mit der anderen vor dem Laden stehen geblieben und hat hineingesehen . « » Das wissen Sie nicht , John . Man darf eine Dame nicht anreden . « Sylvester sagte das so bestimmt , als verkünde er eine große Wahrheit . Innerlich machte er sich Vorwürfe über sein Verhalten . Er malte sich umständlich aus , wie er sich hätte benehmen sollen , und was dann gewesen wäre . Wenn er zum Beispiel Fräulein Traudchen angesprochen hätte : » Ich wollte mich nur nach dem Befinden Ihrer werten Eltern erkundigen « , oder : » Darf ich mir die Frage erlauben , ob Sie im Klavierspielen noch immer so große Fortschritte machen ? « Es war zu vermuten , daß die junge Dame freundlich geantwortet hätte , und dann war die Möglichkeit geboten , noch einige detaillierte Fragen zu stellen nach dem besonderen Befinden des Papa Sporner und dem besonderen Befinden der Mama Sporner , ja , sogar nach den Erlebnissen der Tochter selbst . Sylvester nahm sich fest vor , die nächste Gelegenheit nicht wieder so töricht zu versäumen und gründlich das Gesetz zu übertreten , welches er soeben feierlich dem John White jun. kundgegeben hatte . Aber das Schicksal ließ ihn diesen Fehltritt nicht begehen . Obwohl er von nun ab für seine belehrenden Spaziergänge immer wieder den Maximiliansplatz wählte , unterbrachen ihn keine lachenden Mädchen mehr , und er konnte ganz ungestört alle Irrtümer beseitigen , welche sich in die geschichtlichen Kenntnisse seines Schülers eingeschlichen hatten . Jetzt ging Sylvester in seinen kühnen Plänen weiter . Er wollte möglichst oft den Weg durch die Rosengasse nehmen und so den ersehnten Zufall mit Gewalt herbeiführen . Er konnte doch wie andere Menschen ganz unbefangen an der Firma Sporners selige Erben vorübergehen , auch zufällig zum dritten Fenster im ersten Stocke hinaufsehen und zufällig einem Mitgliede der Familie begegnen . Solche Vorsätze faßte Sylvester Mang und hielt an ihnen fest , bis er an die Ecke der Rosengasse kam . Hier kehrte er jedesmal wieder um und legte sich die Gründe vor , welche gegen das Unternehmen sprachen . Doch einmal faßte er sich ein Herz und bog mit unbefangener Miene in die Gasse ein . Aber seine Schritte wurden langsamer , je näher er an das Haus kam . Er schlich hart an der Wand von Sporners seligen Erben vorbei , und als er zur Ladentüre kam , machte er mit abgewandtem Gesichte drei große Schritte , um den Blicken der Madame Sporner zu entgehen , welche von der Kasse aus die Straße übersehen konnte . Ach , wie lieblich duftete der Kaffee ! Wie freundlich glänzte der Messinggriff an der Türe ! Und wie lustig rauchte der Neger auf dem gemalten Schilde ! Das würde nun so kommen , dachte Sylvester . Herr Assessor Schratt und er würden den Ball besuchen . Herr Assessor Schratt würde die Familie Sporner begrüßen , und da müßte sich eine gute Gelegenheit finden , daß er sich gleichfalls dem Papa , der Mama und dem Fräulein in Erinnerung bringen konnte . » Warum soll ich noch auf einen Ball gehen ? « fragte Schratt . » Bitte , sagen Sie zu ! Sie werden sich sehr gut unterhalten , « bat Sylvester . » Das weiß ich nun gar nicht . « » Gewiß ; Sie werden sehen . Hufnagel sagt , es kommen sehr feine Familien . « » Wer ist Hufnagel ? « » Der Vorstand der ' Klio ' . Er studiert Philologie . « » Das verrät allerdings eine gewisse Gediegenheit des Charakters . Und er übernimmt die Garantie , daß nur feine Familien kommen ? « » Ja , bekannte Bürger und höhere Beamte . « » Höhere Beamte , bekannte Bürger . Sagen Sie , Sylvester , wird sich unter den bekannten Bürgern auch ein gewisser Michael Sporner befinden ? Mich interessiert das , weil dieser Herr mein Tee- und Tabaklieferant ist . « Sylvester wurde rot , und der alte Max Schratt nahm die Pfeife aus dem Munde und lachte herzlich . » Sie sind einmal ein Duckmäuser ! Seit zwei Tagen schildern Sie mir alle Herrlichkeiten , die mich auf dem Balle erwarten , und die Hauptsache verschweigen Sie ! « » Ich dachte ... « » Sie dachten , daß ich hingehen sollte , um wieder einmal höhere Beamte zu sehen ? « » Also werden Sie kommen ? « » Vielleicht . Weil Sie ein guter Kerl sind . « » Ich kann Ihnen nicht sagen , wie mich das freut . Ich bin Ihnen so dankbar ! « » Was versprechen Sie sich eigentlich von mir ? Soll ich den Eltern Ihre Vorzüge schildern ? « » Nein , wenn Sie nur dort sind ! Dann traue ich mich , mit der Familie zu reden . « » Schön ! Reden Sie mit der Familie , vergessen Sie dabei aber nicht , das hübsche Fräulein Traudel zu engagieren ! Ich werde mein möglichstes tun , um das Gemüt des Herrn Sporner zu erheitern . Post epulas sermones haberi solent . Nach dem Souper gibt man sich Gesprächen hin . Ich will ihn fragen , wo der beste Teestrauch wächst . « Dem Sylvester Mang war eine große Last vom Herzen genommen , als er die Zusage seines alten Freundes hatte . Er sollte ihm ein Schild sein gegen die erstaunten Blicke der Madame Sporner , ein Bote seiner aufrichtigen Verehrung für sie , der wohlwollende Erklärer aller Tatsachen , welche seine Teilnahme an solchen Lustbarkeiten entschuldigen konnten . Der Ball wurde abgehalten im Hackerbräusaale ; begann des Abends acht Uhr mit einer Polonäse und endete am frühen Morgen mit einem Kotillon ; begann mit steifen Verbeugungen der jungen Männer , scheuen Blicken der Mädchen und endete mit fröhlichem Plaudern , begann mit einem schmerzlichen Lächeln des Herrn Merkle und endete mit der ausdrucksvollen Gebärde seiner Zufriedenheit . Sylvester war frühzeitig gekommen . Er wollte auf Schratt warten , aber