! - Wie wollt er mir denn helfen ? - Dem schenkte ja doch niemand Glauben ! Und dacht also dies und jenes , dacht zurück in der Zeit und Weil und war schließlich am End , da ich in jener Nacht aus dem Haus der Lackenschusterin , meiner Kathrein , entwichen war . Da stieg es mir heiß auf ; - ich ließ mich auf die hölzerne Lagerstatt fallen und weinte bitterlich . Schäme mich annoch jetzund dieser Tränen nicht , da sie doch mein Herz erleichterten und meine Sinne willfährig machten einer tiefen Reu über alle Leichtfertigkeit meines Lebens . In solcher Zerknirschung fand mich nach einer geraumen Weil der Magister , als er wieder in das Loch gebracht wurde ; und er verwunderte sich höchlich darüber , da es doch gar nicht schlecht um mich stünd , wie er meinte . » Ich glaub gar , du flennst ! « sagte er . » Möcht mich wohl schämen an deiner Stell , zu heulen ! - Man hat mich geholt und mir befohlen , dich auszufragen über dein ganzes Leben , um dir die Tortur zu ersparen . - Ich werde mich also noch heut abends melden und über dich reden , wie sichs gehört . So . Und jetzt wird nimmer geheult ! - Pfui Deibel ! « Er spuckte giftig an die Wand und sagte nach einer Weil vertraulich : » Habs auch nicht gut gemacht , mein Sach ; hab einem Milchbauern seiner Kuh die Maulseuch abbeten wollen um zehn Taler . - Derweil zeigt mich der Hund an ! - Weils nichts geholfen hat ! - Jetzt kann ich zehn Tag brummen und darnach die Staup kriegen ! « Nach Verlauf etlicher Stunden ward ich abermals vor den Richter gestellt und mit vielen und beweglichen Worten ermahnt , doch zu gestehen : daß ich erstlich wirklich der Johannes Schröckh sei , zweitens , daß ich drüben bei Augsburg einem Handelsmann seine Barschaft geraubt und ihn durch Schläge mißhandelt und drittens das Gewölb eines Geschmeidhändlers erbrochen und ausgeraubt hätte . Und da ich auf meinen alten Angaben , also bei der Wahrheit , bestehen blieb , ließ der würdige alte Herr einen Schreiber kommen , der mir den Gang der Tortur von einem Bogen Pergament ablesen mußte . » Ist jemand vor dem Gesetz hinreichend verdächtig « , begann er , » ein Verbrechen begangen zu haben , und laugnet trotz aller Ermahnungen , so muß mit ihm zur üblichen Tortur geschritten werden . Diese besteht darin : daß erstens der Verdächtige in die Torturkammer geführt werde . Hier sind alle Wände ganz schwarz , rings mit Lichtern behangen , der Raum überall mit peinlichen Werkzeugen vollgestellt , so daß das Auge des Verbrechers keinen Ruhepunkt findet . - Nichts als Martergeräte . Dort wird er ausgekleidet , ihm das Torturhemd , welches rückwärts offen ist , angelegt , und er auf die Streckbank geworfen , Händ und Füß mit Stricken angebunden und sein Leib auf alle Weis gedehnt und gestrecket . Darnach dreißig harte Streiche mit der Rueten gegeben , daß ihm das Fleisch vom Gebein fallet . So das nicht nützet und der Verbrecher noch laugnet , zweitens : Den folgenden Tag Wiederholung der ersten Tortur , doch diesmal sechzig Streiche mit der Rueten . Bekennt er auch dann nicht , so wird er : drittens , über Nacht in einen eisernen Leibring gespannt , die Händ in eiserne Handschuh gestecket und den dritten Tag also vorbereitet in die Marterkammer geführt , vom Nachrichter in den Stachelstuhl geworfen , daß sich die eisernen Zinken ins Fleisch bohren , und darnach sechzig Streiche . Hierauf werden ihm die Daumen und großen Zehen kreuzweis mit Schnüren gebunden und eine Walze voll eiserner Spitzen unter die auf den Rucken gebundenen Arme geschoben ; alsdann schnellet der Nachrichter von Zeit zu Zeit an den Schnüren , daß es den Körper heftig durchzuckt . Dazwischen noch einmal sechzig bis siebenzig Streiche , dabei aber der Medikus Acht haben soll , ob der Verbrecher solches ohne Gefahr des Lebens bis zum End vertrage . « Also las der Schreiber dies erschreckliche Schriftstück , dabei mich ein kalter Schauer schüttelte und ich für eine Weil die Sprach verlor . In solchem elendigen Zustand fragte mich nun der Richter aufs neue , ob ich der besagte Johannes Schröckh sei oder nicht . Da sagte ich noch : » Bei Gott , nein ! - Mathias Bichler ... « Dann fiel ich wie ein Klotz zur Erden und wurde ohnmächtig in die Keuchen und zu dem Magister verbracht . Der bebte vor Zorn , da ich wieder zu mir kam , und versicherte mir hoch und heilig , daß er mich retten wollt um jeden Preis . Und da der Mittag kam und wir ein Schüsselchen Suppe zur Mahlzeit erhielten , sagte er zum Schürgen : » Sagt dem Richter , ich hätt was zu melden . « Dann forschte er mein ganzes Leben aus mir heraus , nannte besonders die Namen des Lackenschusters und des Meisters Eberhard Birchmayer etwan zwanzigmal und wiederholte das , was ich ihm erzählt , so lange halblaut , bis er zum Richter geholt wurde , daselbst er leichtlich eine Stunde verblieb . Hab eine harte Weil gehabt in jener Stund und billig unsers Herrn gedacht und seiner Not , da er vor seinem Sterben am Ölberg kniete und Blut schwitzte . Und es kam mir wieder das alte Gebet auf die Lippen , das meine Ziehmutter , die Weidhoferin selig , jeden Donnerstag beim Nachtläuten gebetet hatte : O du liebster Herr Jesu Christ , Traurig zum Ölberg gangen bist ; Denn du erkanntest in deinem Herzen , Daß du leiden müssest große Schmerzen , Den Vater batest mit Begier , Daß er nähm den Kelch von dir . Vor Todesangst war dir so heiß , Daß dir ausging der blutge Schweiß ; Und als du solchen überwunden , Hast deine Jünger schlafend funden .