oder ich treibe dem Wahnsinn zu - ich weiß es , fühle es , wie er mich immer mehr umfängt . Nur selten kommt eine klare Stunde wie jetzt , wo ich mir sage , daß das alles krankhaft ist - körperlich . Aber wenn ich es mir Tag und Nacht vorsagen wollte , es hilft nichts , es ist da , weicht nicht von mir . - Den ganzen Tag stehen mir die Augen voller Tränen , und meine Stimme versagt bei den gleichgültigsten Worten . Ich kann nicht mehr auf den See fahren , nicht mehr ans Ufer gehen , ich fürchte mich vor dem Wasser - , daß ich auf einmal die Besinnung verlieren und mich da hineinwerfen könnte , in die Tiefe , die nach mir ruft . Nein , ich muß mich retten vor diesem Ruf , sonst verschlingt es mich - mich und mein Kind . München , Juli Aus einer langen Nacht bin ich zurückgekehrt - war es nicht schon , als ob schwarze Totenhände mich umklammert hielten , sich immer fester krallten , bis das Bewußtsein sich unter ihrem Griff allmählich verwirrte ? Dann ließen sie langsam , langsam wieder los . Oft geht es noch durch dunkle Tiefen jetzt - , aber ich sehe das Licht wieder , und es scheint in mich hinein . Ich kann jetzt wieder lächeln über all die Schrecken , wie ein Arzt über die Einbildungen seiner Kranken lächelt . Das Leben wollte mich doch nicht von sich lassen , und es hat lauter gerufen wie all die schlimmen , dunklen Mächte . Mein Gott , wie rasch uns etwas Überwundenes in der Erinnerung fremd und unbegreiflich erscheint . Wer denkt , wenn die Sonne aufgeht , noch an die Gespenster , die ihn in der langen , schlaflosen Nacht marterten ? Er kann nur noch fühlen , daß die Welt sich in Klarheit verwandelt hat . Und so geht es mir jetzt - ich weiß nicht , wo die dunkle Angst geblieben ist und woher mir die tiefe Ruhe kommt - Ruhe in mir selbst , die ich nie gekannt habe . - Ich war der ruheloseste Mensch unter der Sonne , immer im Kampf , in tausend Kämpfen . Jetzt möchte ich nur still sein , und lauter neue Gedanken treiben in mir , wie Blüten , die man noch nie gesehen hat . - Wo waren sie vorher ? Wo war ich selbst und mein Leben ? Es rannte immer in die Irre und immer wieder durch lauter Stachelhecken , riß sich wund und blutete aus vielen Wunden - und ich stand daneben und sah ratlos zu und war verzweifelt , weil nie die Blumenwiesen kamen , die ich suchte . Warum haben wir als Kinder keine Lehrmeister , die uns lehren , mit dem Leben eins zu werden , warum haben sie uns immer nur gesagt , daß es Feindschaft und Kampf sein müßte , schwer und hart ? Das ist es nur , solange wir uns dagegen sträuben , taub und blind dahinrennen und nicht hören , was es uns sagt . Und wenn wir das einmal dunkel ahnen wollen , dann schreit so viel dagegen an , von außen her und von dem , was man jahrelang in uns hineingelogen hat , daß wir uns immer wieder von dem wirren Lärm betäuben lassen . Ich glaubte so mutig zu sein , weil ich ein paar Sprünge gemacht hatte , die nicht alle wagen - , aber wie elend verzagt bin ich dann oft dagesessen und habe an der Lektion herumbuchstabiert , die das Leben mir zu lernen gab - wie töricht hab ' ich gemeint , sie hieße Entsagung , Enttäuschung oder noch alles mögliche andere . Jetzt kommt es mir vor , als ob mit dem großen Rätsel , das sich in meinem Körper vollendet , auch all die andern Rätsel sich lösten , als ob ich mit anderen Augen sähe , mit anderen Sinnen fühlte , und endlich fange ich an , lesen zu lernen . - - Ein kleines , enges Zimmer mit zwei Fenstern nach Süden - ohne Läden , die man gegen die Hitze schließen könnte - mein alter , großer Tisch , der fast den ganzen Raum ausfüllt - gegenüber Schieferdächer , auf denen die Sonne glüht - und schreiben , den ganzen Tag von Morgen bis Abend . Aber jetzt sage ich nicht mehr : Was führst du für ein Dasein ? Ich würde kein anderes Schicksal mehr gegen meines eintauschen , auch das vergangene nicht . - Wie ich mich all der Verzagtheit schäme - wie konnte ich mich so vor feindlichen Blicken fürchten ? Einzelne von früheren Bekannten grüßen mich nicht mehr , andere beklagen mich . Mehr oder minder bin ich in ihren Augen doch jetzt für immer bankerott - entgleist - die Tore der » Gesellschaft « sind für immer hinter mir zugefallen . Und das Kind ? - Ich weiß meine Verantwortung wohl - und ich bin froh , ihm gerade dieses Schicksal bieten zu können - ich will es lehren , sein Schicksal zu lieben , wie ich meines lieben gelernt habe . Zu Hause trage ich nur noch lange , weiße Kleider , die nach verwöhnter Ruhe aussehen , und die träume ich mir dann manchmal dazu . Wie müßte das sein , jetzt so leben zu können - in großen hellen Räumen mit vielen Blumen und festlichen Dingen - frohe Menschen um mich her , die alles für mich täten , mich verwöhnten - und dann nur daliegen und an das Kind denken . Wenn ich dann auffahre und mich besinne , laufen mir dicke Tropfen von der Stirn , und die Hände wollen nicht weiter . Die Hitze ist lähmend - auf meinem Tisch steht immer eine große Schale mit Eis , um Kopf und Hände daran zu kühlen - das ist mein einziger Luxus . August Die Heimat ist bereit , in der