also beide ! Das von der Empörung und der hierauf folgenden Erhebung und Beförderung war wohl nur Kindergeschwätz . Aber das Andere hat mich sehr bedenklich gemacht . Pekala hat mir von Isphahan erzählt , von ihrem Vater , von Tifl , wie er betrunken gewesen ist , vom Ustad , der sich ihrer angenommen hat , von seinem Tode und von seinem Grabe hier im Hause . Sie weint dabei vor Rührung . Es kommen so schöne Stellen vor , auch Gedichte . Man wird da selbst gerührt und hält sie für ein frommes , liebes , seelensgutes Wesen . Aber sie hat das fast mit ganz denselben Worten und denselben Tränen auch meiner Mutter erzählt ; sie erzählt es überhaupt Jedem , der sich von ihr festhalten läßt , sogar den Hadeddihn , die mit uns gekommen sind . Dadurch wird ja das Heiligste entheiligt ! Und wenn sie bei jeder Gelegenheit hinzufügt , daß die Männer alle noch erzogen werden müssen , so wird sie lächerlich . Vor allen Dingen aber hat mich Folgendes empört : Kaum haben Pekala und Tifl von den hohen Eigenschaften ihres Ustad gesprochen , so dichten sie ihm eine Menge ganz gewöhnlicher , sogar gemeiner Fehler an , die er gar nicht besitzt , sondern die sie nur von sich selbst auf ihn übertragen , weil sie alles , was sie an ihm nicht verstehen können , für Mängel halten wie die ihrigen . Und das tun sie in so niederträchtig vertraulicher Weise , als ob er sie für Engel halte , an denen er sich gern ein Vorbild nehme ! Das ist teuflisch , doppelt teuflisch , weil es mit so freundlich lächelndem Munde und mit so warmer Rücksicht ausgesprochen wird . Ich habe es gehört ; Jeder hat es gehört ; Alle können es hören , die es hören wollen . Er allein , der vollständig Arglose , der stets und ganz Vertrauende , hat keine Ahnung von der Menge dieser giftigen Gedankenschlangen , die sich unablässig zu seinen Füßen ringeln , ohne daß er es bemerkt , weil er nie auf das Niedrige , auf das Gemeine achtet ! Sihdi , was mag ihm das wohl schon geschadet haben ! Wie gütig bist auch du zu dieser Pekala und diesem Tifl ! Ich aber halte sie für ein Gezücht , mit dem man keine Nachsicht üben sollte . Wer ist dieser Aschyk ? Ein Dschamiki wohl kaum . Sie verkehren mit ihm , und zwar heimlich , wie es scheint . Sie schildern auch ihm den Ustad gänzlich falsch . Er trägt es fort . Infolgedessen macht man sich da draußen im ganzen Lande über des Ustad sogenannte Fehler und Schwächen lustig , die aber nur in den schwachen Köpfen einer dicken Köchin und eines dünnen Pferdejungen existieren ! Die Feinde sind wohl klug genug , das zu wissen . Sie lachen heimlich über die Türkin und ihr Kind . Oeffentlich aber tun sie , als ob sie es glauben , und verbreiten es aus allen Kräften weiter . Daher der freche Blick , den Ahriman Mirza für den Ustad hatte ! Und daher auch die unverschämte Stirn des Multasim ! Hätten diese Menschen sich wohl in der Weise , wie sie es taten , in den Duar und hinüber zum Tempel gewagt , wenn der Ruf des Ustad nicht schon fast vernichtet wäre ? Sihdi , ich sage dir : Zwei solche Personen im eigenen Hause sind gefährlicher , weit gefährlicher als hundert offene Gegner , die keine Liebe heucheln ! Ich habe noch nie , noch nie in dieser Weise zu dir gesprochen . Jetzt aber mußte ich es tun . Und warum ? Verzeihe mir , daß ich es sage ! Um einer Person willen , die euch mit ihrer Kerbelsuppe nur scheinbar erheitert , in Wirklichkeit aber regiert ! « Hierauf setzte er sich nieder . Wartete er , was ich nun sagen werde ? Wenn ja , so ließ er es sich doch nicht merken . Er schaute über den See hinüber , wo soeben das Boot vom Ufer stieß . Es saßen zwei Männer darin . Der eine ruderte ; der andere schien zu lesen . » Das ist der Dschamiki , welcher den andern das Singen lehrt , « sagte Kara , als ob er unser Gespräch als abgebrochen betrachte . » Und du bist der Hadeddihn , der mich etwas anderes lehrt , « antwortete ich . » Ich habe geglaubt , mich nur auf meine eigenen Augen verlassen zu können . Darf ich von jetzt an auch die deinen mit zu Rate ziehen ? « Da sprang er schnell wieder auf , kam zu mir her , kniete neben mir nieder , griff nach meiner Hand und rief im Tone des Glückes , der innigsten Freude aus : » Sihdi , ich danke dir ! Weißt du , was du mir mit diesen deinen Worten schenkst ? « » Ich weiß es , Kara : Dich selbst ! Du warst bisher ein Glied ; nun aber bist du Person , vollständige Person . Es wurde über dich bestimmt ; nun sollst du selbst bestimmen . Sag , gibt es noch andere Leute hier , welche dir Mißtrauen eingeflößt haben ? « » Ja . « » Wer ? « » Willst du Vermutungen hören ? « » Nein . « » So laß mich erst noch prüfen , ehe ich Namen nenne . Ich kann wohl Verdacht hegen , aber ihn weiterverbreiten , ohne Beweise zu haben , das würde gewissenlos gehandelt sein . Das aber tut Kara Ben Halef nicht ! Ueber Menschen also schweige ich noch , doch über Dinge kann ich sprechen . Ich muß dir etwas zeigen , was ich gefunden habe . Ich weiß nicht , ob es Edelsteine sind oder ob es Glas ist , aber es funkelt wie lauter Diamanten . « Er zog aus der Innentasche seiner Weste eine schmale Blechkapsel und