Flasche Wein , Schinken und Brot für den Doktor nach der Laube schaffen . Die Gefräßigkeit , mit welcher das kleine , runde Männchen darüber herfiel , und dessen schmatzendes Behagen war für die dermalige Gemütsstimmung Tonis ein so widerspruchsvoller Anblick , daß er sich hastig mit der Andeutung , » oben nachsehen zu müssen « , hinweg begab , was sicher auch dem Doktor sehr gelegen kam , der , allein gelassen , sofort jede beileidige Miene ablegte und unter dem Kauen einem hohen Grade von Wohlbefinden in unartikulierten Lauten Luft machte . Drei Tage darnach war die Taufe . Sie sollte in aller Stille verlaufen , denn die Sternsteinhofbäuerin lag so kraftlos dahin , als ob sie sich Lebens oder Sterbens besönne , und bei jedem aufdringlicheren Laut durchrieselte es sie vom Kopfe bis zu den Füßen . Als der junge Bauer , von nur wenigen Gästen geleitet , mit der Patin , einer der reichsten Bäuerinnen in der Umgegend , und der Hebmutter , welche in einem reichen Taufzeuge ein winziges , mißfarbiges Würmchen trug , die Stufen zur Kirche hinanstieg , lehnte an der Mauerbrüstung , dem Portale gegenüber , das Weib des Herrgottlmachers mit dem derben , pausbäckigen Buben auf dem Arme . Er starrte Helenen ins Gesicht , sie sah mit leicht gerunzelten Brauen nach ihm , auch das Kind blickte ihn so großäugig und ernst an , da senkte er den Kopf , und sein Blick glitt an der kräftigen Gestalt des Weibes herunter . Die Taufzeugen traten in die Kirche , die heilige Handlung begann . Nachdem die reiche Bäuerin namens des Täuflings versprochen , alles zu glauben , was die Kirche zu glauben vorschreibt , und dem Teufel und seinen Werken zu entsagen , erhielt das kleine Geschöpf , es war ein Mädchen , zu Ehren der Patin deren Namen Juliana . Als der Zug die Kirche verließ , ging der junge Sternsteinhofer vorgeneigt , wie wenn er vor sich auf dem Boden nach etwas suchte , er wußte , daß Helene noch da war , er fühlte es , daß sie ihn beobachtete , er hätte es auch gewußt und gefühlt , ohne die Schuhspitze ihres rechten Fußes zu sehen , die spielend kleine Kiesel wegschnellte . Vier Wochen mochten seit dieser Begegnung vergangen sein , der zweiten in den anderthalb Jahren seit Tonis Heimkehr , da kam eines Abends , ziemlich spät , die alte Zinshofer noch herübergelaufen und lud Helene mit wichtigtuenden Gesten und heimlichem Augenwinken ein , in die alte Hütte hinüberzukommen . Der jungen Kleebinderin war solch verstecktes und verhehlendes Gebärden zuwider , sie fuhr die Alte mürrisch an , doch gleich am Ort auszusagen , was es gebe , aber da diese rasch hinaushuschte , so folgte sie ihr verdrossen nach . Als die beiden drüben eintraten , saß der junge Sternstein-hofer auf der Gewandtruhe , den Rücken an die Wand gelehnt , mit herabhängenden Armen und drehte langsam , wie müde , den Kopf nach der Türe . Helene blieb an der Schwelle stehen , sie streckte den vollen , runden Arm gegen ihn aus und schüttelte mit der Hand . Schon hatte sie mit der Rechten die Klinke erfaßt , um wegeilend die Türe ins Schloß zu drücken , da stemmte sie plötzlich die Linke gegen die Hüfte und fragte in scharfem , grollendem Tone : » Was willst denn du eigentlich da ? « » Nix « , antwortete der junge Bauer , » gar nix . Dein Hrüberrufen hab ich nit verlangt und hätt ' s auch nit glitten , wenn ich drum gwußt hätt ; das war ein Einfall von deiner Mutter , zu der bin ich kommen , mein Jammer und Elend klagn und mich auszureden drüber , wie anders alls hätt werden können . Dös wird mir doch verlaubt sein ? Und ihr verüble nur nit ihr Mitleid für mich . « » Dir kommt nur heim , was du an mir gesündigt « , sagte Helene , damit trat sie hinaus , man hörte das Getrappel einiger eilender Schritte und dann das Scharren der Sohlen auf der Steinstufe vor der Türe des Nachbarhauses . Es war den Leuten einleuchtend , daß es dem jungen Sternsteinhofer hart aufliegen müsse , anstelle einer rührigen , lebfrischen Bäuerin so mit einem Schlag eine nichtsnutze , serbelnde auf dem Anwesen zu haben , und die Klügeren , die nicht jeden nach sich selbst beurteilten , behaupteten auch , sie hätten es vorhersagen können , wie er sein Unglück aufnehmen würde . Gram und Herzleid halten manchen an kurzem Faden fest am Orte , und so einer arbeitet dann oft doppelt soviel wie sonst , um des Leidwesens Herr zu werden , oder das wird der seine , dann sitzt er untätig dahin und verstumpft im fortwährenden Anblicke des Jammers ; einen andern jagen sie zum Haus hinaus , daß er wie im Nebel herumläuft , nur vom Heim wegtrachtend , oder gar in allen Wirtsstuben zuspricht und im Trunke Vergessen sucht . Daß der Toni den Sternsteinhof mit dem Rücken ansehen werde , das wollten eben die Klügeren vorausgesehen haben , jene aber , die immer anders täten , als ein anderer getan hat oder tut , die ihm das Überarbeiten und das » Herumknotzen « in der Krankenstube - eins sein Schad und keins der Bäuerin Nutz - übelgenommen haben würden , sie fanden es nun gar nicht schön , daß er auslief und das arme Weib vereinsamen lasse , es war in ihren Augen nicht zu entschuldigen , aber doch begreiflich . Nur über eines schüttelten bald die Bedachtsamen wie die Übelnehmerischen die Köpfe , über den häufigen Zuspruch des jungen Bauern bei der alten Zinshofer . Es vergingen wenige Abende , wo man ihn nicht nach der Hütte der Alten gehen oder des Weges von derselben kommen sah . Quacksalberte vielleicht die Alte , um der Sternsteinhoferin » ' n lieben Gsund « wiederzugeben ? Schon möglich .