Abenteuern und ungewöhnlichen Erlebnissen riß ihn mit sich fort . Er schlenderte im neuen , hübschen Seemannsanzug am Hafen entlang und rauchte eine Zigarre , deren Rauch ihm schon längst kein Unbehagen mehr einflößte . So etwa fünf oder sechs Tage lang konnte er von seinem kleinen Schatz noch leben , und bis dahin würde sich ja eine Heuer finden , möglichst nach unbewohnten wilden Küsten , vielleicht nach Afrika , wo die Ansiedlungen der Weißen zwischen den Bambushütten der Eingeborenen stehen , wo man mit kleinen Muscheln anstatt mit Geld bezahlt und die Schwarzen in ihrer ganzen Ursprünglichkeit kennenlernen kann . Er wollte sich überhaupt nur für eine Reise heuern lassen , um ganz sein eigener Herr zu bleiben . So sehr wie jetzt , da er eine schwere Zeit hinter sich hatte , war ihm die Reiselust , die Freiheitsschwärmerei noch niemals zu Kopf gestiegen . Sein Herz blieb freilich davon unberührt . Er schrieb an die alten Eltern einen so kindlichen Brief , wie ihn nur ein liebevoller , gehorsamer Sohn schreiben konnte , und wie er ungekünstelt aus seiner innersten Seele kam . Dann brachte er das umfangreiche Schreiben , das natürlich vor allem einen Bericht seiner Erlebnisse enthielt , selbst zur Post und begann wiederum die Musterung am Hafen . Jedes Segel erregte ja seine Aufmerksamkeit , jede Welle grüßte er mit lachenden Augen . Er saß auf einer zwischen zwei Steinen schwebenden Kette und beobachtete das Verladen eines Chinafahrers , als sich ihm wie zufällig ein Mann näherte , der in englischer Sprache um etwas Feuer bat . Robert hatte durch seinen Aufenthalt unter den Matrosen der Galliot und des Dampfers diese Sprache oberflächlich gelernt , daher reichte er sofort dem Fremden die Zigarre . Aber das Kraut , das der andere rauchte , mußte wohl nicht besonders viel wert sein , denn das Feuer verlöschte immer wieder , ohne gezündet zu haben . Der Fremde bat endlich um einen Augenblick Geduld und warf die Zigarre fort , während er eine andere aus der Brusttasche nahm . » Wahrer Schund , was mir der Gauner da gegeben hat ! « brummte er in deutscher Sprache . Robert lächelte . » Sollten wir zufällig Landsleute sein ? « » Ach , Sie sind Deutscher ? « » Aus der Nähe von Hamburg , ja ! « Der Unbekannte streckte mit der Miene eines angenehm Überraschten die Hand aus . » Das trifft sich ja gut « , sagte er zuvorkommend . » Auch ich bin Hamburger . « Robert berührte , nachdem er die dargebotene Rechte kräftig geschüttelt hatte , seine Mütze und rückte etwas beiseite , um auf der Kette dem Fremden neben sich Platz zu machen , dann , als beide Zigarren lustig den blauen Dampf emporwirbelten , folgte erst ein allgemeines Gespräch , das jedoch der Unbekannte schon sehr bald und sehr geschickt auf Roberts persönliche Angelegenheiten hinüberzuspielen wußte . » Sie sind , wie ich sehe , ein Seemann ? « fragte er . » Schon Vollmatrose ? « Robert lachte . » Streng genommen bin ich noch Junge « , antwortete er , » aber vielleicht gelingt es mir ja , eine Heuer als Leichtmatrose zu bekommen . Leisten kann ich ' s. « » Das läßt sich denken . Sie sehen aus , wie ein kräftiger junger Mann von zwanzig oder zweiundzwanzig Jahren . « Robert errötete ein wenig . Noch hatte ihn niemand mit Sie angeredet , und viel weniger war er wie ein erwachsener Mann behandelt worden . - Wirklich , dieser Fremde gefiel ihm außerordentlich . » Ich bin aber doch erst siebzehn Jahre « , antwortete er bescheiden . » Um als Leichtmatrose anzukommen , muß ich schon großes Glück haben . « Herr Hastedt , wie sich der Fremde nannte , lächelte mit einer Art von Gönnermiene . » So wissen Sie nicht , mein junger Freund , daß an tüchtigen Seeleuten immer Mangel ist ? « fragte er . » Zwanzig Heuer für eine , und wenn Sie heute noch anmustern wollen . Die Kapitäne suchen ihre Mannschaft mit der Laterne zusammen . « Robert wußte nun zwar , daß diese Behauptung nicht ohne einigen Grund war , aber ganz so leicht hatte er sich die Sache denn doch nicht gedacht , überhaupt wollte er bei seiner zweiten Wahl vorsichtiger sein und erst alles genau kennenlernen , ehe er den Vertrag abschloß . » Hm , hm « , meinte er und suchte seine Unerfahrenheit möglichst zu verbergen , » gute Schiffe haben wohl immer Besatzung genug . Es ist mehr der Ausschuß , der , wie Sie sagen , mit der Laterne suchen muß . « Um die Mundwinkel des Fremden zuckte verhaltenes Lächeln , das er aber schnell zu unterdrücken wußte . » Aber nein « , gab er kopfschüttelnd zurück , » wirklich nicht . Versuchen Sie es , und die Erfahrung wird lehren , daß ich recht habe . Selbstverständlich « , fuhr er scharf betonend fort , » dürfen Sie dabei diejenigen Schiffe nicht mitrechnen , zu denen sich die Matrosen drängen wie die Fliegen um den Honigtopf . Sie wissen , welche ich meine . « » Natürlich « , beeilte sich Robert zu antworten , » natürlich . Hauptsächlich sind das wohl - « » Die Walfischfahrer « , ergänzte der Fremde unbefangen nickend . » Ich sehe , Sie haben sich ein hübsches Verständnis Ihres Faches schon erworben , mein junger Freund . Ja , ja , die Walfischfahrer sind glückliche Leute . Immer Jagd , anregende Beschäftigung , sehr gutes Leben und Geld wie Heu . Aber freilich , da anzukommen hält schwer . « Roberts Herz schlug wie ein Hammer . Er wußte davon nicht das geringste , hatte sich über Walfischfahrer und Walfang nur oberflächlich unterrichtet , aber das durfte er ja nicht verraten , und doch brannte er vor Begierde , gerade auf ein solches Schiff zu kommen . Selbst wenn