Herz im Leibe lachen konnte ; und als endlich gar der eigene Hausstand an die Reihe kam , als einer Beletage Unter den Linden , der Bedienten , Wagen und Pferde wie selbstverständlicher Dinge Erwähnung geschah , Freund , da hätten Sie sehen sollen , wie unser Bräutchen auftaute ! Wie die Ohrchen sich spitzten , die Äugelchen blitzten , die blassen Wangen immer rosiger sich färbten . Die kleine Dorl sah sich schon als Frau Geheimrätin , wohl gar als gnädige Frau , in Tituskopf und Tunika , wiegte sich auf seidenen Polstern zwischen Pendülen und Vasen , während draußen Generale und Grafen antichambrierten in Erwartung des gefeierten Herrn Gemahls . Jetzt wagte sie es , die Augen zu ihm aufzuschlagen ; sie nickte ihm lächelnd zu und ließ die bisher so widerwillige Hand ohne Sträuben in der seinen . Ja , Weiberchen , Weiberchen , Evas Töchter , die ihr alle seid ! - Das Herdfeuer lodert in Erwartung der Hausfrau - - so schloß der geschickte Mann seine Schilderei , - und auch die Hausfrau wird ja , wills Gott , nur auf Tage noch dem freundlichen Heimwesen fehlen . Wir sind beide verwaist , auch Sie , liebe Dorothee , majorenn ; die erforderlichen Zeugnisse können im Orte bezogen werden . Übermorgen darf das erste Aufgebot stattfinden , und zweifle ich nicht , daß uns alle weiteren Observanzen erlassen werden , wenn ich in Leipzig , wo ich morgen einige alte Freunde und Gönner aufzusuchen gedenke , mich beim Konsistorium darum bemühe . Jedenfalls wird bis zum übernächsten Sonntag alles erledigt und dann auch die Zeugin unserer Verlobung gegenwärtig sein , Fräulein Hardine , die ich so gern auch als Zeugin unserer stillen Hochzeitsfeier begrüßen möchte . - Adelheid hat recht , Propst ; es ist merkwürdig , wie die kleine Dorl an unserer Dine hängt . Ein anderer als Mosjö Per-sé würde sich solch ein Freundschaftsregiment verbitten ! Aber der : Schürzenangelegenheiten - bah ! Ja wärs ein Mann , der ihm ins Gehege käme , dann gnade Gott ! - Die Kleine hatte seinem Plane mit aller Gelassenheit zugehört ; bei dem Namen Hardine aber fuhr sie erschrocken in die Höhe ; weiß Gott , sie zitterte und wurde jählings wieder blaß wie eine Wand . Hardine ! flüsterte sie . Wann kommt Fräulein Hardine ? - Sie soll zur Hochzeit nicht fehlen , Herzenskind , rief ich ihr ermunternd zu . - Morgen schreibe ich ihr , und in spätestens acht Tagen ist sie da . - Dorothee saß auf ihrem Stuhle zurückgesunken und regte sich nicht . Der Bräutigam leerte das letzte Glas auf das Wohl unserer guten Tochter . Auch die Braut mußte anstoßen und nippen , aber sie tat es mit einem Schütteln , als ob ihr der Tod übers Grab gelaufen sei . Wir alle sahen , wie sehr das liebe Kind der Ruhe bedürfe . Meine Frau hob die Tafel auf ; der Gast empfahl sich , um im Gasthof ein Nachtquartier zu suchen . Unser Fest war zu Ende . - Lieber Herr Major , sagte die gutmütige Dorl , als ich sie die Treppe hinaufführte , bitte , schreiben Sie Fräulein Hardine nicht . Es möchte ihr ungelegen sein . Sie kommt ja ohnedies . Oder wir warten , bis sie kommt . - Nun , ich habe auch nicht geschrieben , da am andern Morgen ein Brief ihre Ankunft bis spätestens Donnerstag meldete . Und nun ist sie doch nicht gekommen und kommt am Ende auch gar nicht mehr zu rechter Zeit . Ihr Herr Vater , Fräulein Hardine , hatte sich bei den letzten Worten erhoben , um den Heimweg anzutreten . Ich begleitete ihn und bat , daß er seine Mitteilung fortsetzen möge . - Was soll ich weiter berichten , sagte er . Es ist alles gekommen , wie unser Doktor es ausgeklügelt hatte . Am Sonntag sind sie zum erstenmal von der Kanzel gefallen . Morgen geschiehts zum zweiten- und drittenmal vereinigt . Am Nachmittag , oder spätestens Montag früh , eine stille Trauung auf dem Lande , als Zeugen nur Adelheid , ich und , wenn sie noch eintrifft , versteht sich , unsere Tochter . Daß sie nur käme ! Die Kleine verzehrt sich buchstäblich über dieser fixen Idee . Bei jedem Wagen , der die Straße heraufrollt , stürzt sie ans Fenster und schaut hinaus . Hardine , Fräulein Hardine ! sind fast die einzigen Worte , die ihre Lippen berühren . Vorgestern , wo wir sie mit Bestimmtheit erwarteten , habe ich selber mich über die kleine Torheit geärgert . Sie ist in diesen acht Tagen abgemagert zum Skelett ; der Verlobungsring , der ihr so drall am Finger saß , rollt bei der geringsten Hantierung in ihren Schoß . Sogar an den Brautputz denkt sie nicht . Es wird doch nichts daraus ! murmelte sie , als Adelheid neulich davon anfing . Hysterie , Propst , nennt man ja wohl diese Launen bei dem Frauenvolk ? Gottlob , unsere Dine hat von dem Unwesen keine Spur . Und zeigt der Bräutigam keine Art von Beunruhigung über diesen jedenfalls verwunderlichen Herzenszustand ? wagte ich zu äußern ; ein Zweifel , welchen der ritterliche Herr Major aber nahezu als eine Ehrenkränkung zurückwies . - Wie meinen Sie das , Propst ? rief er unwillig . Hat der Mann nicht Adelheids und mein eigenes Zeugnis für des Mädchens untadeliges Verhalten ? Würde ohne dasselbe unsere Tochter ihre Freundin sein ? Rühmt nicht die ganze Stadt ihre geradezu scheue Zurückhaltung seit jenem heillosen Donnerstagabend , an dessen Ausgelassenheit das arme Kind wahrlich geringere Schuld als wir anderen samt und sonders getragen hat ? Daß sie bis jetzt keine übermäßige Passion für den Herrn Bräutigam empfindet , darüber wird er selber am besten im reinen sein , er ist kein Apollo , unser Mosjö Per-sé ! Aber nur erst unter die Haube und an den eigenen Herd . Einer , wie