aus , das nicht ohne unaufgeklärte Häßlichkeit enden sollte . Es gibt viel Schlangen im Djungle . Ich werde niemals wieder bei Nacht in den Djungle schleichen , weil mir langweilig ist oder die galanten Taten meiner Begleiter mich nicht zur Ruhe kommen lassen . Moki allein weiß es , was gefährlicher ist , ein vergiftetes Messer in den Händen des eifersüchtigen , lauernden Weibes oder der Stoßbiß einer jener dünnen , langen Schlangen , deren Schuppen beschleimt im Mondlicht glänzen ! Die Langeweile soll mich nicht mehr verführen . Ich bleibe brav in meiner Hütte oder im Bereich des Lagerfeuers , rauche träumerisch aus meiner Pfeife und sehe mit Sehnsucht zu Aruki hinüber , wenn sie das Kleine mit den Fingerchen an den langen Brüsten kneten und mit dem Schnäuzchen säugen läßt . Die Langeweile , die tropische Langeweile , dieses Geschenk des Waldteufels , dieses Schicksal einer Rasse , die Zeit und Entwicklung noch nicht entdeckt hat , die ewige , glänzende , grünende , üppige Langeweile hat an jenem Abende auf mir gelastet . War das die Pracht des südlichen Himmels oder war es ein trivialer Sternenhimmel ohne Stimmung , ohne Poesie ? Es war ein Himmel mit seiner Bewegung und mit Witzen , ein geistvoller Himmel , an dem es in Figuren zusammenrann , in lange Ketten zusammenschmolz , in Lettern und Signalen sich sträubte wie amerikanische Beleuchtungsreklamen . Es war gewiß ein Himmel , der Geist hatte statt Schönheit und Stimmung . Ich aber entbehrte die Stimmung , und dieser Himmelsgeist sättigte meine Sehnsucht nicht . Lange saß ich in Gedanken . Schon war das große Abendgebet des Djungles verrauscht , das Krähen , Singen und Brünsten , das Schleifen und Schlüpfen durchs Laub , das Kreuzen horniger Insekten in den Wipfeln ; und in endlosen Zügen waren fußlose Wesen über den modrigen Humus zum Stillstand gekrochen . Nun hatte die Nacht nichts Ahndevolles . Im Dorfe erscholl Lärm , die Hunde waren unruhig , ihr Gebell verlängerte gleichsam den Tag . Und doch wurde gerade diese Nacht wild und grausig und erlöste die Taten , deren Keime in all diesem übermäßigen Fleische rings um mich schlummerten . Der Mond hing voll im Zenit . Eine Gestalt ging vorbei , klein , mit plumpen Schritten . Sie fielen von einem Paar stämmiger Waden ab , die wie Ballons aufgegangen waren . An den Gelenken waren sie dünn wie Tüten . Eine Sehnsucht entstand in mir , und ich sah , daß es Rulc war . Ich stand auf und ging ihr nach . Sie wandte sich um und lief rasch weiter . Vor der Hütte van den Dusens schritt sie vorüber , sie nickten einander zu und sprachen kurz . Ich schlug dem Holländer in Gedanken den Kopf ein , feuerte sechs Schüsse gegen ihn ab , trat ihn in den fetten Bauch und stellte ihn so allen Frauen des Dorfes aus . Schnell lief ich zurück . Es war mir etwas eingefallen . In dieser Nacht konnte man seine Waffen brauchen ! Ich steckte die große Mauserpistole zu mir , mit der man einen ... Puma totschießen kann , wenn man ihn an die Stirn oder in die Herzgrube trifft . Als ich zu van den Dusens Hütte kam , zitterte ich und tippte an die Pistole . Ich tippte aber bloß . Den Grund fand ich darin , daß er nicht mehr da war , so daß man also tippen durfte . Gleich darauf aber geschah noch etwas , das ich als Verwicklung empfand . Ich ging jetzt nicht mehr die Kreisstraße entlang , sondern hatte mich seitwärts in einen der achsenlang führenden Wege geschlagen . Hier lag Unrat , schlechte und geräucherte Luft von den Mündungen der Feuerstellen hing sich an die geschwärzten Palmstrohwände . Darum war es der Schleichweg der nächtlichen Liebesgänger . Plötzlich tauchte vor mir eine Gestalt auf und verschwand . Es hätte Zana sein können . Ein heftiger Widerstreit von Verlangen entstand in mir , einen Augenblick lang war ich todmüde vor Unlust . Dicke Beine sind die Sünde des Weibes ! Rulc ? Ich entschied für Zana . Weil ich aber unlustig war , ging ich mechanisch weiter bis zum letzten Ringe der kleinen Indianerhölle . Wie ich ging , wehte mich mit einem Male etwas Schönes an . Eine Erregung befiel mich , eine süße innere Pein . Es entwickelte sich langsam ins Bewußtsein . Und dann war der zarte amöne Hauch eine gedämpfte rhythmische Vibration , düster und im Beginn lind und unmateriell wie ein Geruch . Es wurde stärker , blieb aber pianissimo . Es war der raffinierteste und beunruhigendste Kitzel , dessen ich mich entsinnen kann . Bommm - brr , bommbomm - brr ... melodisches Holz . Es war Nochnichtmusik , Raubtiermelodik , eine stumpfe , organische Süßigkeit , die das Blut erhitzte . Ah , hier war ich unter die Musiker geraten , war unter den armen Teufeln , den Parias und Mischlingen , den Kastenlosen , denen mit der Sehnsucht , denen am Außenposten ! Nur diese konnten ihr Leben in solche Laute zusammenraffen ! Diese waren die Halbfremden , die Derassinierten , die Sucher , die wehmütigen Selbstbehaupter , und sie empfingen mich , sie spielten unseren Verkümmerungsmarsch , sie tremolierten unsere Blutzweiheit , unsere Lebensfremdheit ! Nein ! es war nur der Stabstrommler , der nächtliche Fingerübungen vornimmt und sich mit Musikerfleiß seine Technik erwirbt ! Vielleicht war es auch der Musikhauslehrer bei einem Prinzen , der Nachtstunden nimmt , weil er in der offiziellen Schule nicht den gemeinen Pariafleiß äußert ... aber dann machte die späte , abgeschlossene Stunde doch wieder den privaten Künstler kenntlich . Auch dies mußte ein Irrtum sein . Es waren wüste , heimliche Orgien , eine Privatseance unter der hiesigen Boheme mit einer Nackttänzerin Zana II. , die ich noch nicht kannte - - - ah , da schmerzte etwas . Man soll das nicht tun . Man soll lyrische Gedanken sein