vierten Stockes saßen ein paar Spießknechte mit heiterem Lärm beim , Knöchelbecher . Noch eine letzte steile Stiege , und Malimmes tauchte durch die Bodenluke hinauf zum Söller des Turmes . Das wundersame Bild , das von allen Seiten über die Zinnen herleuchtete , war wie ein Farbenjauchzen der schönen Erde . Rings um die Tiefe des Turmes ein Gewoge von Wäldern . Gegen Norden ein sanft gehügeltes Land mit grünen Wiesen und gelben Feldern , mit weißen Straßen und silberblitzenden Bachläufen . Gegen Osten , Süden und Westen der ruhige Riesenkranz der Berge , mit grünen , grauen und weißen Gipfeln , mit bewohnten Tälern , mit dem besonnten Gemäuer der Berchtesgadnischen Festungswerke beim Hallturm , mit dem Dächergewirre von Reichenhall und den weißen Stiftsmauern des heiligen Zeno , dessen Münster nur mit den beiden Turmspitzen über einen bewaldeten Hügel herüberguckte . Und hinter diesen fernen , weißen Mauerstrichen war etwas Braunes und Graues zu sehen , gleich dem Budengewirr eines dörflichen Marktes , das Zelt- und Barackengeläger der andächtigen Bittgänger aus der Ramsau . Weiße Tauben flogen um den Turm , und Schwalben schössen er schrillem Gezwitscher blitzschnell durch die klare Sonne . In einer Zinnenscharte saß Jul auf dem Mauersaum , das vorgeneigte Gesicht vom schwarzen Haar umhangen , um die Brust den blank gefegten Plattenküraß . Versunken spähte der Bub zum Hallturm hinüber und in die Ferne des Berchtesgadnischen Landes . Malimmes legte ihm die Hand auf die Schulter . » Gottes Gruß , lieber Bub ! Da bin ich wieder . « Wie ein Erwachender hob Jul den Kopf mit dem schwankenden Haar . Die blauen stillen Augen in dem sonnverbrannten Gesicht hatten einen verlorenen Blick . » Wach auf ! Tag wird ' s ! « Malimmes rüttelte den Buben zärtlich an der Schulter . » Die müde Faulheit hat ein End . Es ist ein Kriegshauf unterwegs . In des Herzogs verdeckten Sudhafen schaut unsereins nit hinein . Aber ich denk , wir liegen morgen vor dem Hallturm und schlagen los . « Ein Schreck war in den Augen des Buben , ein jähes Erblassen ging ihm über Stirn und Wangen . » Du ! Wirst doch nit Angst haben ! « mahnte Malimmes mit lachender Herzlichkeit . Stumm schüttelte Jul den Kopf . » So freu dich ! Geh ! Da kannst du deinen Zorn wider die Herren austoben . Und wo du stehst , da steh ich bei dir . Streck dich , Bub ! Seit vierzehn Tag hast du was gelernt von mir . Reiten kannst du wie ein Jungherr . Ein Rößl hab ich dir gebracht , wie der heilige Peter keines im Stall hat . Und mit dem Eisen verstehst du dich aufs Klopfen wie ein Kesselschmied . « Jul erhob sich und wollte gehen . » Höia ? Was ist denn ? « Malimmes faßte den Buben am Arm . » So lauf mir doch nit allweil gleich davon ! « » Tu mich auslassen ! Ich muß hinunter zu ihm . « Wie dunkler Sammet war ' s im Klang dieser tiefen , wehen Knabenstimme . » Was morgen kommt , wird ihm hart werden . « » Hart ? « Jul nickte . » Sein Zorn muß schlagen , seine Treu verwehrt ' s ihm . « Er drehte langsam das Gesicht gegen die Ferne , in der die Gadnischen Berge blauten . » Müssen , was man mit will ? Das ist ein arges Ding . Und macht einen müd . « Den Arm aus der Faust des Malimmes lösend , ging Jul davon . Schweigend stand der Söldner , und wie ein frischer Blutstreif brannte die große Narbe in seinem Gesicht , als er den Buben durch die Dachluke des Turmsöllers hinuntertauchen sah . Die Schritte des Jul erloschen in dem heiteren Lärm , den da drunten in der Wehrstube die würfelnden Spießknechte machten . Nun drehte auch Malimmes das Gesicht gegen die Berchtesgadnische Ferne hin und tat einen leisen Pfiff . Er lachte hart . Flinke , rappelnde Tritte klangen auf der Holzstiege . Das blonde Mädel aus dem Ramsauer Leuthaus surrte erhitzt durch die Luke herauf , mit einer Schüssel und einem zinnernen Weinkrug . Heiße Freude glänzte in den Augen des verhärmten Gesichtes . » Da bist ja wieder ! « Er nickte und wollte an ihr vorbei . Erschrocken vertrat sie ihm den Weg und sagte sanft : » Magst nit essen und trinken ? Nach so einem weiten Weg ? « » Maidl ! « Malimmes sah ihr streng in die Augen . » Tu mich in Ruh lassen ! Unser Anfang ist ein End gewesen . Den Freudenpfennig legt man hin auf den Tisch . Man dreht ihn nit siebenmal um . Wenn dich dürsten tut nach einem Mannsbild - es sind doch feste Buben in der Burg , such dir halt einen aus . « Sie sah ihn an und Zähren kollerten ihr über den Mund herunter . » Wenn man einmal die Deinig gewesen ist , mag man keinen andern nimmer . « Malimmes schien verdrießlich zu werden . Doch er lachte . » Du Gänsl , du dummes ! Sei gescheit und tu dir das junge Leben nit beschweren ! « Der freundliche Klang seiner Worte machte ihr Mut . Sie schmiegte sich scheu an seinen Arm und flüsterte : » Ich muß dir was sagen . Seit gestern weiß ich ' s. « » Was ? « » Daß ich Mutter bin . Von dir . « » Nit schlecht ! « Heiter streckte sich Malimmes . » Wenn man hundertweis die Menschen totschlagt , müssen sie einschichtig wieder herwachsen . « Freundlich strich er mit der Hand über das Blondhaar des Mädels . » Tu dich freuen ! Mutter sein ist ein gutes Ding . Trag dein Kindl in Lieb und Sauberkeit ! Brauchst du was von mir , so verlangt ! Und wenn du kommst und bringst mir das Kindl ,