, wie sehr mich die Geschichte kümmert , und hier bin ich , Mutter , und du wirst uns helfen , daß wir die Tonie nicht verlieren und sie gar noch an einen solchen Schuft verlieren . « » Ich werde jedenfalls meine fünf gesunden Sinne beieinanderbehalten , und das übrige wird sich finden « , sprach die Frau Adelheid von Lauen . » Auf Phantastereien laß ich mich nicht ein : - o Gott , da kann ich selbst den Herrn von Glaubigern nicht zu Rat und Trost gebrauchen ; das seh ich schon , jetzt werde ich fürs erste die einzige verständige Seele auf dem Lauenhofe sein , und gerade jetzt in all dem Wirrwarr und Erntearbeiten ! Das hat mir gerade noch gefehlt ; und so ist es mir mein ganzes Leben durch gegangen ! Aber das sage ich euch , allen : hier behalte ich die Zügel in der Hand , und jetzt werde ich mit der Jane reden , an das Frölen und den Ritter mag ich gar nicht denken . O Himmel , da möcht ich lieber doch zum Pastor Buschmann um Hülfe und Beirat schicken ! « - Hätte Herr Dietrich Häußler Edler von Haußenbleib geahnt , in welche Verwirrung er das Haus derer von Lauen durch sein Erscheinen nördlich am Harz stürze , so würde er sich in seinem schlechten Gemüte sicher trefflich darüber ergötzt haben . Wer sagt uns aber , daß er es nicht wußte ? Es entstand in dem obern Stockwerk des alten Rittersitzes eine große Bewegung . Unten im Hause vernahm man den Chevalier , das Fräulein von Saint-Trouin und Jane Warwolf auf der Treppe . Sie stiegen in aller Hast hinunter und redeten wirr durcheinander . Einundzwanzigstes Kapitel Der seltsame Nebel , der , so weit sein Reich ging , jedermann betäubte oder aufregte , hatte auch an Tonie Häußler seine Macht nicht verloren . Sie bekam kein Kopfweh wie Fräulein Adelaide , aber sie fühlte sich unruhig , beängstigt und verspürte eine rechte Lust zum Weinen , ohne zu wissen weshalb und ohne ihr nachzugeben . Im Gegenteil , sie nannte sich selber ein dummes Närrchen , warf all die lustigen und traurigen Melodien , die ihr in den Sinn kamen , in einen Reihen oder Leich zusammen und trug im Tanzschritt ihre Laterne über den Hof zur Mamsell Molkemeyer , um ihr ihre Hülfe anzubieten . Doch die Mamsell war sehr ungnädig und sagte : » Kind , tu , was du willst , nur geh mir aus dem Wege ! Gebrauchen kann ich dich jetzt nicht . « Dasselbe hatte bereits die gnädige Frau gesagt und hinzugefügt : » Tonie , du siehst müde und matt aus ; geh zu den Alten oder suche dir sonst einen stillen Winkel aus ; für heute sollst du Ruhe haben . « Aber heute einen stillen Winkel auf dem Lauenhofe zu finden , das war eine Kunst ; in den beiden einzigen , welche es an diesem Abend gab , hatten sich die beiden » Alten « bereits verriegelt , und selbst den Chevalier hätte Tonie an diesem Abend nur ungern in seiner Ruhe gestört . Da trug sie denn ihr Laternchen aus dem Bezirk der Mamsell Molkemeyer weiter und trug es in den nächtigen Garten . » Es ist das beste , ich hole mir noch einen Strauß « , sagte sie ; » einen Strauß für den Tisch ; sie haben doch alle ihre Freude dran , und es ist so bald vorbei damit . Sie waren alle heute so vergnügt und ich auch ; ich habe mit ihnen gelacht und gesungen , aber so recht gefreut habe ich mich doch nicht . Nun liegen die Felder wieder leer hinter uns , ich sah hoch vom Wagen durch den häßlichen Dunst , weiter als sie alle ; es war alles leer , und deshalb war ich traurig selbst unter der Erntekrone . Ja , ich hole mir und ihnen noch einen Strauß von lebendigen Blumen ; wenn auch nur der Ritter darauf achtet , so ist ' s gut und genug . « Sie nahm ihr Lämpchen auf und gelangte durch eine Seitenpforte in den Garten , und hier unter den alten hohen Bäumen war es finsterer als sonstwo . Tonie Häußler ließ schnell die hohen rauschenden Wipfel hinter sich und warf im Vorübereilen nur einen scheuen Blick an den Stämmen empor , wie der Schein ihrer Laterne an ihnen vorbeiglitt und an ihnen in die Höhe lief . Sie hätte unter ihren Blumen selbst ohne ihr Laternchen Bescheid gewußt ; schon hatte sie zierlich ihre Kleider zusammengefaßt und schlüpfte zwischen den feuchten Buchsbaumeinfassungen der Beete hin . Nun kauerte sie unter ihren Lieblingen , stellte ihr Licht mitten in einen vollen Asternbusch und sagte lächelnd : » Das ist meine Ernte . « Sie pflückte zur Rechten und Linken und im Kreise umher und hielt jede Blume in den Lampenschein , ehe sie dieselbe den Schwestern in der linken Hand hinzufügte . Sie neigte das hübsche Haupt zur Rechten und zur Linken und summte leise ihre Melodien fort ; doch der fröhlichen wurden leider immer weniger , und die melancholischen gewannen bald ganz und gar die Oberhand . Jetzt betrachtete die Sängerin ihren Strauß , und dann trug sie ihre Laterne zu einem anderen Beet , kauerte von neuem nieder , aber sang nicht weiter . Ganz ängstlich blickte sie nun über die Schultern und sagte leise lachend : » Man sollte meinen , ich wolle mir selber Mut machen mit dem Singsang ! Ei Tonie , fängst du an , dich vor der Nacht und dem Höhenrauch zu fürchten ? Das wäre noch besser , und nun hältst du dir selbst zum Trotz den Mund und kümmerst dich um nichts . « Das war leicht gesagt , aber schwer getan , denn der Strauß war noch lange nicht fertig , und an Stelle der Liedersätze kamen die Gedanken , und leider Gottes kamen