aufs neue wälzen und heben und peitschte sie wirbelnd im Kreise , bis sie der Wirrnis so nahe waren , daß keiner mehr von sich und vom anderen wußte . - - - Werner hatte sich seit jenem Abend nicht wieder blicken lassen , und sie wußte , daß er eine andere liebte und daß sie ihn verloren hatte . Zuzeiten , wenn die Besonnenheit sich über den Aufruhr ihres Herzens schwang , fragte sie sich , warum sie darüber verbittert und verzweifelt war , warum der Groll in ihr wühlte . Aber wie sehr sie sich auch selbst zusprach , wie einer fremden , zweiten Person , die sie von der Notwendigkeit dieses Geschehens zu überzeugen hatte , - es nützte nichts . Die Stunden , wo sie , fahlen Gesichtes , zusammengekauert , frierend , trotz voller Heizung und warmer Tücher , in einer Ecke saß und die bösen Gefühle in ihr hin und her strömten , vom Gehirn zum Herzen und wieder dahin zurück , - häuften sich mehr und mehr . Sie saß da , eine Beute trostloser Gedanken , verwühlt in bohrendes Grübeln und hielt im Geiste jene furchtbarste Zwiesprache , die der machtlos Verirrte mit seinem entdoppelten , zerspaltenen Selbst führt . Verklagte sie mit dem einen Ich den Mann , bezichtete ihn elender Gefühlsschwäche , des Unvermögens zur Gestaltung und Festigung eines guten Empfindens , der Beeinflußbarkeit von jedem neuen Reiz , der sein Hirn traf , der Beirrbarkeit der Anschauung , der Direktionslosigkeit , des Mangels an seelischem Orientierungsvermögen , an wegeweisenden , heilen Instinkten , der Triebschwäche , die das Begehren mißleitet und hemmt , kurz des Mangels an starker Menschlichkeit , an ungebrochener Männlichkeit , - so ging sie mit sich selbst nicht schonungsvoller um . Sie nannte sich eine Stümperin , die plump geradeaus ging , die zu schwer und zu ahnungslos war , aus den gewundenen Wegen des Irrgartens der Liebe herauszufinden ins beglückende Freie , - dahin , wo es keinen Zweifel mehr gab , kein quälendes Suchen nacheinander , - wo die Sonne der vollen Gewißheit schien , der ruhenden Zuversicht , der Geborgenheit . Dort war die Heimat , der das Weib zustrebte , - von allem Anfang an bis zu allem Ende , - mochte sich seine Stellung zur Welt durch die Jahrtausende immer wieder verändern , mochte es Sklavin oder Herrin sein , als Traumwesen dämmern oder wachsamen Auges am Strome stehen , mochte es , pflanzenhaft verwurzelt , in seinen Trieben weben oder frei sich sein Teil nehmen am Rechte der Selbstbewegung , - dort , unter jener Sonne friedvoll erfüllter Gefährtenschaft war immer seine Heimat , dorthin , durch alles hindurch , führte sein Weg . Mit halben Gefühlen , bedrückt von Zweifeln , hatte sie dieses Verhältnis begonnen . Sie war hineingeraten , fast gegen ihren Willen und Vorsatz . Aber dann hatte es sie immer fester gefaßt , - es war ihr gegangen , wie den Frauen zumeist : so , daß sie erst » über der Situation « gestanden , dann mehr und mehr in sie hineingeraten , und sich schließlich von ihr überwältigen lassen . Die » Situation « ist die Liebe ... Vielleicht , so grübelte sie , hatte sie zu viel verlangt - und darum nichts erlangt ? Vielleicht auf falsche Art gegeben , - so gegeben , daß sich darin zeigte , daß sie selbst etwas wollte und brauchte ? Hatte gegeben , hingegeben , wie ein Mensch , der in Abhängigkeit geraten ist , - anstatt stolz zu spenden ? Zum erstenmal zeigte sich ihr , wie unter vergrößernder Linse , das , was sie bisher für ein Einziges und Einheitliches gehalten , als hundertfältig zusammengesetzt und gegliedert . Das eigene , leidvolle Erlebnis hatte ihr das Auge geschärft für diese geheimnisvollen , vielfältigen Windungen , die den Boden der Menschenseele durchziehn und im Liebeskampf bestimmend wirken . Schonungslos fragte sie sich , was sie denn , mit bangen Ahnungen von Anfang an , dazu getrieben , sich in die Gefahr zu stürzen . Ja , es war mehr als Ahnung , es war , zu Anfang , manchmal ein erschreckend klares Wissen gewesen , - daß dieses Erlebnis ein Abbiegen von ihrem Wege sei ; freilich , der Weg war versandet und einsam , und um die Biegung herum lockte das ewige Grün . - - - Und der Groll ihrer bittersten Stunden wechselte mit der wehen Sensucht , ihn wiederzusehen . Zärtlichkeit hatte sie gelabt , - nun dürstete sie . Durfte sie ihn beschuldigen , sie verraten zu haben ? Sie gab sich die Antwort : Verrat kann nur begangen werden an dem , der alles gab . Sie , ja sie hatte gegeben - aber nicht alles , was sie zu geben hatte . Niemals hatte sie ihr Wesen sich auflösen gefühlt in Werners Nähe , und sie wußte , daß das große Fühlen , dieses bis an die Wurzeln Erschütternde , nie über sie gekommen war , - nie , dieses Erbeben , das die restlose Wonne begleitet und das der Jubel des Herzens übertönt : - er ist ' s , er ist ' s ! ... Und so hielt sie zwischen Groll und Weh und Sehnsucht - Abrechnung mit sich selbst . Sie beschuldigte sich des verirrten , selbstsüchtigen Wollens , an dessen Unreinheit , Verschwommenheit und Schwächlichkeit sie nun scheiterte . Gerecht und billig war , was ihr geschah , - so sagte sie sich , während sie tatenlos in ihrer Ecke zusammengesunken saß und fror und grübelte , und die Gespräche , hinter ihrer Stirn , sich endlos spannen . Sie sah ihr blasses , wie erloschenes , verweintes Gesicht im Spiegel und fand es häßlich . Sie litt unter der zunehmenden Kürze der Tage , dem Mangel an Sonne . Unmöglich schien es ihr , ihre berufliche Arbeit zu leisten und , wie sie es bisher getan , ihre kleine Wohnung in Ordnung