mit bebender , gebrochener Stimme . Er breitete die Arme nach seinem Sohne aus : » Ronald - verzeihe mir ! « Es war der Wunsch des Grafen , Rondsperg sogleich zu verlassen und sich nach Haluschka zu begeben , wo seine Tochter ihn und seine Frau einstweilen aufnehmen sollte . Mit Mühe brachte man ihn dahin , die Abreise auf den morgigen Tag zu verschieben , damit der Freiherr von Waffenau von der Ankunft seiner Schwiegereltern verständigt werden und Anstalten zu ihrer Aufnahme treffen könne . Ronald schickte sich an , sofort nach Haluschka zu fahren , um seinem Schwager die Lage der Dinge auseinanderzusetzen . Am folgenden Morgen wollte er wieder zurück sein . Die Baronin schrieb in seinem Auftrage an Regula und teilte ihr mit , daß Ronald am nächsten Tage , um zwölf Uhr mittags , zur förmlichen Übergabe von Rondsperg bereit sein werde . Der Tag verging mit eifrigen Vorbereitungen zur Abfahrt ; dem alten Herrn schien der Boden unter den Füßen zu brennen , die Gräfin beschäftigte sich mit dem Packen ihrer Habseligkeiten . Sie ging still und lautlos im Zimmer umher mit ihrem gewohnten Ausdruck geduldigen Sichfügens in das Unvermeidliche . Ihre Kammerjungfer saß in einem Lehnsessel , seufzend unter der Last ihrer Gicht und ihres Fettes , und jammerte , daß sie sich der Gebieterin nicht nützlich machen konnte . Neben dem Koffer kniete Röschen , legte Stück für Stück hinein und benetzte die Hand der Gräfin , die es ihr reichte , mit ihren Tränen . Die alte Frau versuchte nicht , sie zu trösten , aber wenn das Kind gar zu bitterlich weinte , strich sie ihr sanft über Haare und Wangen und sagte mit ihrer ängstlichen und hilflosen Stimme : » Nur Mut , nur Mut ! « Regula hatte indessen den Brief der Baronin erhalten und einen zweiten Boten nach der Eisenbahnstation expediert . Er war der Träger eines Telegrammes , das an Doktor Wenzel gerichtet war und denselben in Begleitung der Herren Weberlein und Schimmelreiter nach Rondsperg beschied . Die Anwesenheit des Advokaten hätte bei der Übernahme des Gutes vollkommen genügt , aber Regula empfand in diesem schwierigen Augenblick das Bedürfnis , sich mit ihren Getreuen zu umgeben . Sie wurde etwas ruhiger , als diese Vorkehrung getroffen war , doch nagte eine Empfindung an ihr , die sie bisher nicht gekannt hatte , die ihr immer als das größte aller Schrecknisse erschienen war , die Empfindung : Es gibt Menschen , die mich nicht bewundern , die mich anklagen , mich vielleicht geringschätzen ! Sie überlegte die Motive ihrer Handlungsweise , rechtfertigte jedes , erschöpfte sich in Beweisen , daß sie das Notwendige , das Richtige getan - und dennoch war ihr die Brust wie zusammengeschnürt und dennoch wollte der Druck nicht weichen , der beklemmend und schwer auf ihr lastete . Eine gedämpfte Stimme , die sie leise ansprach , weckte sie aus ihrem Sinnen . Sie erhob den Kopf . Neben ihr stand Bozena . Ihre Lippen bebten , sie war totenblaß , leidenschaftliche , aber unterdrückte Erregung verriet sich in ihrem ganzen Wesen . » Die Herrschaften lassen packen « , sagte sie . » Es heißt , sie wollen Rondsperg für immer verlassen . « » Mögen sie « , erwiderte Regula mit scheinbarer Gleichgültigkeit . » Ich habe Rondsperg gekauft , bin hier die Herrin und kann niemanden , der nicht gern mein Gast ist , zwingen , es zu sein . Sie wollen fort , ich werde sie nicht bitten zu bleiben . « » Tun Sie es doch , Fräulein « , sprach Bozena . » Die plötzliche Abreise der alten Herrschaften würde gegen Sie , Fräulein , böses Blut machen . « Regel stieß ein kleines höhnisches Gekicher hervor , das Bozena nicht irrezumachen vermochte ; sie fuhr fort : » Niemand weiß , wie sehr Sie beleidigt worden sind - « » Wissen Sie ' s ? « » Ja , Fräulein , ich lebe in Ihrer Nähe und hab offene Augen . Die andern - die Menschen , die Sie nicht kennen , werden sagen : Sie hat sich eingebildet , der junge Graf werde sie heiraten , und weil er ihr das Röschen vorzieht , jagt sie aus Rache seine Eltern aus dem Hause . « Wahr - wahr ! denkt Regula ; ihre schlimmsten , geheimsten Befürchtungen , eben erst mühsam zum Schweigen gebracht , gewinnen eine Stimme , die aus fremdem Munde doppelt schrecklich klingt . » Bozena « , ruft sie zugleich entrüstet und unsicher , » wie dürfen Sie es wagen ... « » ' s ist meine Schuldigkeit , daß ich Sie warne « , spricht die Magd . » Was wissen Sie von der Bosheit der Menschen ? ... Die größte Freude der Menschen ist lästern , die Besten zu lästern , denn bei den Schlechten , da zahlt sich ' s nicht aus . Sie , Fräulein , sind - nach Gebühr - « Bozena neigte ihr Haupt bei diesen letzten Worten , » bisher nur geachtet und geehrt worden . Geben Sie acht , was geschieht , wenn es einmal heißt : Sie hat ' s nicht verdient - sie hat uns um unsere Achtung und Ehrfurcht betrogen ! « » Niemand wird das sagen « , rief Regel und streckte die kalten Hände zitternd aus . » Das und noch viel Schlimmeres , verlassen Sie sich drauf « , fuhr Bozena hart und unerbittlich fort . » Plötzlich wird jeder etwas wissen . Der eine : Die ältere Schwester hat im Elend sterben müssen , damit ihr alles zukomme , der Erbschleicherin ... « » Still ! « kreischte das Fräulein . Bozena jedoch , ruhiger und ruhiger werdend , je furchtbarer Regels Aufregung wuchs , sprach weiter , langsam und nachdrücklich : » Ein andrer steht auf und sagt : Auf dem Totenbette hat ihr der alte Herr das Kind seiner armen Rosa empfohlen und