: » Die Pappenheimer stürmen bei der Hohenpforte , Kapitän Schulz läßt um schnellen Sukkurs bitten - der Feind ist allbereits auf dem Oberwalle . « Bleich und finster starrete mich der Oberst an . Dann verzerrte er das Angesicht zu einem höhnischen Grimme , und aus der breiten Heldenbrust preßte sich ein seltsamlicher Laut , zugleich ein Stöhnen und ein Triumphieren . » Auf ! « rief er in plötzlicher Entschlossenheit und stürmte mit Sporengeklirr zum Saal hinaus , die Treppe hinab . Ich hinter ihm drein . Bei seinem Pferde angelangt , das der Page - wie auch das meine - am Zügel hielt , wandte sich der Oberst zu mir : » Reit Er zur Marschschanze , Oberstleutnant Trost soll mit seinen Reitern der Hohenpforte Sukkurs bringen - schnell , fort ! « Und schon saßen wir beide im Sattel , gaben den Pferden einen Sporenhieb und galoppierten nach verschiedenen Richtungen . Ich den Johannisberg hinunter , über die Strombrücke auf die Insel , so man den Stadtmarsch heißet . Da kam mir der Oberistleutnant Trost mit seinen Reitern entgegen . Ich tat ihm Meldung und trabte gemeinsam mit dem Geschwader zum Orte des Kampfes , von wo das Schießen wie ein unaufhörlich Geknatter erscholl . Munition hatte ich nun . Als wir in die Große Lakenmacherstraße kamen , sahen wir das Mannsgetümmel mit Pulverdampf und blitzenden Waffen . Hinten aus den Häusern am Tore flogen Steine , Hausgeräte und Balken auf Feindes Haupt hernieder . Ein hölzern Haus stund in Flammen , in der sonnigen Maienfrühe seltsamlich anzuschauen , gleich einer Kerze , so milden Lichtes bei Tage brennt . » Platz gemacht , Platz ! « rief der Oberistleutnant Trost , da wir den kämpfenden Unseren im Rücken waren . Als diese nun zur Seite auswichen und eine Gasse eröffneten , rasselten wir wie ein Donnerwetter hindurch und pralleten wider den Feind , der dicht zusammengedrängt die Picken vorstreckte , während seine Musketiere wider uns eine Salve abgaben . Rings um mich brachen Rosse zusammen und Reiter stürzten , andere Rosse bäumten mit Angstgewieher , Blutquellen schossen aus Tieren und Menschen herfür , ein Stöhnen und Röcheln , ein Klappern aufschlagender Harnische und Waffen , ein Wehgeschrei und Wutgeheul erfüllte die Luft . Gleich darauf ward aus einem Fenster von nackten Weiberarmen ein Kessel geschwungen , und unter höhnischem Gekreische siedend Öl auf Feindeshaupt gegossen . Hinterher hagelte es Steine , Hausgeräte , brennende Fackeln und wuchtige Balken . Da gerieten die Pappenheimischen Picken in Unordnung . Den Moment nutzend und angetrieben von der Löwenstimme Falkenbergs , der auf einmal unsere Führung hatte , gab alles , was von den Unseren heil geblieben , darunter ich , dem Rosse die Sporen und brach hauend oder mit Pistol und Karbiner schießend in die feindliche Menschenmauer ein . Vor mir , neben mir hieben , stachen die Picken , Arme wurden geschwungen , Säbel sauseten , Helme prasselten , man schrie und heulete . Ich hieb wie rasend auf den Feind . Und abermals sahe ich Blutquellen herfürbrechen und manchen Getroffenen stürzen . Diesmal gewannen wir die Oberhand . Des Feindes Ordnung löste sich , und was nicht liegen blieb , retirierte zur Hohenpforte . » Gewonnen ! Gewonnen ! « Mit diesem Rufe spornten wir die Rosse zur Verfolgung , unsere Fußtruppen , so inzwischen ihre Musketen geladen hatten , kamen hinterdrein gerannt , wir Reiter machten ihnen eine Gasse , und sie brannten dem flüchtigen Feinde ihre Kugeln auf den Pelz , daß die Lappen flogen . Schon waren die Pappenheimischen Eindringlinge über den Oberwall zurück in die Faussebraye geworfen , und wir vermeinten , nun werde uns der völlige Sieg gelingen , als auf einmal eine furchtbare Salve groben Geschützes aus der Richtung des Krökentors in unsern Haufen schmetterte . Ich hörte , wie die Unseren auf dem Walle schrien und wimmerten , und dann rief eine Stimme : » Mit unserer eigenen Batterie erschießen uns die Hunde ! Auf ! Schmeißet sie hinunter ! « Drauf so gingen die Unseren mit Wutgebrüll vor . Wir Reiter wollten absitzen und gleichfalls auf den Wall eilen . Aber da kam Herr Uslar herangesprengt : » Her zu mir ! Vom Fischerufer kommen Kroaten ! Mir nach ! « Nun wendeten wir die Pferde und folgten dem Offizier . An der Ecke , wo eine Gasse zum Fischerufer hinunterführet , wimmelte es von Menschen . Bürger wollten hastig Ketten über die Gasse spannen . Doch der Oberste Falkenberg schrie : » Noch nicht ! Lasset unsere Reiter durch ! « Hierauf so schwenketen wir in die Gasse ein und sahen uns einem kroatischen Reitergeschwader gegenüber . Mit Karbinern schoß es nach den Fenstern , aus denen Steine und Balken geflogen kamen . » Auf und drein ! « rief Herr Falkenberg mit geschwungenem Schwerte , wir rasselten an den Feind und warfen ihn , daß er ausriß . Wir folgten ihm zum Fischerufer . Hier kamen Kroaten aus den Häusern , wo sie geplündert hatten . Wir hieben sie nieder . Doch da sahen wir , wie vom Rondel an der Elbe neue Kroaten geritten kamen ; der Wasserstand war also niedrig , daß die Pferde bei der Mauer waten konnten . Es half uns wenig , daß wir auf den Feind schoßen . Immer neue Schwadronen rückten heran , und weil alle ihre Feuerrohre geladen waren , verloren wir viel Leute und mußten weichen . Der nachrückende Feind kam in der engen Gasse nicht weit . Denn gleich hinter uns hatten die Bürger Ketten gespannt und ihre Häuser zu Festungen umgewandelt . Aber nun flammte eine neue Feuersbrunst auf . Der Feind warf Pechkränze in die Häuser , um durch Brand die Verteidiger auszutreiben . Wir hielten an der Ecke der Lakenmacherstraße , als auf einmal von der Hohenpforte her eine wilde Flucht der Unseren kam . Gleich hinterher wurden feindliche Harnischreiter sichtbar , und Rufe des Entsetzens gingen durch unsere Reihen : » Jesus