an : fast sichtbare Worte bebten auf seinen Lippen -- aber seine Stimme blieb stumm . " Noch einmal gute Nacht , mein Herr . Hier ist von keiner Schuld , von keiner Wohlthat , von keiner Last oder Verpflichtung die Rede . " " Ich wußte , daß Sie mir einst auf irgend eine Weise einen guten Dienst leisten würden , " fuhr er fort ; " ich sah es in Ihren Augen , als ich Sie zuerst erblickte : ihr Ausdruck und Lächeln " -- er hielt inne und fuhr dann rascher fort -- " erfüllten nicht umsonst mein innerstes Herz mit Wonne . Die Leute reden von natürlichen Sympathieen ; ich habe von Schutzgeistern gehört -- es liegt etwas Wahres in dem albernsten Mährchen . Meine liebe Retterin , gute Nacht ! " Seine Stimme hatte eine seltsame Kraft und sein Blick ein seltsames Feuer . " Es ist mir lieb , daß ich gerade wachte , " sagte ich , und wollte dann gehen . " Wie , Sie wollen gehen ? " " Ich empfinde Frost , mein Herr . " Frost ? ja - - und Sie stehen in einem Wasserpfuhl . So gehen Sie denn , Johanna ! " Aber er hielt meine Hand noch immer fest , und ich konnte sie ihm nicht entziehen : da fiel mir ein Mittel ein . " Ich glaube , ich höre Mistreß Fairfax sich regen , mein Herr , " sagte ich . " Nun , so verlassen Sie mich , " sagte er , ließ meine Hand los , und ich eilte fort . Ich erreichte mein Lager wieder , dachte aber nicht daran , einzuschlafen . Bis der Morgen dämmerte , wurde ich aus einer hohen und unruhigen See umhergeworfen , wo Wogen des Aufruhrs neben Wogen der Freude rollten . Zuweilen glaubte ich jenseits des wilden Wassers eine Küste zu erblicken , so lieblich wie ein Hügel von Beulah , und von Zeit zu Zeit trug ein erfrischender Wind , von der Hoffnung erweckt , meinen Geist triumphirend zu jenem Ziele hin . Aber ich konnte es in der Phantasie nicht erreichen -- ein ungünstiger Wind wehte mir vom Lande entgegen und trieb mich beständig zurück . Der Verstand widersetzte sich dem Wahn : das Urtheil warnte die Leidenschaft . Zu fieberhaft , um zu ruhen , stand ich auf , sobald der Tag graute . Ende des ersten Theils . Erstes Kapitel . Ich wünschte und fürchtete zugleich , Herrn Rochester an dem Tage zu sehen , der auf diese schlaflose Nacht folgte ; ich hätte gern seine Stimme gehört , doch scheute ich mich , seinem Auge zu begegnen . Während der ersten Stunden des Morgens erwartete ich jeden Augenblick seinen Eintritt . Er kam gewöhnlich nicht häufig in das Schulzimmer , doch erschien er zuweilen auf einige Minuten , und es war mir , als müsse er es an diesem Tage besuchen . Aber der Morgen verging wie gewöhnlich , es geschah Nichts , was Adelens Studien unterbrach ; nur bald nach dem Frühstück hörte ich eine Bewegung in der Nähe den Herrn Rochester ' s Thür : die Stimmen der Mistreß Fairfax , Lea ' s und der Köchin -- dies war nämlich John ' s Frau -- und auch John ' s eigene tieferen Töne . Ich vernahm folgende laute Bemerkungen : " Welch ein Glück , daß der Herr nicht in seinem Bett verbrannt ist ! " " Es ist immer gefährlich , in der Nacht ein Licht brennen zu lassen . " " Welch eine glückliche Fügung der Vorsehung , daß er Geistesgegenwart genug hatte , um an den Wasserkrug zu denken . " " Es wundert mich , daß er Niemand geweckt hat ! " " Hoffentlich wird er sich nicht auf dem Sopha in den Bibliothek erkälten , " u. s. w. Auf dieses Gespräch folgte ein Geräusch , welches durch Scheuern und durch Wegrücken des Bettes hervorgebracht wurde ; als ich aber an dem Zimmer vorüberkam und zum Mittagessen gehen wollte , sah ich durch die offene Thür , daß die Ordnung vollständig wieder hergestellt war ; nur das Bett war seiner Vorhänge beraubt . Lea stand in der Fenstervertiefung und rieb die vom Rauche getrübten Fensterscheiben ab . Ich war im Begriff sie anzureden , denn ich wünschte zu wissen , welche Erklärung von der Sache gegeben worden ; aber als ich weiter ging , erblickte ich noch eine zweite Person in dem Gemache , und dies war ein Frauenzimmer , welches neben dem Bette auf einem Stuhle saß und Ringe an neue Vorhänge nähte . Dieses Frauenzimmer war keine andere als Gratia Poole . Dort saß sie ruhig und schweigend , wie gewöhnlich , in ihrem Kleide von braunem Wollenzeug , ihrer gewürfelten Schürze , weißer Haube und weißem Tuche . Sie schien so sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt , als ob dieselbe alle ihren Gedanken in Anspruch nehme . Auf ihrer harten Stirn und in ihren gewöhnlichen Zügen war Nichts von der Blässe over Verzweiflung zu sehen , die man auf dem Gesichte eines Frauenzimmers hätte erwarten sollen , welches einen Mordversuch gemacht , und dessen beabsichtigtes Opfer ihr in der letzten Nacht bis in ihre Höhle gefolgt war , und ihr , wie ich glaubte , das