rufen mag . Eingeschlossen in den düsteren Raum , in welchem ich von dem leidigen Teufel so oft gesprochen und von der ewigen Höllenpein . - Dort im Gezelt der ewige Gott ; jetzo bist du mit ihm allein . Nein , ich habe es nicht vermocht , hinzublicken auf den Altar ; das rote Licht schwebt auf mich zu . Ich verkrieche mich wieder in den Beichtstuhl . So bin ich dagesessen mit erregten Sinnen . Jetzt und jetzt muß sich der Vorhang bewegen und eine kalte Hand hereinlangen . Aber es bleibt still . Sonst knien sie da draußen vor dem Schuber , die armen Sünder , und erforschen das Gewissen ; und jetzt erforscht es der Beichtiger selbst . Habe zurückgeblickt auf mein Leben . Wie ist es so bewegt , wie bin ich arm und einsam gewesen ! Und so hart ! - Und in dem Teiche ist ein Herz verloschen . - Das einzige , das mich lieb gehabt in der weiten Welt ... Was ist gemeint gewesen mit meinen hohlen Taten ? - Wenn ich vor Gottes Richterstuhl stehe ? Wird auch nur eine Seele sein , die sagt : Er hat mich gerettet ? - Und als es in mir so schreit , da ist plötzlich ein Stöhnen vor dem Schuber des Beichtstuhles , als kniete jener Mann noch davor . Ich fahre empor , aber - still ist es , das Mondlicht rinnt durch das Fenster . - An wem liegt die Schuld , als an mir ? - Wie viele Jahre sind mir noch gegeben ? O Gott , führe mich weg von deinem Altare , dem ich ein unwürdiger Diener gewesen . Und von den Menschen führe mich weg . Führe mich zu einer einsamen Stätte , wo ich mich selbst erlösen kann ! Diese Sehnsucht hat sich wie Tau gelegt auf mein Gemüt ; ruhiger ist es geworden und meine Augen sind gesunken . Jetzt aber höre ich plötzlich von außen eine Stimme , die Pater Paulus ! ruft . Endlich befreit ! denke ich und will mich erheben . In demselben Augenblick höre ich aufschreien : Jesus Maria ! da ist er , da hängt er am Strick ! Ich tue einen Schrei , der in dem Kirchenschiffe gellt und von dem ich selbst erschrocken bin . Da ist draußen noch ein Klageruf und ich höre , wie sich die Leute eilig wieder davonmachen . Der Aufschrei in der Kirche , mein Hilferuf , hat sie verscheucht . Ich bin allein . Erregt , daß mir der Atem stockt . Mitternacht schlägt es . Und wie ? Draußen hängt einer am Strick ? Auf mein Angesicht bin ich gefallen : Heiliger Gott , bewahre mich vor Selbstmord ! Aber jetzo steigt plötzlich eine Ahnung in mir auf . Wie , wenn es der Mann ist , dem ich zur späten Abendstunde die Lossprechung verweigert , den ich in die Verzweiflung zurückgestoßen habe ? Wenn er hingegangen ist und sich das Leben genommen hat ? ! - In derselben Stunde , guter Freund , habe ich Schreckliches ausgestanden . Der Selbstmörder , wie er mich angrinst mit starrem Auge ! - Und aus den Tiefen des Teiches ... ! Und all die unerlösten Seelen kommen , denen ich die Verdammung gepredigt . Und inmitten steht das hohe Kreuz und eine Stimme höre ich rufen : Du hast die Liebe getötet ! « Ächzend ist der Mann hingesunken auf das Geäste des Baumes . Kaum habe ich es vermocht , ihn wieder aufzurichten . Nebelfeuchtes Wildfarnkraut reiße ich ab und lege es auf seine heiße Stirne . » Erzählet ein andermal zu Ende , « sage ich , » und gehen wir heute in unsere Wohnungen , es kommt wahrhaftig schon die Nacht . « Er hat sich aufgerichtet , ist mit den Zipfeln seines Mantels sich über die Augen gefahren . » Heute ist der Frieden in mir , « sagt er hierauf ruhig , » aber so oft ich an dieselbe Stunde denke , stockt mein Blut . Nun jetzo wird es schon besser . - Wie ich meine Augen wieder auftue , da schaut das Morgenrot zu den Fenstern herein . Wie ein gütiges Lächeln liegt es auf dem Altare und auf dem Bilde der Mutter Maria . - Ich habe mich aufgerichtet und ein Gelöbnis getan , und da ist mir gewesen , als müsse alles anders werden . Bald danach haben die Schlüssel der Kirchentüre gerasselt ; Leute kommen . Sie brechen in ein Frohlocken aus , als sie mich sehen , und führen mich an der Hand in das Freie . Sie erzählen , wie sie mich gesucht , wie sie wohl einen Schrei gehört in der Kirche , wie sie aber gemeint hätten , es sei eine Geisterstimme . Sie führen mich abseits vom Kirchhofe , denn dort ist an einem eisernen Grabkreuze der Selbstmörder gehangen . Ich habe mich nachher in mein Zimmer verschlossen und bin in demselben verblieben den ganzen Tag . Ich hätte an dem Tage eine Predigt halten sollen über die Buße und die Erbarmungen Gottes . Ein anderer meiner Genossen hat es für mich getan . Die Leute sollen sich erzählt haben , ich sei die Nacht über absichtlich in der Kirche geblieben und hätte Offenbarungen gehabt . Spät abends , als ringsum alles geschlafen , habe ich auf ein Blatt Papier die Worte geschrieben : Lebt wohl , meine Brüder . Forscht nicht nach mir . Und dann habe ich genommen , was mein , und bin aus dem Hause gegangen und aus dem Dorfe , und die Landstraße entlang die ganze Nacht . Planlos ist mein Wandern . Ich überlasse mich dem Zufall . Ich habe nichts zu verlieren ; nur aus dem Bereiche der belebteren Gegenden trachte ich fortzugelangen . Ich habe meine Richtung gegen das Gebirge genommen . Als der Morgen graut , bin ich zwischen Waldbergen ; ein Bach rauscht mir entgegen .