Interesse war . Sie hält das Andenken an die schöne Schwester Winnetous hoch , sehr hoch . Sie hatte wohl oft schon gesagt , daß sie herzlich wünsche , wenigstens das Grab der schönen , lieben Indianerin einmal zu sehen . Dabei war sie aber stets überzeugt gewesen , daß sie niemals nach Amerika kommen werde . Und nun war sie doch drüben , und die Erfüllung ihres Wunsches stand bevor . Auch der » junge Adler « schien sich mit ernsten Gedanken zu tragen . Bezogen sie sich etwa auf mich ? Er sah mich zuweilen so eigentümlich prüfend an , senkte aber schnell den Blick , wenn der meinige ihn dabei überraschte . Die beiden Enters kamen uns Dreien nicht zu nahe . Sie hielten sich hinter uns zu Pappermann , der heut sehr genau wußte , was er ihnen sagen durfte und was nicht . Ich hatte ihn gestern abend vor dem Schlafengehen genau instruiert . Es war noch nicht Mittag , als die Berge im Süden auftauchten . Sie wurden umso höher , je näher wir kamen . Auf ihrer höchsten , bewaldeten Kuppe stand noch immer jener Baum , der über alle andern emporragte . Auch dem Herzle fiel er auf . » Wie das so stimmt ! « sagte sie . » Nicht wahr , da hinauf hatte Winnetou seinen Späher geschickt ? « » Ja , « nickte ich . » Sag , wie ist es dir nur zu Mute ? Ich möchte weinen . Du nicht auch ? « Ich antwortete nicht . Wir umritten die dunklen Höhen auf ihrer westlichen Seite und bogen dann im Süden nach links ein , um an das tief hineinführende Tal zu kommen , welches meine Leser alle kennen . Diesem folgten wir bis an die betreffende Seitenschlucht , die uns weiter hinaufleitete und dann sich teilte . Da stiegen wir ab und kletterten , die Pferde an den Zügeln führend , zu der scharfkantigen Höhe empor , hinter welcher das Terrain sich wieder senkte . Dann ging es jenseits hinab und in gerader Richtung durch den Wald , bis wir unser Ziel erreichten . Da standen sie beide , das Grabmal , in welchem Intschu tschuna , der Vater meines Winnetou , hoch auf dem Rücken seines Pferdes saß , und die Steinpyramide , aus welcher der Baum zur Höhe stieg , an dessen Stamm Nscho-tschi zur Ruhe bestattet worden war . Ich hielt an . Es überkam mich ein Gefühl , als ob ich erst gestern zum letzten Male hier gewesen sei . Die Bäume waren höher geworden und das Unterholz etwas dichter . Sonst aber schien es , als ob die tiefe , ergreifende Ruhe dieses Ortes Jahrzehnte lang von keinem Windeshauch gestört worden sei . » Da liegen die Häuptlinge der Kiowas , « sagte Sebulon Enters . » Wir sind also an Ort und Stelle . Bleiben wir heute da ? « » Ja . Vielleicht auch morgen noch , « antwortete ich . » Schaffe die Beiden wenigstens einstweilen fort ! « bat meine Frau leise . » Sie sollen mir diese erste Stunde nicht verderben ! « Schon wollte ich ihr diesen Wunsch erfüllen , da kam Sebulon mir zuvor : » Soll ich vielleicht mit meinem Bruder gehen , um einen frischen Braten zu schießen ? Oder gibt es gleich jetzt die versprochenen Bärentatzen ? « » Ja , geht und versucht , ob ihr irgend Etwas vor das Rohr bekommt ! « fiel Klärchen schnell ein . » Ihr habt mehrere Stunden lang Zeit . Wir essen erst am Nachmittag . « Sie entfernten sich . Ich schlug mit Pappermann das Zelt auf . Der brave Alte vermied dabei so viel wie möglich alles Geräusch . Er sah , daß das Herzle am Grabe der Schwester kniete und betete . Ich darf es wohl verraten : sie betet oft und gern . Dann kam sie zu dem Grabe des Häuptlings . Am Fuße desselben , genau an der Westseite , gab es eine kleine , etwas eingesunkene Stelle , die aber auch , wie ihre Umgebung , mit moosigem Gras überwachsen war . » Hier hast du wohl damals gegraben ? « fragte sie . » Ja , « antwortete ich . » Ich habe das Loch zwar sehr sorgfältig wieder geschlossen , aber während des Grabens ist doch so viel Erde verloren gegangen , daß sie später fehlte , als die Füllung sich nach und nach setzte . Daher diese Vertiefung . « » Die aber auch Andere auf den Gedanken bringen kann , nachzugraben ! « » Mögen sie es tun ! Sie würden wohl nichts finden . « » Ich bitte dich , das nicht so sicher zu sagen . Ich habe nämlich einen Gedanken . « » Ah ! Wirklich ? « » Ja , wirklich ! Und zwar nicht erst jetzt , sondern schon während des ganzen Vormittages . « » Du schienst allerdings sehr nachdenklich zu sein . War es das ? « » Ja , nichts Anderes . « » So bitte , laß es mich wissen ! « Ich bin nämlich gewohnt , die Gedanken und Gefühle meiner Frau in allen Stücken mit in Erwägung zu ziehen . Ihr angeborener Scharfsinn kommt mir oft zu Hilfe , während mein mühsam erworbener Scharfblick mich in die Irre führt . Ich gebe gern zu , daß die Frau dem Manne in Beziehung auf die feineren Instinkte überlegen ist . Darum freue ich mich immer , wenn die meinige mir sagt , daß sie einen » Gedanken « oder eine » Ahnung « habe , denn ich weiß , daß es mir zur Hilfe dient . So auch jetzt . Sie antwortete : » Je näher wir heut diesen Bergen kamen , desto deutlicher und zusammenhängender trat Alles , was du von ihnen erzählt hast , vor mich hin . Und da kam mir ein Wort in den Sinn , welches nicht