Scheiben oberer Häuserfronten legte , hatte Adam oft über dieses Kecke , Backfischige dabei redlichen Ernstes lächeln müssen . Heute war Alles trüb und zusammengeronnen , wenn auch unendlich hingebend und weich ... muntere , begehrende Menschen zum Lager lockend und ladend , zum gemeinsamen Lager . Aber Adam fühlte sich eben ermattet , wie steif verholzt und zusammengedrückt , klebrig verfilzt , hier und da in seinen Gelenken überflüssig unterbunden , und dazu aufgelegt , so viel als möglich kraftverwaisten Herzens zu vernachlässigen . Auch das Weib an seiner Seite zu vernachlässigen , das er aber doch nicht gut um diese frühe Stunde allein nach Hause gehen lassen konnte . Eine Auseinandersetzung mit Hedwigs Vater war unvermeidlich . Auch er muhte dabei sein . Ja ! diese Auseinandersetzung wohl eigentlich selbst einleiten . Das fiel ihm jetzt erst ein . Fatal und unbequem war ' s doch . Nun ! - da er das auf sich nehmen mußte , konnte er die paar Schritte , die ihm noch bis zu einem gewissen , an sich selbstverständlichen Ziele zu gehen blieben - dann konnte er sie nur getrost gehen . Hedwig würde wohl nicht minder im Sinne haben , die letzte Hand an ihr gemeinsames Werk mitanzulegen . Dann stimmte dieses Capitel wenigstens einigermaßen und erlebte eine Art Ende und Abschluß . Also vorwärts ! » Ich bin doch etwas müde ! « begann Adam stockend und gähnte dazu ein Gähnen , das nicht recht aus sich herauskommen wollte . » Bring mich nach Hause , Adam ! « bat Hedwig leise . Sie wußte selbst nicht recht Bescheid in sich in diesem Augenblicke . Auch sie war abgespannt , und nach dem Hochschwung des kleinen Weinrausches , den ihr die goldene Liebfrauenmilch und die miterlebte Plänkelei zwischen den beiden Herren eingeflößt , litt sie jetzt nur um so mehr unter der wiederkehrenden Müdigkeit . Aber zu ihrem Vater zurück ? Um diese Stunde ? Doch wohin sonst ? Etwa mit Adam herumspazieren , bis der Tag sich ganz breit gemacht hatte und die Menschen glaubten , es mit ihm wagen zu können ? Oh ! sie gingen beide schon so langsam und sehnten sich beide nach Ruhe und Rast ! Adam lachte mit forzirter Heftigkeit . » Hedwig ! Ich soll Dich nach Hause bringen - ? Das ist mehr als naiv , mein Kind ! Hörst Du die Nachtigallen schlagen ? Nun ! die schlagen uns etwas Anderes und Vernünftigeres vor . Wir promeniren erst noch ein Weilchen - siehst Du : hier sind wir ja gleich am Parke - die Wege werden allerdings verdammt matschig und breiig sein - na ! wir wollens nur ' mal versuchen - also wir schlucken noch ein Wenig die Morgenluft ein - machen uns ' n bissel frischer und dehniger , sehniger , beweglicher - nicht wahr , Kind ? - plaudern noch über Dies und Das - und nachher - nachher kommst Du mit zu mir , mein Lieb - und schläfst Dich bei mir tüchtig aus - und morgen respective heute früh gehe ich zu Deinem Papa und sage ihm ganz vergnügt , daß uns übermüthigen Menschenkindern der kleine Extra-Streich urfamos bekommen wäre ! Dein Papa wird doch auch in praxi Philosoph genug sein , um unsere That , in der sich die Natur einmal so recht ausgelebt hat , nicht mit der Krämerelle zu messen . Meinst Du nicht auch - ? « » Mit zu Dir gehen - nein , Adam , das thue ich auf keinen Fall ! « erklärte Hedwig sehr bestimmt und umschritt , zu Boden blickend , eine braungraue Wegpfütze , die sich in der Mitte des schmalen , glitschrigen Parksteges über Gebühr breit hingegossen hatte . » Das thust Du nicht - ? Nun ! was denken das gnädige Fräulein dann zu thun - ? « fragte Adam , höhnisch-verdrießlich . Er war doch im Grunde nur berechtigt , seiner Sache gewiß zu sein . Warum also überflüssige Weitläufigkeiten ? Unglaublich ! Aber die Weiber ! » Du hast doch gehört - ich will nach Hause gehen - « » Um diese Stunde ? Früh genug ist es allerdings . Aber wir sind schon von heute , mein Fräulein , und nicht mehr von gestern . Es ist ' n viertel Vier . Sonderbar ! Plötzlich genirst Du Dich nicht mehr ! Und gester Abend - « » Aber Du mußt doch begreifen , Adam , daß ich nicht mitgehen kann ! Und selbst - wenn auch - nein ! nein ! - - « » Ah ! Wenn auch ! Was denn nun noch , Hedwig - ? « » Nein ! nein - - ! « Hedwig hatte sich von Adam losgemacht und war stehen geblieben . Sie ließ den Kopf auf die Brust herabhängen und streckte mit zusammengeschobenen Fingern die Hände vor sich hin . » Ich kann nicht - ! « stieß sie gepreßt hervor . » Gieb mir nur einen einzigen , vernünftigen Grund an - « » Adam ! Von Einem zum Ander ' n reißt Du mich - « » Ist Dir das Tempo zu schnell ? Mit Schnecken um die Wette zu laufen - das ist allerdings reizlos für mich ... Ueberdies mußte es so kommen ! Warum sollen wir die Reise nicht an einem Tage machen ? Das Leben ist so kurz . Man darf sich nicht zu viel Zeit nehmen . Nicht auf jeder Zwischenstation aussteigen . Nun komm ! Hake Dich wieder ein ! Bitte ! Und sei meine kleine , vernünftige Hedwig ! Ja - ? « » Lieber Adam - ! « » Aber , Kind - warum sträubst Du Dich denn immer noch ? Unerklärlich ! Du kannst doch beim besten Willen jetzt nicht nach Hause gehen - siehst Du denn das gar nicht ein ? Was sollen wir noch ewig debattiren darüber ! Laß Dich doch überzeugen ! Du verdirbst mir den letzten Rest von Stimmung !