der gleichen Basis befunden hätte ! Noch begrenzter und kleiner , wie vor Dornes Eintritt - wie vor dem großen Brande ! Vor Allerts Erinnerung stieg die hohe Flamme wieder auf , die so prachtvoll und furchtbar in die Winternacht emporloderte ... Nach dieser großartigen Vernichtung hatte man begonnen , das Dichterwort wahr zu machen und neues Leben aus den Ruinen blühen zu lassen . Die Neubauten - schon waren sie im Rohen und Aeußeren vollendet , und drinnen begannen die Monteure und Installateure die betriebstechnischen Einrichtungen - diese Neubauten waren für eine doppelt so große Fabrikation , für einen stark erhöhten Umsatz angelegt worden ... Und mit dem Gelde dieses Mannes ... Ich kann nicht von ihm los ! dachte er . Aber man kann sich doch heute nicht mit jemand schießen , der einen Lügner und Schuft genannt hat , und morgen mit diesem selben , friedlich und von den gleichen Interessen beseelt , geschäftliche Dinge beraten ? Allert fühlte einen furchtbaren Widerwillen gegen den Mann und sein still vornehmes Gesicht mit den hellen , stechenden Augen in sich emporkommen . Dieser Mann - begabt , tüchtig , fleißig - dieser Mann : feig , sklavisch , blind , unwürdig verliebt - Und er dachte bitter : ein Mann , der ernste Pflichten hat , der mit seinem Kapital , seiner Arbeitskraft , seinem Unternehmungsgeist sich in das große volkswirtschaftliche Getriebe hineinbegab , der darf sich nicht durch ein Weib aus der Richtung werfen lassen . - Nun , das dürfte natürlich kein Mann . Aber für einen , der kämpft , ist das alles schwerer - man steht nicht allein , man steht nicht sicher - die eigene Unruhe gefährdet andere - der eigene Sturz reißt andere mit ... Was sollte nun werden ? Konnte er sich denn überhaupt mit einem Mann schlagen , mit dem er dann gleichen Tags zusammen weiterarbeiten mußte ? Unmöglich - ganz unmöglich - Aber wie sollte sich dies lösen ? Hieß es , sich einfach gleich zufrieden geben , wenn der Beleidiger kam und um Verzeihung bat ? Weil Geldinteressen zur bereitwilligen Nachsicht zwingen ? Ging es etwa in dieser Welt so zu - in dieser , für seinen Stand neuen Welt ? » Hab ' ich eine andere Ehre bekommen ? Eine von lockeren Linien - die sich dehnen lassen - die man gelegentlich nicht zu streng ziehen darf ? « Und er wog den Brief zweifelnd in der Hand ... Nein - tausendmal nein - Edelmann - Kaufmann - Ehre bleibt dasselbe . Und er schob entschlossen das Schreiben in den Kasten - die Drahtzähne des Kastenmundes klapperten - nun war es geschehen . Allert ging heim . Das gab eine Nacht ohne Schlaf . Zwei Gewißheiten sprachen immerfort laute , deutliche Worte zu ihm . Diese : » Du kannst mit dem Mann nicht mehr zusammen arbeiten . « Und dann dagegen , ebenso bestimmt : » Du kannst nicht ohne ihn arbeiten . « Allerlei Geschichten fielen ihm ein , von feindlichen Teilhabern , die nie direkt ein Wort zusammen sprachen , sondern sich alles durch eine Mittelsperson sagten , und die in Haß , Gift , Groll doch zusammenblieben , weil ihr Unternehmen blühte und weil sie das Geld hereinströmen sahen . Nein , dachte Allert , das wäre nichts für mich . An solchen Verhältnissen würde seine Lebensenergie , sein Humor versiegen . Arbeit muß in Fröhlichkeit getan werden , dann allein ist sie eine beglückende Kraftübung . Arbeit in Groll - die verbittert - zehrt auf . Aber woher Kapital nehmen ? Die Frage stand vor einem halben Jahr erst vor ihm . Dornes Eintritt in die Fabrik löste sie - scheinbar glücklich . Nun war diese elendeste aller Fragen abermals da ... Aber sie stellte sich mit härteren Zügen hin und sah Allert böser an ... Dem Morgen ging er entgegen , als steige da ein Schicksalstag herauf - - Er brachte aber viel Peinlicheres als Schlag und Krach . Er brachte unklare Stille . Fritz Patow kam . Und alles bißchen Typische - diese kleinen Gewohnheiten , die an der Grenze stehen und sich so leicht bespötteln lassen , die waren wie weggewischt . Ernst , sachlich nahm er die Mitteilung entgegen ... Allert war ja Reserveoffizier - die Angelegenheit mußte dem Ehrenrat unterbreitet werden - zugleich aber auch mußte Patow sich von Doktor Dorne dessen Sekundanten nennen lassen ... Das hatte alles seinen vorgeschriebenen Gang . Das Unfaßliche schien Allert nur , daß er in sein Büro gehen müsse ... Man würde suchen , sich zu vermeiden - aber gab nicht jeder Tag zehnmal die Gelegenheit und Notwendigkeit zu Begegnungen und Besprechungen ? Aber er hörte dann : Herr Doktor Dorne war nicht in seinem Laboratorium . Der junge Assistent , den Dorne sich vor kurzem genommen , kam mit Fragen zu Allert . Dieser riet : telefonieren Sie ... Und bald danach kam aus der Dorneschen Wohnung die Nachricht : die gnädige Frau sei heute nacht , der Herr Doktor mit beiden Töchtern heute morgen abgereist . Das auskunftgebende Mädchen schien zu glauben , daß eine Schwester des Herrn schwer erkrankt und daß die Familie zu ihr gereist sei . Später brachte der Bursche des Hauptmanns von Patow einen Brief , der kürzer ähnliches berichtete : » Ganze Familie Dorne von der Bildfläche verschwunden . Soweit ich verstand : Madame allein in der Nacht ; der Mann früh mit den Töchtern . Ich deponiere mein Ersuchen somit schriftlich in seiner Wohnung . Es heißt also seine Rückkehr abwarten . Fataler Zustand . Aber das ist so oft in diesen Sachen , daß die so erwünschte prestissimo Abwicklung sich nicht erzwingen läßt . « Warten - warten . Das war in dieser Lage unerträglich . Und dazu kam eine dumpfe Unruhe . Daß die Frau in der Nacht allein abgereist sei , ließ einfache Erklärungen zu . Es war zwischen den Gatten zum Bruch gekommen . Vielleicht hatte er ein großes